Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der deutschstämmigen Minderheit in Chile und soll einen kurzen Überblick über sie geben. Somit wird der Autor auf die Entwicklung deutscher Sprachinseln in Süd Chile, die soziolinguistische Situation der Deutschchilenen, sowie auf eine Varietät des Deutschen, welche sich in diesem Gebiet gebildet hat, eingehen.
Obgleich die deutsche Immigration nach Chile überproportional kleiner war als beispielsweise die deutsche Einwanderung in die Vereinigten Staaten, hat sie bemerkenswerte Auswirkungen auf die Entwicklung der jeweiligen Regionen, sowie des ganzen Landes genommen. Heute bilden die Nachkommen der deutschen Einwanderer einen Teil der chilenischen Gesellschaft, ohne sich kulturell oder sprachlich vollständig zu vermischen. Deutsch wird in vielen verschiedenen Bereichen gesprochen, es gibt 27 Schulen mit Bezug zu Deutschland und viele Chilenen, die sich selbst als "Deutschchilenen" identifizieren.
Eine wichtige Frage, die sich aus sprachwissenschaftlicher Sicht ergibt, ist unter anderem: „Welche Rolle spielt die deutsche Sprache für die deutsch-chilenische Identität?“ Der Autor dieser Arbeit wird sich dieser Frage nähern, indem er im ersten Kapitel die Entwicklung der deutschen Sprachinseln in Süd Chile schildert, bevor im zweiten Kapitel auf die soziolinguistische Situation der deutschstämmigen Minderheit eingegangen wird. Abschließend wird eine Varietät des Deutschen vorgestellt, welche aus der Sprachkontaktsituation in Süd Chile hervorgegangen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der deutschen Sprachinseln in Südchile
3. Die aktuelle soziolinguistische Situation der Deutschchilenen
4. Das „Launa“-Deutsch
5. Resümee
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die gegenwärtige soziolinguistische Lage der deutschstämmigen Minderheit in Chile. Ein zentrales Ziel ist es, die Rolle der deutschen Sprache für die Identitätsbildung der Deutschchilenen zu beleuchten und die Entstehung sowie Charakteristika der hybriden Varietät „Launa-Deutsch“ im südchilenischen Seengebiet zu analysieren.
- Historische Genese und Isolation deutscher Siedlungskolonien in Südchile.
- Soziolinguistische Analyse der aktuellen Sprachverwendung der Nachkommen deutscher Einwanderer.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen sprachlicher Assimilation und kultureller Identitätsbewahrung.
- Dokumentation des „Launa-Deutschen“ als Resultat spezifischer Sprachkontaktsituationen.
- Reflektion über den symbolischen Wert der deutschen Sprache als Identitätsfaktor.
Auszug aus dem Buch
Das „Launa“-Deutsch
Bei der Einwanderung aus deutschsprachigen Ländern nach Chile kann zwischen zwei Formen differenziert werden, welche zu unterschiedlichen Sprachkontaktsituation führten (Tietze de Soto 1999: 26 f.). Einerseits die Immigration in die verhältnismäßig großen Städte Santiago, Valparaíso oder Concepción, verbunden mit der Etablierung von Handelskolonien, andererseits die Immigration in Chiles kleinen Süden, welche verbunden war mit der Gründung ländlicher Siedlungskolonien, welche zumeist aus Landwirten bestanden, die sich in unmittelbarer Nähe des Llanquihue niederließen.
In den ersten Jahren der Kolonisation dieses Gebietes, welche etwa im Jahre 1850 ihren Anfang hatte, blieb der Sprachkontakt zwischen Siedlern und der chilenischen Bevölkerung fast komplett aus, wodurch sich eine beinahe monolinguale deutsche Sprachinsel bildete.
Ursprünglich setzten sich die Muttersprachen der deutschen Siedler, welche in aller Regel der unteren Mittelschicht angehörten, aus verschiedenen ober- und mitteldeutschen Varietäten aus Böhmen, Hessen, Schlesien und Württemberg zusammen, jedoch kam es laut Born/Dickgießer schnell zu einer überregionalen Verwendung des Standarddeutschen. In einigen Quellen wird allerdings auf eine Varietät des Deutschen hingewiesen, welche durch eine Verschmelzung der Dialekte entstand, die beeinflusst von spanischen Interferenzen wurde: Das „Launa-Deutsch“ oder „Laguner-Deutsch“. Dabei handelt es sich um eine abfällige Bezeichnung von Siedlern aus anderen Regionen, welche die Varietät des Deutschen der Immigranten nahe des Llanquihue-Sees, daher auch der Name „Launa“ bzw. „Laguna“, so bezeichneten. Diese Varietät entstand zu einer Zeit, als das Spanische schon zur Erstsprache wurde, welche die untergeordnete Sprache, das Deutsche, dominierte und zur überdachenden Sprache wurde (Converse 1979: 330). Die Einlagerung des Spanischen in die eigentliche Muttersprache soll im Folgenden an einigen Beispielen demonstriert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die deutschstämmige Minderheit in Chile ein und formuliert das Ziel, deren Entwicklung, soziolinguistische Situation und spezifische Sprachvarietäten zu untersuchen.
2. Die Entwicklung der deutschen Sprachinseln in Südchile: Dieses Kapitel analysiert die Entstehung der Sprachinseln durch Isolation und Konfession sowie deren schrittweise Auflösung durch infrastrukturelle Anbindungen und veränderte gesellschaftliche Dynamiken.
3. Die aktuelle soziolinguistische Situation der Deutschchilenen: Die Untersuchung beleuchtet den aktuellen Sprachstand der Minderheit und zeigt trotz fortschreitender sprachlicher Assimilation eine hohe kulturelle Identifikation auf.
4. Das „Launa“-Deutsch: Hier wird eine durch Sprachkontakt mit dem Spanischen entstandene, hybride Varietät des Deutschen vorgestellt und anhand von linguistischen Beispielen illustriert.
5. Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die deutsche Sprache zwar als Muttersprache an Bedeutung verliert, jedoch als symbolischer Identitätsfaktor für die Deutschchilenen relevant bleibt.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Deutschchilenen, Sprachinsel, Südchile, Sprachkontakt, Bilingualismus, Assimilation, Launa-Deutsch, Identität, Sprachwandel, Einwanderung, Soziolinguistik, Llanquihue, Sprachverlust, Interferenz, Deutschtum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der deutschstämmigen Minderheit in Chile, ihrem historischen Hintergrund als Sprachinsel sowie ihrer heutigen soziolinguistischen Situation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Prozess der Ansiedlung deutscher Einwanderer, die Entwicklung ihrer Sprache im Kontakt mit dem Spanischen und die Identitätsbildung der heutigen Deutschchilenen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, einen Überblick über die Minderheit zu geben und zu untersuchen, welche Rolle die deutsche Sprache heute noch für die Identität der Betroffenen spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse bestehender soziolinguistischer Studien und Untersuchungen, um die Entwicklung der Sprachinseln und die Entstehung der Varietät „Launa-Deutsch“ darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historische Entwicklung der Siedlungen, die aktuelle soziale Lage der Deutschchilenen und linguistische Besonderheiten des sogenannten „Launa-Deutschen“ analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Deutschchilenen, Sprachinsel, Sprachkontakt, Assimilation und Identität.
Was genau versteht man unter dem Begriff „Launa-Deutsch“?
Es handelt sich um eine spezielle, durch den Einfluss des Spanischen geprägte Sprachvarietät, die von Siedlern in der Umgebung des Llanquihue-Sees gesprochen wurde.
Warum ist die Identität der Deutschchilenen trotz Sprachverlust stabil?
Die Arbeit legt dar, dass die deutsche Kultur durch Institutionen wie Schulen und Vereine sowie durch den symbolischen Wert der Herkunft weiterhin stark präsent bleibt, auch wenn die Sprachbeherrschung bei jüngeren Generationen abnimmt.
- Arbeit zitieren
- Lukas Kilian Wolff (Autor:in), 2017, Die Entwicklung und aktuelle Lage der deutschen Sprache und der deutschstämmigen Minderheit in Chile. Das "Launa"-Deutsch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/374424