Da die Kindheitspädagogik im weiteren Sinne als ein Feld der sozialen Arbeit aufgefasst werden kann, ist auch hier ein ethisches Reflektieren der eigenen ethischen Haltungen unerlässlich. Hierbei stellt sich die Frage: Was ist das Richtige, das Gute? Ein Antwortversuch auf diese Frage stellt die Care-Ethik dar. Dabei geht es um Achtsamkeit, Verantwortungsübernahme und Präsenz, aber auch um Gabe Handeln und Wertschätzung. Innerhalb der sozialen Arbeit gibt es dazu verschiedene Autoren, die ihre Sicht bezüglich der Care-Ethik in diesem Fachbereich näher beschrieben haben. Zwei davon, die Care-Ethik von Elisabeth Conradi und die von Ruth Großmaß/Gudrun Perko sollen hier in dieser Ausarbeitung näher vorgestellt und miteinander verglichen werden. Danach wird ein praktischer Bezug zur Kindheitspädagogik hergestellt. Ein abschließendes Fazit rundet diese Hausarbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung der Care-Ethik von Elisabeth Conradi
3. Care-Ethik von Großmaß/Perko
4. Diskussion der beiden Ansätze
5. Übertragung auf die Kindheitspädagogik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit setzt sich zum Ziel, die theoretischen Ansätze der Care-Ethik von Elisabeth Conradi sowie Ruth Großmaß und Gudrun Perko kritisch gegenüberzustellen und deren Bedeutung sowie praktische Anwendbarkeit für den Bereich der Kindheitspädagogik zu untersuchen.
- Vergleich der Care-Ethik-Positionen von Conradi und Großmaß/Perko
- Historische Wurzeln und theoretische Grundlagen der Care-Ethik
- Reflexion asymmetrischer Machtverhältnisse in pädagogischen Beziehungen
- Bedeutung der Selbstsorge für Fachkräfte in helfenden Berufen
- Praktische Implikationen der Achtsamkeit in der Kindheitspädagogik (z.B. Wickelsituationen)
Auszug aus dem Buch
2. Darstellung der Care-Ethik von Elisabeth Conradi
Elisabeth Conradi ist Professorin für Gesellschaftstheorie und Philosophie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart. Ursprünglich entwickelte sie ihren Care-Ansatz aus dem Bereich der Philosophie heraus („Take care. Grundlagen einer Ethik der Achtsamkeit. Campus. 2001) und brachte später die Philosophie mit der Pflege zusammen. Sie sorgte damit für notwendige Grundlagen einer pflegewissenschaftlichen Ethik. Im Jahr 2013 befasste sie sich in dem Artikel „Ethik im Kontext der sozialen Arbeit“ auch mit der Ethik im Hinblick auf die im sozialen Bereich Tätigen. Dieser Artikel erschien in der Online-Zeitschrift EthikJournal. Dieses Journal hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu einem lebendigem Austausch über ethische Fragen und normativen Grundlagen sozialer Professionen beizutragen. Conradi beabsichtigt dabei in ihrem Artikel eine Ethik im sozialprofessionellen Kontext darzulegen, die sich von der philosophischen Ethik der Achtsamkeit (care-Ethik) inspirieren lässt. Da auch der Kontext der Handlung berücksichtigt werden muss, sind in der Beurteilung auch strukturell organisatorische Ebenen, politische Aspekte und der gesellschaftliche Wandel in der Ethik mit einbezogen. Im Folgenden sollen zentrale Aspekte des Artikels und Conradis Ethik der Achtsamkeit dargelegt werden.
Conradi umreißt zu Beginn das Aufgabengebiet der Ethik im Kontext der sozialen Arbeit etwas näher. Hierbei bezieht sie sich zunächst auf Immanuel Kant als Ausgangspunkt, der mit seiner Frage „Was soll ich tun?“ eine individuell getroffene Entscheidung aufwirft, der eine Handlung, ausgewählt aus mehreren Optionen, folgt. Die Ethik ist hierbei durch das „Ich“ individualethisch (vgl. ebd.: S. 2). Sie kritisiert diesen Ansatz, da sich im sozialprofessionellen Kontext diese Frage ihrer Meinung nach nicht als passender Ausgangspunkt erweist, denn dort sind neben den Beschlüssen, die über einzelne Handlungen zu treffen sind auch planerische Entscheidungen nötig. Zudem sind Beschlüsse in Kooperation mit anderen wichtig und das Maß der Verbindlichkeit getroffener Entscheidungen obliegt nicht dem Individuum, sondern der Zusammenarbeit zwischen den Menschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema Care-Ethik im Rahmen des Moduls 12 und begründet die Relevanz einer ethischen Reflexion für das Berufsfeld der Kindheitspädagogik.
2. Darstellung der Care-Ethik von Elisabeth Conradi: Dieses Kapitel erläutert Conradis Ansatz einer „Ethik der Achtsamkeit“, die eine Verbindung zwischen philosophischer Theorie und sozialprofessionellem Handeln herstellt.
3. Care-Ethik von Großmaß/Perko: Hier wird der Care-Ethik-Ansatz von Großmaß und Perko vorgestellt, der verstärkt historische Entwicklungen und den aktuellen Diskurs in den Fokus rückt.
4. Diskussion der beiden Ansätze: Das Kapitel vergleicht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Positionen, insbesondere hinsichtlich ihrer theoretischen Herleitung und ihrer politischen Normativität.
5. Übertragung auf die Kindheitspädagogik: Die Autorin wendet die theoretischen Konzepte auf konkrete Alltagssituationen in pädagogischen Einrichtungen, wie z.B. das Wickeln, an.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, ethische Entscheidungen im pädagogischen Alltag bewusst zu reflektieren.
Schlüsselwörter
Care-Ethik, Ethik der Achtsamkeit, Soziale Arbeit, Kindheitspädagogik, Elisabeth Conradi, Großmaß, Perko, Tugendethik, Asymmetrie, Selbstsorge, Empowerment, Professionelles Handeln, Verantwortung, Inklusion, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit den theoretischen Ansätzen der Care-Ethik von Elisabeth Conradi sowie Großmaß und Perko und analysiert deren Anwendungsmöglichkeiten im beruflichen Alltag der Kindheitspädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Care-Ethik, die ethische Reflexion in helfenden Berufen, der Umgang mit Machtasymmetrien in pädagogischen Beziehungen und das Konzept der Selbstsorge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden theoretischen Ansätze herauszuarbeiten und deren Nutzen für das ethische Handeln von pädagogischen Fachkräften aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, in der die Ansätze von Conradi sowie Großmaß/Perko gegenübergestellt und anschließend auf die praktische pädagogische Arbeit übertragen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung beider Care-Ethik-Positionen, eine vergleichende Diskussion sowie die praktische Anwendung der Konzepte auf frühpädagogische Situationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Care-Ethik, Ethik der Achtsamkeit, professionelles Handeln, Kindheitspädagogik, Selbstsorge und die Reflexion von Machtverhältnissen.
Wie unterscheidet sich Conradis Ansatz von dem von Großmaß und Perko?
Conradi fokussiert stärker auf eine kritische Auseinandersetzung mit der Pflichtenethik und entwickelt eine eigene politische Ethik der Achtsamkeit, während Großmaß/Perko eher den aktuellen Diskurs und historische Wurzeln der Care-Ethik aufarbeiten.
Warum ist das 4-Phasenmodell von Tronto in diesem Kontext relevant?
Das Modell wird von Großmaß/Perko herangezogen, um Care-Prozesse in der beruflichen Praxis (Wahrnehmung, Verantwortung, Handlung, Reaktion) zu strukturieren und die Reflexion über die Angemessenheit von Hilfsleistungen zu ermöglichen.
Inwiefern spielt das Wickeln eine Rolle für die Argumentation?
Die Wickelsituation dient als konkretes Beispiel aus dem Alltag der Kindheitspädagogik, um zu illustrieren, wie achtsames Handeln Machtasymmetrien zwischen Fachkraft und Kind abmildern und die Würde des Kindes wahren kann.
- Quote paper
- A. S. (Author), 2016, Care Ethik. Eine Analyse der Positionen von Elisabeth Conradi sowie Ruth Großmaß und Gudrun Perko, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/377007