Das Ziel dieser Betrachtung ist es, zu untersuchen, ob ein Kausalzusammenhang zwischen Umgang mit der ausländischen Minderheit in dem sozialistischen Staat und der Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern besteht. Zunächst werden wichtige Ausländergruppen der DDR vorgestellt, wobei auf ihre Struktur und die Rahmenbedingungen ihres Aufenthaltes eingegangen wird. Die Auswahl der Gruppen ist darauf zurückzuführen, dass besonders anhand dieser Beispiele ausländerpolitische Handlungsstränge erkennbar sind, auf die an späterer Stelle zurückgegriffen werden wird.
Es folgt die Aufarbeitung verschiedener Bedingungsfaktoren für den Umgang mit Ausländern in der DDR, sowie die Erläuterung des normativen Rahmens und der behördlichen Umsetzung. Es wird dann darauf eingegangen, wie die DDR-Bevölkerung Ausländer wahrgenommen hat, wodurch diese Eindrücke bedingt worden sind und ob eine merkliche Fremdenfeindlichkeit geherrscht hat. Im letzten Abschnitt wird die Situation der neuen Bundesländer in Bezug auf fremdenfeindliche Tendenzen charakterisiert und anschließend zusammengeführt, inwieweit sich von der DDR-Vergangenheit auf heutige Gegebenheiten schließen lässt und ob ein kausaler Zusammenhang herzustellen ist
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wichtige Ausländergruppen in der DDR
2.1 Vertragsarbeiter
2.2 Studenten
2.3 Asylberechtigte
3 Staatliche Grundlagen für den Umgang mit Ausländern
3.1 Einfluss außenpolitischer Interessen auf Ausländerpolitik
3.2 Umgang mit der NS-Vergangenheit
3.3 Gesetzliche Regelungen/ Ausländergesetzgebung der DDR
3.4 Behördlicher Umgang mit Ausländern
4 DDR- Bevölkerung und Ausländer
4.1 Wahrnehmung und Umgang durch die Bevölkerung
4.2 Fremdenfeindlichkeit in der DDR
5 Auswirkungen der DDR-Ausländerpolitik auf die Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern
5.1 Situation in den neuen Bundesländern
5.2 Übertragbarkeit und kausale Zusammenhänge
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob ein Kausalzusammenhang zwischen dem restriktiven Umgang mit ausländischen Minderheiten im sozialistischen Staat DDR und der heutigen Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern besteht. Ziel ist es, historische Kontinuitäten und gesellschaftliche Prägungen aufzuzeigen, die zur Entstehung und Persistenz fremdenfeindlicher Einstellungen beitragen.
- Strukturen und Rahmenbedingungen der Ausländergruppen in der DDR
- Einfluss staatlicher Ausländerpolitik und außenpolitischer Interessen
- Wahrnehmung von Ausländern durch die DDR-Bevölkerung
- Bedeutung der DDR-Vergangenheit für heutige fremdenfeindliche Tendenzen
- Sozioökonomische Faktoren nach der Wiedervereinigung
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Besonders auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, also den neuen Bundesländern, treten 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung fremdenfeindlich motivierte Straftaten zutage. In diesem Zusammenhang wird oftmals eingeworfen, die verbale und tätliche Gewalt gegen beispielsweise Ausländer sei ein ‚ostdeutsches Phänomen‘. Um dieser Vermutung nachzugehen liegt es nahe in der, den neuen Bundesländern gemeinsamen, Vergangenheit nach ausschlaggebenden Faktoren zu suchen. Bei der Ursachenforschung für Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern wird oftmals auf den schwierigen Transformationsprozess der ehemaligen DDR nach der deutschen Wiedervereinigung verwiesen. Darüber hinaus könnten aber auch in gesellschaftlichen Strukturen des ostdeutschen Staates und der Ausgestaltung der Ausländerpolitik nach Gründen gesucht werden. Der Begriff Ausländerpolitik schließt alle „politischen Institutionen, Bestrebungen, Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse [ein], die darauf gerichtet sind, die rechtliche, politische und soziale Stellung der Ausländer verbindlich zu regeln.“ Neben den entsprechenden normativen Grundlagen und Institutionen wird in dieser Arbeit auch die konkrete behördliche Umsetzung und Ausgestaltung mit unter dem Oberbegriff betrachtet. Dies umfasst unter anderem die weitreichende Auswirkung der SED-Diktatur in alle Lebensbereiche, die Umsetzung der Ausländerpolitik durch die Verwaltung und nicht zuletzt die daraus resultierende Wahrnehmung der Ausländer durch die einheimische Bevölkerung mit ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an den Ursachen der Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland und ordnet diese historisch in den Kontext der DDR-Ausländerpolitik ein.
2 Wichtige Ausländergruppen in der DDR: Dieses Kapitel stellt die Gruppen der Vertragsarbeiter, Studenten und Asylberechtigten vor und erläutert die ideologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen ihres Aufenthalts.
3 Staatliche Grundlagen für den Umgang mit Ausländern: Es wird analysiert, wie außenpolitische Interessen, der Umgang mit der NS-Vergangenheit sowie restriktive Gesetzgebungen und behördliche Praktiken die Ausländerpolitik prägten.
4 DDR- Bevölkerung und Ausländer: Dieses Kapitel untersucht die Wahrnehmung von Ausländern durch die einheimische Bevölkerung und das Auftreten von Fremdenfeindlichkeit in der DDR.
5 Auswirkungen der DDR-Ausländerpolitik auf die Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern: Hier werden die Kontinuitäten zwischen DDR-Erfahrungen und heutiger Situation in den neuen Bundesländern im Kontext der Transformationsprozesse beleuchtet.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die DDR-Ausländerpolitik durch Ausgrenzung und Fassadenpolitik geprägt war, was tiefgreifende Spuren in der politischen Kultur der neuen Bundesländer hinterlassen hat.
Schlüsselwörter
DDR, Ausländerpolitik, Fremdenfeindlichkeit, Vertragsarbeiter, SED-Diktatur, Transformation, Ostdeutschland, Ausländerfeindlichkeit, Institutionelle Diskriminierung, Migrationspolitik, Rechtsradikalismus, Historische Kontinuität, Solidarität, Ausländergesetzgebung, Systemkonkurrenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Ausländerpolitik der DDR und deren Auswirkungen auf die heutige Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen für Ausländergruppen wie Vertragsarbeiter und Studenten sowie deren Wahrnehmung durch die DDR-Bevölkerung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Untersuchung, ob ein direkter Kausalzusammenhang zwischen dem Umgang mit Ausländern im sozialistischen Staat und den heutigen rechtsextremistischen und fremdenfeindlichen Tendenzen im Osten Deutschlands besteht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische und politikwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, offiziellen Dokumenten und soziologischen Studien zur DDR-Gesellschaft basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die staatlichen Grundlagen der Ausländerpolitik, der behördliche Umgang, die gesellschaftliche Reaktion der DDR-Bürger sowie die Auswirkungen der Transformationsphase nach 1990 detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie DDR-Ausländerpolitik, institutionelle Fremdenfeindlichkeit, soziale Transformation und historische Kontinuitäten charakterisiert.
Wie wirkte sich die DDR-Planwirtschaft auf die Ausländerpolitik aus?
Die Planwirtschaft erforderte den Einsatz ausländischer Arbeitskräfte zur Bewältigung des Arbeitskräftemangels, wobei die Ausländerpolitik jedoch strikt ökonomischen und ideologischen Interessen der SED untergeordnet war.
Warum spielt die NS-Vergangenheit für die Argumentation der Arbeit eine Rolle?
Die Arbeit argumentiert, dass die fehlende öffentliche Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der DDR zur Fortführung nationaler Denkmuster und zur Ausgrenzung von „Fremden“ beitrug, da das Regime sich als antifaschistisch definierte, aber das Thema institutionell tabuisierte.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2016, Ausländerpolitik der DDR. Auswirkungen auf die Fremdenfeindlichkeit in der DDR und in den neuen Bundesländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/371906