Die Epoche der Aufklärung beginnt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und erreicht im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Das höhere Bürgertum beginnt die adligen Vorrechte der Fürsten in Frage zu stellen. Es findet eine Abgrenzung des Bürgertums von Adel und Bauern durch Bildung statt. Zudem wird dieses Jahrhundert auch als pädgagisches Jahrhundert bezeichnet. Es kommt zur Entwicklung neuer theoretischer Auffassungen von Erziehung durch einen Wandel im Familienbild, wobei das Kind und seine Erziehung im Mittelpunkt steht.
Die Pädagogik der Aufklärung orientierte sich hauptsächlich an Prinzipien, die zu selbstständigen Denken, Urteilen und Handeln führen sollten. In der Zeit der Aufklärung bildete sich die reformpädagogische Bewegung des Philanthropismus heraus. Die Philanthropen, sogenannte Menschenfreunde, sahen in der Liebe zum Menschen ihr Handlungsmotiv. Sie wollten die Gesellschaft durch eine aufgeklärte, vernünftige, an Nützlichkeit und Brauchbarkeit orientierte Erziehung und Bildung verändern. Als ein Begründer des Philanthropismus zählt Johann Bernhard Basedow, welcher maßgeblichen Einfluss auf die Bewegung hatte. Nicht zuletzt durch die Gründung des Dessauer Philantropin gilt er als einer der wichtigsten Personen dieses Jahrhunderts. Ich möchte mich in der vorliegenden Hausarbeit mit seinem Leben und Wirken beschäftigen. Außerdem werde ich auf seinen Religionsunterricht eingehen und stelle mir hierbei die Frage inwieweit sich sein damaliger Unterricht bis in die heutige Gegenwart ausgewirkt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leben und Wirken Johann Bernhard Basedows
2.1 Biografie
2.2 Das Philanthropin Dessau
2.3 Zwei wichtige Werke
2.3.1 "Vorstellung an Menschenfreunde und vermögende Männer über Schulen, Studien und ihren Einfluss in die öffentliche Wohlfahrt mit einem Plane eines Elementarbuches der menschlichen Erkenntnis"
2.3.2 Das Elementarbuch
3. Religionsunterricht bei Basedow
3.1 Ziele des Religionsunterrichts
3.2 Inhalte des Religionsunterrichts
4. Schlussfolgerung - Bezug zur Gegenwart
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Johann Bernhard Basedow, einem zentralen Begründer des Philanthropismus im 18. Jahrhundert, und analysiert insbesondere seine Ansätze im Religionsunterricht sowie deren Relevanz für moderne pädagogische Konzepte.
- Historischer Kontext der Aufklärungspädagogik
- Biografische Einflüsse und das Wirken in Dessau
- Methodik und Ziele des philanthropischen Religionsunterrichts
- Vergleich zwischen historischem Ansatz und heutiger Schulpraxis
- Bedeutung der moralischen Erziehung gegenüber reinem Glaubensdogma
Auszug aus dem Buch
3. Religionsunterricht bei Basedow
Basedow kritisierte seiner Zeit das stumpfe Aneignen von Inhalten, welche von den Kindern gar nicht verstanden werden können. "Kaum kann der entwöhnte Säugling stammeln, so lehrt man ihn auch mit gebrochener Stimme Gebete herzusagen, deren Bedeutung nicht verstanden werden kann. [...]" (Basedow 1764, S.4)
Außerdem war für ihn die Ursache des allgemeinen Unglaubens das blinde Glaubenmüssen. (vgl. Meiers 1969, S.92) Mit seiner neuen Unterrichtsform wollte er dies verändern. Zusätzlich behauptete er, dass früh mit dem Religionsunterricht begonnen werden sollte, jedoch war ihm wichtig, dass Religion mit dem Herzen und mit dem Verstand wahrgenommen würde. "Die Kinder werden das durch gewohnt, zu denken, dass man ohne Verstand und Herz, bloß mit Worten und dem Händefalten des Betens verdient" (Basedow 1764, S. 7) Da sich der Verstand des Kindes erst später entwickelt, mussten die zu vermitteltenden Inhalte darauf abgestimmt sein. (vgl. Meiers 1969, S.96) "Basedow musste – und wollte – mit seinen Schülern den Weg von der naiv-unbewussten zur reflektiert kritischen Haltung gegenüber der Religion gehen." (Meiers 1969, S.109)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet das Thema in die Epoche der Aufklärung ein und skizziert die Bedeutung Basedows für das pädagogische Jahrhundert.
2. Leben und Wirken Johann Bernhard Basedows: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Basedows nach und beschreibt die Gründung sowie das pädagogische Konzept des Dessauer Philanthropins.
3. Religionsunterricht bei Basedow: Der Abschnitt erläutert Basedows Kritik an traditionellen religiösen Erziehungsmethoden und analysiert seine eigenen Zielsetzungen und inhaltlichen Schwerpunkte für einen vernunftbasierten Unterricht.
4. Schlussfolgerung - Bezug zur Gegenwart: Das Fazit reflektiert die bleibende Aktualität von Basedows Prinzipien, insbesondere im Hinblick auf die staatliche Schulaufsicht und die Individualisierung der Erziehung.
Schlüsselwörter
Johann Bernhard Basedow, Aufklärung, Philanthropismus, Philanthropin Dessau, Religionsunterricht, Pädagogik, Bildung, Erziehung, Elementarbuch, Moral, Vernunft, Geschichte der Pädagogik, Individualisierung, Sittenunterricht, Kindgerechtheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Leben, das pädagogische Wirken und die spezifischen Ansätze zum Religionsunterricht von Johann Bernhard Basedow im Kontext der Aufklärung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Entstehung des Philanthropismus, die Gründung des Dessauer Philanthropins, die Publikation grundlegender Werke sowie eine kritische Untersuchung der Reform des Religionsunterrichts.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Untersuchung?
Ziel ist es, Basedows pädagogisches Erbe zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen, inwiefern seine damaligen Ansätze als Vorläufer für heutige Unterrichtsstrukturen und erziehungswissenschaftliche Prinzipien dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung primär- und sekundärpädagogischer Quellen und Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biografische Darstellung, die Erläuterung der philanthropischen Anstalten, die Analyse der pädagogischen Schriften sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Zielsetzung und Didaktik des Religionsunterrichts.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Philanthropismus, Aufklärungspädagogik, Religionsunterricht, Reformpädagogik und Glückseligkeit in der Erziehung definieren.
Welche Bedeutung hatte die "Schulbibliothek" nach Basedows Verständnis?
Sie stellte ein neuartiges Konzept dar, das eine systematische Sammlung von Lehr- und Handbüchern für sämtliche Schulfächer und Altersstufen umfasste, um den Lernprozess grundlegend zu unterstützen.
Warum lehnte Basedow das traditionelle Auswendiglernen von Gebeten ab?
Er sah darin eine Form der Erziehung zum blinden Gehorsam, die ohne echtes Verständnis auskam und somit dem eigentlichen Ziel, einer reflektierten moralischen Haltung, entgegenstand.
Inwieweit lässt sich Basedows Religionsunterricht als "Sittenunterricht" interpretieren?
Da Basedow bei der Religion weniger christliche Dogmen als vielmehr moralisches Handeln, soziale Werte und allgemeine Glückseligkeit in den Vordergrund stellte, wandelte sich der Religionsunterricht faktisch zu einem Unterricht in moralischem Verhalten.
Wie unterscheidet sich Basedows Verständnis von Motivation im Unterricht von heutigen Ansätzen?
Basedow setzte auf die intrinsische Motivation des Kindes, indem er den Zeitpunkt des Lernbeginns vom kindlichen Interesse abhängig machte, während heute oftmals eine starke Steuerung durch den Lehrplan und Elternentscheidungen erfolgt.
- Arbeit zitieren
- Livia Sommer (Autor:in), 2014, Der Begründer des Philanthropismus Johann Bernhard Basedow (1724-1790). Sein Leben und sein Wirken, sein Religionsunterricht sowie dessen Auswirkung bis in die Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/372301