Auf der Suche nach Informationen zum Thema Orientalismus/Okzidentalismus stößt man immer wieder auf das Werk „Orientalism“ des US-amerikanischen Literaturtheoretikers und –kritikers Edward W. Said. Es versteht sich schnell, dass der Begriff Orientalismus entscheidend von Said geprägt und durch sein Werk sogar im Kontext ebendieses Diskurses geschaffen wurde. Sein Werk fasst die im Westen geführte Debatte über den sogenannten Orient zusammen. Dessen Grundlage ist die Trennung zwischen Orient und Okzident, die offenbar auf der Suche nach Identitätsbildung und vorherrschenden Machtinteressen entstanden ist.
Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, welche Relevanz die Debatte um Orientalismus/Okzidentalismus für die religionswissenschaftliche Darstellung von Religionen hat. Als Grundlage für die Beantwortung dieser Frage habe ich „Orientalism“ besonders einbezogen. Somit befasse ich mich zunächst mit der Definition und Entstehung der Begriffe Orientalismus und Okzidentalismus in der Religionswissenschaft und anschließend mit dem Autor des Werkes „Orientalism“ sowie dem Werk selbst. Anschließend möchte ich eine vorherrschende Meinung zum Orient und zum Islam in Deutschland anhand kurzer Beispiele darstellen. Darauf folgt ein Kapitel, in dem ich mich mit der gravierenden veränderten westlichen Meinung zum Osten seit den Anschlägen des 11. September 2001 befasse. Die Frage der Relevanz der Debatte um die beiden Phänomene wird im Laufe der Kapitel beantwortet. Im Fazit gehe ich jedoch nochmals darauf ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Aufnahme von Theorien der Gender-Studies in die Religionswiss.
2.1 Der aktuelle Forschungsstand
2.2 Kritik an der Kategorie „Gender“
3. Das Problemfeld Forschung
4. Das Beispiel der Abtreibungsproblematik
6. Die Relevanz
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz der Debatte um Orientalismus und Okzidentalismus für die religionswissenschaftliche Darstellung von Religionen. Ziel ist es, die Entstehung dieser Begriffe zu beleuchten und aufzuzeigen, wie veraltete Bilder und Feindbilder, insbesondere im Kontext des Islam, durch religionswissenschaftliche Aufklärung kritisch hinterfragt und abgebaut werden können.
- Diskursanalyse zu Orientalismus und Okzidentalismus
- Einfluss der Gender-Studies auf die Religionswissenschaft
- Kritik am Androzentrismus in der Religionsforschung
- Konstruktion von Feindbildern und das Islambild im Westen
- Bedeutung des interkulturellen Austauschs und der Aufklärung
Auszug aus dem Buch
Die Aufnahme von Theorien der Gender-Studies in der Religionswiss.
In den 1970er-Jahren entwickelten sich feministische Theorien und Denkansätze zur kritischen Auseinandersetzung mit der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern. Kultur- und Gesellschaftsanalysen führten zu der Erkenntnis einer Frauen gegenüber diskriminierenden Norm. So geriet eine Abweichung dieser Norm in den Fokus, mit dem Ziel soziale Ungleichheiten aufzudecken und Lebenssituationen von Frauen zu verbessern. Das Geschlecht wurde dabei als eine unveränderliche Gegebenheit der Natur festgelegt, weshalb man von einer weiblichen Identität aller Frauen ausging. In den 1990er-Jahren entstanden aus dieser Forschungsrichtung die Gender Studies, dessen Grundannahme eine sozial/kulturell entstandene Geschlechterdifferenz war.
Der Begriff „Gender“ bezeichnet somit durch Gesellschaft und Kultur geprägte Geschlechtseigenschaften einer Person, unabhängig von ihrem Geschlecht. Das Antonym zum Begriff „Gender“ bildet der Begriff „Sex“, der lediglich das anatomische Geschlecht bezeichnet. Die Forschungsziele der Gender Studies sind die Analyse der Konstruktionsprozesse und der Geschlechteridentität und ihrer Vielfältigkeit. Zudem werden Prozesse der Um- und Neudeutung der Differenz analysiert. Aufgrund der Komplexität des Verständnisses von „Geschlecht“ fließen in die Genderforschung Beiträge aus verschiedenen Forschungsrichtungen, sowie der Kulturwissenschaft, Soziologie, Sozialwissenschaft oder Theologie ein. Da das Verständnis des Begriffs „Religion“ ebenso komplex ist, erfolgt der Zugang von Genderforschung in die Disziplin der Religionswissenschaft zunächst über die Verankerung als eine Kategorie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz der Debatte um Orientalismus und Okzidentalismus dar und definiert das Ziel der Arbeit, diese Phänomene im Kontext der Religionswissenschaft zu untersuchen.
2. Die Aufnahme von Theorien der Gender-Studies in die Religionswiss.: Dieses Kapitel erläutert die Entwicklung der Gender-Studies und die Notwendigkeit, Geschlecht als Analysekategorie in die Religionswissenschaft zu integrieren, um androzentrische Denkmuster aufzubrechen.
2.1 Der aktuelle Forschungsstand: Hier wird kritisiert, dass Frauen in der traditionellen religionswissenschaftlichen Forschung oft nur als Objekte männlicher Normen betrachtet wurden, was eine Erneuerung der Forschungspraxis erforderlich macht.
2.2 Kritik an der Kategorie „Gender“: Dieses Kapitel thematisiert die Herausforderungen und notwendigen Paradigmenwechsel bei der Anwendung von Gendertheorien in der Religionswissenschaft.
3. Das Problemfeld Forschung: Dieses Kapitel beleuchtet methodische Schwierigkeiten bei der Erforschung von Religionen unter Berücksichtigung komplexer kultureller Vorurteile.
4. Das Beispiel der Abtreibungsproblematik: Das Kapitel veranschaulicht anhand historischer und kolonialer Bezüge, wie religiöse und kulturelle Gegensätze zwischen Orient und Okzident konstruiert wurden.
6. Die Relevanz: Die Bedeutung der Debatte für die heutige Gesellschaft wird herausgestellt, wobei besonders die Rolle der Religionswissenschaft als Schnittpunkt interkultureller Begegnungen betont wird.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Auseinandersetzung mit Orientalismus und Okzidentalismus essenziell ist, um Vorurteile abzubauen und ein tieferes Verständnis für fremd wahrgenommene Kulturen zu entwickeln.
Schlüsselwörter
Orientalismus, Okzidentalismus, Religionswissenschaft, Gender Studies, Androzentrismus, Islam, Feindbild, Interkultureller Austausch, Aufklärung, Konstruktion, Identität, Machtverhältnisse, Religionsforschung, Kulturwissenschaft, Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse der Begriffe Orientalismus und Okzidentalismus und deren Bedeutung für die religionswissenschaftliche Darstellung von Religionen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung der Gender-Studies für die Religionsforschung, die Dekonstruktion von Feindbildern gegenüber dem Islam und die Rolle der Wissenschaft bei der interkulturellen Aufklärung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Religionswissenschaft durch empirische und historische Analyse dazu beitragen kann, Vorurteile abzubauen und ein besseres gegenseitiges Verständnis zwischen Kulturen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die diskursive Analyse von Fachliteratur sowie die kritische Reflexion bestehender religionswissenschaftlicher Forschungsparadigmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Gender-Studies in der Religionswissenschaft, die Problematik der Androzentrismus-Kritik sowie die historische Konstruktion des "Anderen" am Beispiel des Islambildes analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Orientalismus, Okzidentalismus, Androzentrismus, Religionswissenschaft, Interkulturalität und Identitätsbildung.
Warum wird im Text speziell auf die Gender-Studies eingegangen?
Die Autorin/der Autor nutzt die Gender-Studies als Paradebeispiel für notwendige Paradigmenwechsel in der Wissenschaft, um einseitige (androzentrische) Forschungsperspektiven zu hinterfragen.
Welche Rolle spielen aktuelle politische Ereignisse für die Argumentation?
Aktuelle Beispiele wie die Islamisierungsdebatte (PEGIDA) und die Flüchtlingspolitik werden angeführt, um zu demonstrieren, dass das historische Feindbild des „Orientalismus“ auch heute noch in der Gesellschaft existiert und Vorurteile schürt.
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- Dominika Warmuth (Author), 2017, Der Orientalismus/Okzidentalismus damals. Seine Relevanz in der heutigen Religionswissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/374725