In dieser Arbeit soll besonders eingegangen werden auf die Darstellungen in der Malerei mit dem Thema der Versuchungen des heiligen Antonius, die in typischen Umbruchszeiten entstanden sind: in diesem Fall im 16. Jahrhundert und in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts - sowie der Darstellungen des Themas Versuchung in religiösen Filmdarstellungen der Zeit nach dem 2. Weltkrieg: der „bel-ami-wettbewerb" 1946/47 für ein Bild mit dem Titel „die Versuchung des heiligen Antonius" als „Staffage" für eine Szene in dem Film „The Private Affairs of Bel Ami" nach dem Roman von Guy de Maupassant (1850-1893), welcher 1885 erschien. In einer Schlüsselszene wollte Regisseur Albert Lewin dieses Bild in Großaufnahme integrieren. Die z.T. berühmten Maler, u.a. S. Dali und M. Ernst dieses Wettbewerbs werden später in dieser Arbeit noch erwähnt werden.
Hauptsächlich wird sich diese Arbeit aber beschäftigen mit einem Vergleich von religiöser Versuchung im Film von Martin Scorsese „Die letzte Versuchung Christi" (1988) nach dem Roman von Nikos Kanzantzakis (1883-1957) und dem Werk „Die Versuchung des heiligen Antonius“ von 1878 von Felicien Rops (1833-1898). Dabei soll eingegangen werden auf den Zeitfaktor der Versuchung, auf die Ikonographie der Werke, auf die jeweilige Darstellung der Versuchung, der Versuchten, auf die diversen Orte der Versuchung, auf die Rolle der Frau im Film und bei Rops. Nicht zuletzt soll berichtet werden über die Rezeptionsgeschichte sowohl des Films als auch der Rops'schen Darstellungen.
Die Versuchung des Heiligen Antonius ist Thema der Kunst seit gut 500 Jahren. Die Darstellung von Rops unterscheidet sich deutlich von allen, auch späteren, Interpretationen. Sie ist deutlicher Ausdruck einer französischen Philosophie des 19. Jh., der decadence, und des Symbolismus in der Malerei. Rops ist auch der Buchillustrator für die wesentlichen französischen Autoren der 2. Hälfte des 19. Jhs.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Teil 1
Biographie des Felicien Rops
Bildbeschreibung von F. Rops:Die Versuchung des heiligen Antonius von 1878
Die Figur des Antonius des Großen
Die Figur des Origenes
De Continentia Josephi
Der Antoniterorden
Das dämonische Weib oder die Botin des Teufels
Prostitution und Syphilis
Eros und Thanatos
Teil 2
Die „Versuchung des heiligen Antonius“ in der Ikonographie früherer Darstellungen:
bei: Matthias Grünewald im Isenheimer Altar
bei einem Antwerpener Künstler
bei Lucas Cranach d.Ä.
bei Adriaen Isenbart o. Jan Wellens de Cock
bei Jan Wellens de Cock
bei Hieronymus Bosch (Kopie) nach der Mitteltafel des Lissaboner Altars
bei Nachfolger Hieronymus Bosch
bei Antwerpener Boschnachfolger
bei Joos van Craesbeeck
bei Paolo Caliari, genannt Veronese
bei David Teniers
bei Salvator Rosa
bei Felicien Rops im Werk von 1858
bei Max Ernst (nach Rops im Jahr 1945)
Bemerkungen zu Textstellen
Teil 3
Essay über die Darstellung von Versuchung bei F. Rops und M- Scorceses Film „Die letzte Versuchung Christi“ von 1988.
Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexe Ikonographie der „Versuchung des heiligen Antonius“ von Felicien Rops (1878) und setzt diese in einen kulturhistorischen Kontext. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Rops religiöse Motive mit den gesellschaftlichen Umbrüchen, dem Rollenbild der Frau und dem Phänomen der Prostitution im 19. Jahrhundert verknüpft und wie er sich damit von traditionellen künstlerischen Vorbildern distanziert oder diese transformiert.
- Ikonographische Analyse von Rops' „Versuchung des heiligen Antonius“.
- Vergleich mit historischen Darstellungen des Themas (u.a. Bosch, Grünewald).
- Die Rolle der Prostitution und die Bedeutung der Syphilis im 19. Jahrhundert.
- Die Darstellung von Weiblichkeit („femme fatale“, „Dämonisches Weib“).
- Rezeption und künstlerische Transformation des Themas in der Moderne.
Auszug aus dem Buch
Bildbeschreibung
Das 1878 fertiggestellte Werk von Rops befindet sich heute in der Bibliotheque Royale in Brüssel. Es gilt heute vielfach als „anstößigste“ Werk des Künstlers. Wie im weiteren Verlauf klargestellt wird, hat kein anderes Werk zum Thema der Versuchung des heiligen Antonius in der Zeit vor Rops einen derartigen Bruch aller Konventionen in der Darstellung christlich-religiöser Figuren bewirkt. Dies liegt nicht zuletzt an der fast explosionsartig zu nennenden Zuordnung der handelnden Personen. In der linken Bilddiagonalen fällt zuerst eine an Christi Kreuz „gebundene“ nackte Frau auf, deren feuerrotes langes Haar die Hälfte des Querbalkens bedeckt. Sie trägt ein blumengeschmücktes Band im Haar; die Hände sind nicht wirklich ans Kreuz gefesselt, sondern eher lokker im Sinne einer „sadomasochistischen“ Fixation. Ihre Beine weichen auseinander, so daß der vor dem Kreuz halb kniende Antonius seine Blicke auf die ihm dargebotene Vulva richten kann. Rechts neben dem Kreuz lugt der in ein rotes Mönchsgewand gekleidete Teufel mit herausgestreckter Zunge auf den Heiligen. Links vom Kreuz versucht Christus Halt zu finden, da er vom linken Oberschenkel der Nackten zur Seite gedrängt wird; dabei wird die Nackte vom Teufel unterstützt, der mit beiden Händen Christus vom Kreuz wegzieht. Das Geschehen muß so rasch erfolgt sein, dass Christus noch die Kreuzigungsnägel in den Händen hat. Über Christus schweben 2 „Venusamoretten“, deren Kopf und Oberkörper skelettmäßige Todessymbolik zeigen. Hinter dem Kreuz steht ein Schwein mit auffällig spitzer Schnauze auf einem Folianten, der die Inschrift trägt „Origenes“, auf einem weiteren Buch rechts vom Schwein wird die Ropsche Signatur sichtbar. Am oberen Teil des Kreuzes, an dem üblicherweise INRI zu lesen ist, wird statt dessen EROS thematisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
Biographie des Felicien Rops: Lebenslauf des Künstlers unter Berücksichtigung prägender familiärer, schulischer und künstlerischer Einflüsse sowie seiner sozialen Vernetzung im Paris des 19. Jahrhunderts.
Bildbeschreibung der „Versuchung des Heiligen Antonius (1878)“: Detaillierte ikonographische Analyse der Bildelemente, der Figurenkonstellation und der Symbolik des Hauptwerkes von Rops.
Die Figur des heiligen Antonius: Erörterung der biographischen und kirchengeschichtlichen Hintergründe der historischen Person des Antonius Eremita und seiner Bedeutung als „Vater der Mönche“.
Die Figur des Origenes: Auseinandersetzung mit der Person des antiken Theologen Origenes und dessen Bedeutung im Kontext der Antonius-Ikonographie.
De Continentia Josephi: Analyse der Darstellung von Joseph und Potiphars Weib als biblische Referenz für Enthaltsamkeit und deren ikonographische Verwendung.
Der Antoniterorden: Historische Einordnung des Ordens, dessen Rolle in der Krankenpflege und die Bedeutung des sogenannten „Antoniusfeuers“.
Das dämonische Weib oder die Botin des Teufels: Untersuchung der Darstellung der Frau als dämonisierte Verführerin und deren Einbindung in zeitgenössische ästhetische Diskurse.
Prostitution und Syphilis: Beleuchtung der gesellschaftlichen Realität der Prostitution und der medizinischen wie symbolischen Rolle der Syphilis im 19. Jahrhundert.
Eros und Thanatos: Analyse der Verknüpfung von Sexualität und Tod als zentrale thematische Achse in Rops' Werk und im Kontext der Zeit.
Schlüsselwörter
Felicien Rops, Versuchung des heiligen Antonius, Ikonographie, Prostitution, Syphilis, Antoniterorden, Eremitentum, Moderne, Symbolismus, Decadence, Eros und Thanatos, Kirchengeschichte, Bildende Kunst, 19. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk „Die Versuchung des heiligen Antonius“ von Felicien Rops aus dem Jahr 1878 und analysiert dessen Ikonographie im Vergleich zu früheren künstlerischen Darstellungen des Themas.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören das Eremitentum, die Rolle der Prostitution, die medizinische wie symbolische Bedeutung der Syphilis sowie das gesellschaftliche Rollenbild der Frau im 19. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die hohe Komplexität und Provokationskraft der Rops'schen Darstellung aufzuzeigen und zu erklären, warum das Werk zeitgenössisch als Skandal empfunden wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische und kulturwissenschaftliche Analyse, die ikonographische Bildbeschreibungen mit historischen, soziologischen und biographischen Kontexten verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl das Leben von Rops als auch die spezifische Bildsprache seiner Antonius-Darstellung analysiert, ergänzt durch einen Vergleich mit Werken von Künstlern wie Bosch, Cranach, Grünewald und anderen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Felicien Rops, Ikonographie, Prostitution, Syphilis, Antonius, Symbolismus und der gesellschaftliche Umbruch im 19. Jahrhundert.
Welche Bedeutung hat das „Antoniusfeuer“ im Kontext der Arbeit?
Das „Antoniusfeuer“ (Ergotismus) wird als historisches Krankheitsphänomen besprochen, das eng mit der Geschichte des Antoniterordens und der Krankenpflege verknüpft ist und sich in der Ikonographie widerspiegelt.
Wie bewertet die Arbeit den Vergleich zwischen Rops und Martin Scorseses Film?
Der Autor vergleicht die unterschiedlichen Ansätze beider Künstler, das Thema der Versuchung und des inneren Kampfes zwischen Fleisch und Geist in ihrer jeweiligen Zeit darzustellen und zu skandalisieren.
- Arbeit zitieren
- Dr. Hanspeter Moser (Autor:in), 2015, Zur Ikonografie von Felicien Rops' "Die Versuchung des heiligen Antonius" (1878), München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/374906