Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den sprachlichen Unterschieden, insbesondere im Hinblick auf das Mittelhochdeutsche und das Niederdeutschen. Es werden hierbei Ausschnitte der Andreaslegende, in zwei übereinstimmenden mitteldeutsch und niederdeutschen Fassungen, auf Unterschiede in der sprachlichen Entwicklung untersucht. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf den Nebensilbenabschwächungen und den Lautverschiebungen.
Die These ist, dass das Niederdeutsche keine althochdeutschen Lautverschiebungen hat und weniger Nebensilbenabschwächungen als das Mittelhochdeutsche. Im Mittelhochdeutschen werden im Gegensatz dazu mehr althochdeutsche Lautverschiebungen erwartet als indogermanische Lautverschiebungen. Am Ende wird ein Fazit gezogen, in dem die Unterschiede als solche gegenübergestellt werden. Einen Vergleich des Mittelhochdeutschen mit dem Niederdeutschen gibt es bereits an vielen Beispielen, viele Vergleiche werden an Textstellen an der Bibel durchgeführt. Macia Riutort Riutort hat im Jahr 2013 den vorliegenden Text veröffentlicht und eine Analyse durchgeführt, ob die beiden Texte von einer gemeinsamen dritten Quelle übersetzt wurden. Am Schluss werden die beiden Thesen, mit Hinblick auf ihre Korrektheit, ausgewertet.
Die Andreaslegende wird auf Nebensilbenabschwächungen untersucht, da die Nebensilbenabschwächung als wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Mittelhochdeutschen und dem Althochdeutschen gilt. Die Nebensilbenabschwächung ist ein besonderes Merkmal des Mittelhochdeutschen. Da die Nebensilbenabschwächung als Merkmal des Mittelhochdeutschen gilt, wird erwartet, dass das Mittelhochdeutsche mehr Nebensilbenabschwächungen aufweist, als das Niederdeutsche. Eine Nebensilbenabschwächung ist durch die Festlegung des Akzents auf den Wortanfang entstanden. Die Betonung der ersten Silben führte zu einer Abschwächung der anderen Silben, der sogenannten Nebensilben. Durch die wegfallende Betonung der Nebensilben werden die dort vorhandenen Vokale abgeschwächt. Ein Beispiel, für die Nebensilbenabschwächung, ist das althochdeutsche Wort ‚namun‘ und das mittelhochdeutsche Wort ‚name‘. Durch die Verschiebung der Betonung auf die erste Silbe im Mittelhochdeutschen, hat sich der Vokal von einem ‚u‘ zu einem ‚e‘ abgeschwächt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachliche Veränderungen
2.1. Nebensilbenabschwächung
2.2. Lautverschiebung
3. Sprachen
3.1. Indogermanisch
3.2. Mittelhochdeutsch
3.3. Mittelniederdeutsch
3.3.1. Die Hanse
3.3.2. Doppelkonsonanten im Mittelniederdeutschen
3.3.3. Die Benrather Linie
4. Die Andreaslegende
4.1. Legenda Aurea
4.2. Buch von der heiligen lebine durch das jâr
4.3. Die Texte
4.4. Anomalien
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, sprachliche Unterschiede zwischen dem Mittelhochdeutschen und dem Niederdeutschen anhand von Textausschnitten der Andreaslegende zu analysieren, um spezifische Phänomene des Sprachwandels zu untersuchen und bestehende Thesen zur Lautentwicklung zu überprüfen.
- Vergleichende Analyse der Nebensilbenabschwächung in beiden Sprachfassungen
- Untersuchung der Lautverschiebungen (althochdeutsch vs. indogermanisch)
- Historischer Kontext der Sprachen Mittelhochdeutsch und Mittelniederdeutsch
- Bedeutung der Hanse für die sprachliche Entwicklung und Verdrängung
- Philologische Untersuchung der Andreaslegende als Textgrundlage
Auszug aus dem Buch
3.3. Mittelniederdeutsch
Das Mittelniederdeutsch ist eine Entwicklung aus dem Altniederdeutschen. Man kann das Mittelniederdeutsche in drei historische Phasen einteilen. „Die Frühstufe vom Beginn der Überlieferung im 13. Jh. bis etwa 1370 […], eine stark von der Hanse geprägte mittlere Phase […] bis ungefähr zu Reformation […], eine Spätphase von der Reformation bis […] nach 1600.“
Während die Frühstufe parallel zum Mittelhochdeutschen verlief, sind die mittlere Phase und die Spätphase zeitlich parallel zum Frühneuhochdeutschen.
Das Mittelniederdeutsch gilt als von der Hanse entwickelte Schreibsprache, die auch als Verkehrssprache im europäischen Norden diente und mit dem Untergang der Hanse ihren Einfluss verlor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der sprachlichen Unterschiede zwischen Mittelhochdeutsch und Niederdeutsch ein und stellt die Untersuchung der Andreaslegende als Vergleichsbasis vor.
2. Sprachliche Veränderungen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der untersuchten Phänomene, nämlich die Nebensilbenabschwächung und die Lautverschiebung.
3. Sprachen: Hier werden die historischen und sprachwissenschaftlichen Hintergründe des Indogermanischen, Mittelhochdeutschen und Mittelniederdeutschen dargestellt.
4. Die Andreaslegende: Dieses Kapitel widmet sich dem konkreten Textvergleich der Legendenfassungen und der Analyse auftretender sprachlicher Besonderheiten sowie Anomalien.
5. Fazit: Das Fazit wertet die Ergebnisse des Sprachvergleichs aus und prüft die zu Beginn aufgestellten Thesen auf ihre Korrektheit.
Schlüsselwörter
Andreaslegende, Mittelhochdeutsch, Mittelniederdeutsch, Nebensilbenabschwächung, Lautverschiebung, Sprachwandel, Indogermanisch, Hanse, Sprachgeschichte, Althochdeutsch, Legenda Aurea, Hermann von Fritzlar, Philologie, Dialektologie, Sprachvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht sprachliche Differenzen zwischen dem Mittelhochdeutschen und dem Niederdeutschen anhand des Vergleichs von zwei Fassungen der Andreaslegende.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Nebensilbenabschwächung sowie der ersten und zweiten Lautverschiebung innerhalb der historischen deutschen Sprachstufen.
Welche primäre Forschungsfrage wird verfolgt?
Die Forschungsfrage konzentriert sich auf die These, dass das Niederdeutsche weniger Nebensilbenabschwächungen und keine althochdeutschen Lautverschiebungen aufweist im Vergleich zum Mittelhochdeutschen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine kontrastive Textanalyse angewandt, bei der spezifische Textausschnitte der Andreaslegende in beiden Sprachversionen direkt gegenübergestellt und hinsichtlich ihrer phonologischen Merkmale ausgewertet werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Sprachphänomene, einen geschichtlichen Überblick zu den Sprachen und eine detaillierte Auswertung von Textabschnitten aus der Andreaslegende.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind die Andreaslegende, Lautverschiebung, Nebensilbenabschwächung, das Mittelhochdeutsche und das Mittelniederdeutsche als sprachhistorische Entitäten.
Wie beeinflusste die Hanse das Mittelniederdeutsche?
Die Hanse etablierte das Mittelniederdeutsche als weit verbreitete Handels- und Verkehrssprache im nordeuropäischen Raum, verlor jedoch mit dem Niedergang der Organisation massiv an Einfluss.
Was besagt die These zu den "Anomalien" in den Texten?
Bei den untersuchten "Anomalien" handelt es sich um Wörter, bei denen die erwartete Lautentwicklung nicht eindeutig zuordenbar ist, was auf eine mögliche gegenseitige Beeinflussung der Sprachräume hindeutet.
Wie lautet das Fazit zur Nebensilbenabschwächung?
Die These, dass das Niederdeutsche weniger Nebensilbenabschwächungen als das Mittelhochdeutsche aufweist, konnte anhand der untersuchten Textbeispiele nicht zweifelsfrei bestätigt werden.
Welche Rolle spielt die "Benrather Linie" in dieser Arbeit?
Sie dient als sprachgeographische Orientierung zur Abgrenzung zwischen dem mitteldeutschen und dem niederdeutschen Sprachraum basierend auf der Durchführung der zweiten Lautverschiebung.
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- Talea G. (Author), 2017, Nebensilbenabschwächungen im Mitteldeutschen und Niederdeutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/372117