Auf der Suche nach den Wurzeln der deutschen Sprachgeschichte trifft man auf höfische Epik, Heldenepik, wie beispielsweise das Nibelungenlied und natürlich auf die Minnelyrik. Vor allem der berühmte Codex Manesse, die umfassende Heidelberger Liederhandschrift, beinhaltet zahlreiche repräsentative Werke der mittelhochdeutschen Sprachepoche. Als das umfangreichste Werk dieser Zeit mit ca. 17.000 Reimpaarversen gilt in der historischen Sprachwissenschaft allerdings die faszinierende Weltchronik Kaiserchronik. Bisherige Forschungsergebnisse datieren das Werk um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Es existieren insgesamt 50 Zeugnisse der Chronik, die an unterschiedlichen Aufbewahrungsorten und Bibliotheken verwahrt werden.
Im Fokus der vorliegenden Arbeit steht die Sprachanalyse eines der Fragmente dieser bedeutenden mittelhochdeutschen Reimchronik, das in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt wird. Eine sprachliche Analyse hinsichtlich Alter und Dialekteinteilung des vorliegenden Schriftstücks soll detailliert Aufschluss über eine mögliche zeitliche sowie räumliche Verortung geben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Mittelhochdeutsche
2.1 Sprachfamilie und Ursprung
2.2 Zeitliche Gliederung
3 Die Kaiserchronik
3.1 Überlieferung
3.2 Das vorliegende Fragment (Wien, ÖNB, Cod. 12866)
4 Sprachliche Analyse des Fragments
4.1 Mhd. /î/, /iu/, /û/
4.1.1 Nicht der Fall einer fnhd. Diphthongierung
4.1.2 Vollzogene fnhd. Diphthongierung
4.2 Nhd. Diphthongwandel
4.3 Germ. */k/
4.3.1 Germ. */k/ im Anlaut
4.3.2 Inlautendes germ. */k/
4.4 Die Verben stân, stên und gân, gên
4.5 Negation
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die detaillierte sprachliche Untersuchung eines Fragments der Kaiserchronik (Wien, ÖNB, Cod. 12866), um dessen zeitliche Einordnung sowie regionale Herkunft durch die Analyse spezifischer lautlicher und grammatischer Phänomene präzise zu bestimmen.
- Diachrone Einordnung der mittelhochdeutschen Sprachepoche
- Überlieferungsgeschichte und Charakterisierung der Kaiserchronik
- Untersuchung der (früh)neuhochdeutschen Diphthongierung und des Diphthongwandels
- Analyse des germanischen */k/ und der Verben stân/stên bzw. gân/gên
- Auswertung der Negationsformen zur Datierung des Fragments
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Nicht der Fall einer fnhd. Diphthongierung
Die folgende exhaustive Untersuchung zeigt, dass das Fragment viele Formen enthält, die gegen eine vollzogene (früh)neuhochdeutsche Diphthongierung sprechen. Man erkennt anhand der noch vorhandenen mittelhochdeutschen Langvokale /î/, /iu/ bzw. /û/, dass sich der Diphthongwandel noch nicht übergreifend durchgesetzt hat.
a) Mhd. /î/
Kaiserchronik Cod. 12866 Häufigkeit Normalmittelhochdeutsch
bi 4x bi
vermiden 1x ver-mîden
liden 2x lîden
lip 3x lîp
wip 2x wîp
dine 1x dîne
wit 1x wît
zit 2x zît
lichnamen 1x lîcham
geſwigen 1x ge-swîgen
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die mittelhochdeutsche Epoche ein und erläutert die Zielsetzung sowie die methodische Vorgehensweise der sprachlichen Analyse des Kaiserchronik-Fragments.
2 Das Mittelhochdeutsche: Das Kapitel bietet einen Überblick über die Sprachfamilie und die zeitliche Binnengliederung des Mittelhochdeutschen innerhalb der Sprachgeschichte.
3 Die Kaiserchronik: Hier werden die Überlieferungsgeschichte der Kaiserchronik sowie spezifische Details zum vorliegenden Fragment in der Österreichischen Nationalbibliothek vorgestellt.
4 Sprachliche Analyse des Fragments: Der Hauptteil untersucht exhaustiv lautliche Phänomene wie die Diphthongierung und das germanische */k/ sowie grammatische Besonderheiten zur räumlichen und zeitlichen Verortung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet das Fragment aufgrund der Sprachmerkmale mit hoher Wahrscheinlichkeit dem bairischen Sprachraum und der Übergangszeit zum Frühneuhochdeutschen zu.
Schlüsselwörter
Kaiserchronik, Mittelhochdeutsch, Sprachanalyse, Bairisch, Diphthongierung, Lautverschiebung, Palatalisierung, Kodikologie, Sprachgeschichte, Diachronie, Dialektologie, Negation, Reimchronik, Sprachwandel, Wien ÖNB Cod. 12866.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung eines spezifischen Fragments der mittelalterlichen Reimchronik „Kaiserchronik“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die mittelhochdeutsche Sprachgeschichte, Lautwandelprozesse, Dialektologie sowie die kritische Analyse von Handschriften.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, durch eine detaillierte sprachliche Untersuchung Datierung und regionale Herkunft des Fragments (Wien, ÖNB, Cod. 12866) zu ermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine diachrone sprachwissenschaftliche Analyse angewandt, die lautliche und grammatische Phänomene exhaustiv mit den Standards des Mittelhochdeutschen vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die (früh)neuhochdeutsche Diphthongierung, den Diphthongwandel, die Entwicklung des germanischen */k/ sowie die Verwendung von Verben und Negationspartikeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Kaiserchronik, Bairisch, Diphthongierung, Sprachwandel und Dialektologie.
Warum wird eine bairische Herkunft des Fragments vermutet?
Die Untersuchung der
Welche Rolle spielt die Negation für die Datierung?
Das Überwiegen der freien Partikel „nicht“ statt der präverbalen Negation deutet auf eine Entstehung gegen Ende der mittelhochdeutschen Epoche oder am Anfang des Neuhochdeutschen hin.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Lindner (Autor:in), 2017, Sprachliche Analyse eines Fragments der Kaiserchronik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/372216