Diese Arbeit handelt vom Fremdsprachenerwerb, weswegen die Besonderheiten des Arbeitsgedächtnisses in Bezug auf das Erlernen einer Sprache behandelt werden. Im zweiten Kapitel werden zwei einflussreiche Modelle des kurzfristigen Gedächtnissystems dargestellt, wobei kurz auf den Unterschied zwischen den Begriffen „Kurzzeitgedächtnis“ und „Arbeitsgedächtnis“ eingegangen wird. Das Hauptziel der Arbeit ist, im Folgenden die Rolle des Arbeitsgedächtnisses bezüglich des Erwerbs von syntaktischen Strukturen in einer L2 zu erläutern. Abschließend gibt das Fazit einen Überblick über die ganzen Inhalte der Arbeit.
In den kognitiven Wissenschaften und den Neurowissenschaften bekommt das Thema des Gedächtnisses viel Aufmerksamkeit und wird schon eine lange Zeit ausführlich behandelt. Die Anzahl der Forschungen im Bereich des transienten Gedächtnisses ist innerhalb von den letzten 30 Jahren in der modernen Wissenschaft rasant gewachsen, sodass verschiedene Phänomene des kurzfristigen Gedächtnissystems ebenso in anderen Gebieten das Interesse weckten, z.B. in der Psychiatrie, Paläoantropologie und Bildung (Baddeley 2010: 136).
Das Arbeitsgedächtnis wird oft im Zusammenhang mit Bildungswesen erforscht, wobei solche Komponenten wie dauerhafte Aufbewahrung von Informationen im Gedächtnis, Argumentation und Schlussfolgerung, Sprachverständnis und Kopfrechnen von Bedeutung sind (Gathercole/Baddeley 1993: 2).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnismodelle in der modernen Wissenschaft
2.1 Kurzzeitgedächtnismodell von Atkinson/Shiffrin
2.2 Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley
3. Arbeitsgedächtnis und Erwerb von syntaktischen Strukturen in einer L2
3.1 Beschreibung der Studie
3.2 Wichtige Hypothesen und Befunde
4. Fazit
Anhang A
A.1 Kurzzeitgedächtnis nach Atkinson/Shiffrin
A.2 Primär- und Rezenz-Effekt
A.3 Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley
A.4 Wortlängeneffekt im Gedächtnisspannen-Experiment von Baddeley
A.5 Bearbeitetes Baddeleys Modell
A6. “So+aux+I” und “Neither+aux+I” im Englischen und Portugiesischen
A7. Hypothesen und Ergebnisse der Finardi Studie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Arbeitsgedächtnisses beim Erwerb syntaktischer Strukturen in einer Fremdsprache. Dabei wird analysiert, inwieweit die individuelle Kapazität des Arbeitsgedächtnisses die Speicherung und Verarbeitung grammatischer Regeln im Kontext des Zweitsprachenerwerbs beeinflusst.
- Vergleich klassischer Modelle des Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnisses
- Analyse der phonologischen Schleife und ihrer Bedeutung für sprachliche Enkodierung
- Empirische Untersuchung des Syntaxerwerbs bei Fremdsprachenlernern
- Einfluss von Gedächtnisspanne auf die Genauigkeit bei grammatischen Aufgaben
Auszug aus dem Buch
3.1 Beschreibung der Studie
Basierend auf der Tatsache, dass Kapazitäten des Arbeitsgedächtnisses und die Sprechentwicklung in einer Fremdsprache in einer unmittelbaren Verbindung zueinander stehen, ist nun die Frage zu beantworten, welche Rolle das kurzfristige Gedächtnissystem bei der Entwicklung der Sprechfähigkeit in einer L2 spielt, und insbesondere bei dem Erwerb von fremdsprachigen syntaktischen Strukturen. Um das zu erforschende Problem in Angriff zu nehmen, müssen zwei wesentliche Prozesse beobachtet werden, und zwar die Speicherung der syntaktischen Regel und der tatsächliche Erwerb dieser Regel. Dabei wird die Bearbeitung sowohl der grammatischen Form als auch der grammatischen Form in einem kommunikativen Kontext, d.h. mit der Bedeutung verbunden, betrachtet. Auf diese Art und Weise muss herausgefunden werden, ob die Arbeitsgedächtniskapazität die oben genannten Prozesse (die Speicherung und den Erwerb der Regel) beeinflussen kann (Finardi 2010: 3). In dieser Studie wird das Arbeitsgedächtnis als „System responsible for storing and processing information online during the performance of complex cognitive tasks“ verstanden (ebd.: 7). Aufgrund der Einschränkungen in diesem System werden die Leistungen in sprechspezifischen mündlichen Aufgaben ebenfalls beeinträchtigt (ebd.).
Als syntaktische Struktur wurden die Formeln „So+aux+I“ und „Neither+aux+I“ aus der Fremdsprache Englisch genommen. Die Probanden, erwachsene Englischlerner mit dem brasilianischen Portugiesisch als Muttersprache, wurden mit dieser Struktur konfrontiert. Sie weist die Benutzung von einem anderen Verb im Englischen sowie eine besondere Bewegung von dem Verb in der Muttersprache (s. Anhang A6) auf, und deswegen wurde sie einer schwierigen Stufe eingeordnet und für die Studie ausgewählt (ebd.: 7f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Arbeitsgedächtnisses für kognitive Prozesse und den Fremdsprachenerwerb ein und definiert das Hauptziel der Arbeit.
2. Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnismodelle in der modernen Wissenschaft: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Modelle von Atkinson/Shiffrin und Baddeley gegenüber und diskutiert deren Unterschiede sowie die Bedeutung für die moderne Forschung.
3. Arbeitsgedächtnis und Erwerb von syntaktischen Strukturen in einer L2: In diesem Kapitel wird die Studie von Finardi vorgestellt, die empirisch untersucht, wie die Arbeitsgedächtniskapazität den Erwerb komplexer englischer Syntaxstrukturen bei portugiesischsprachigen Lernern beeinflusst.
4. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung der Arbeitsgedächtniskapazität für den erfolgreichen Erwerb syntaktischer Strukturen in einer Zweitsprache.
Schlüsselwörter
Arbeitsgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis, Zweitsprachenerwerb, Syntax, Kognitive Psychologie, Baddeley, Phonologische Schleife, Zentrale Exekutive, Sprachverständnis, Gedächtnisspanne, Syntaktische Strukturen, L2-Lernen, Enkodierung, Retention Test, Acquisitional Test
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kognitiven Voraussetzungen beim Sprachenlernen, insbesondere wie das Arbeitsgedächtnis den Erwerb komplexer syntaktischer Strukturen in einer Fremdsprache steuert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen gehören Modelle des menschlichen Gedächtnisses, die Mechanismen der Informationsverarbeitung sowie die empirische Verbindung zwischen Gedächtniskapazität und sprachlicher Performanz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, auf Basis der Finardi-Studie aufzuzeigen, ob und wie eine höhere Kapazität des Arbeitsgedächtnisses zu präziseren Ergebnissen beim Erwerb fremdsprachiger Syntaxregeln führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu Gedächtnismodellen und einer Sekundärauswertung einer empirischen Studie, die verschiedene Sprachtests (Retention und Acquisitional Tests) und Gedächtnisspannen-Tests kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Modelle (Atkinson/Shiffrin, Baddeley) und die detaillierte Beschreibung sowie Auswertung einer spezifischen Fallstudie zum Erwerb englischer Syntaxstrukturen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Arbeitsgedächtnismodell, Syntaxerwerb, kognitive Bearbeitung und L2-Sprechkompetenz beschreiben.
Wie unterscheidet sich das Atkinson/Shiffrin-Modell grundlegend von Baddeleys Ansatz?
Während Atkinson/Shiffrin das Kurzzeitgedächtnis primär als einfache Durchgangsstation zum Langzeitgedächtnis betrachten, definiert Baddeley das Arbeitsgedächtnis als ein dynamisches, aus mehreren interagierenden Systemen bestehendes Kontrollzentrum.
Welchen Einfluss hat die "artikulatorische Suppression" auf die Messergebnisse?
Die artikulatorische Suppression unterbindet durch lautes Sprechen während der Enkodierungsphase die internen Wiederholungsprozesse in der phonologischen Schleife, was zu einer deutlich verkürzten Gedächtnisspanne führt.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "strict score" und "lenient score" bei der Auswertung eine Rolle?
Die Unterscheidung zeigt, dass bei anspruchsvollen Aufgaben die Fokussierung auf Bedeutung oft zulasten der grammatischen Form geht; ein "lenient score" hilft dabei, diese kognitive Belastung statistisch differenzierter zu erfassen.
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- Irina Prutskova (Author), 2016, Die Rolle des Arbeitsgedächtnisses beim Erwerb von syntaktischen Strukturen in einer Fremdsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/376906