Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob Konvergenz innerhalb oder zwischen den fünf gebildeten europäischen Wohlfahrtsregimen messbar ist und wenn ja, ob diese in eine bestimmte Richtung verläuft. Dazu wurden 24 Mitgliedsländer in Regime eingeteilt und an Hand von Gesamtsozialausgaben in Prozent am BIP und Gesamtsozialausgaben pro Kopf für den Zeitraum von 2000-2008 untersucht. Es konnte Konvergenz nachgewiesen werden, nicht aber die Richtung vorhergesagt. Der Einfluss der Zugehörigkeit zu einem Regime konnte ebenfalls nicht belegt werden.
Die zunehmende weltweite Vernetzung und die steigende Unfähigkeit Probleme auf nationaler Ebene zu lösen führt zu einer erhöhten Interdependenz der Staaten. Diese wirkt sich insbesondere in Europa besonders stark aus. Doch sind hier von längst nicht nur die traditionellen Ressorts, wie Wirtschaft oder Außenpolitik betroffen, sondern auch in zunehmenden Maße die Sozialpolitik. Auch in diesem Bereich kommt es auf Zusammenarbeit und gemeinsame Problemlösungsstrategien an. Deshalb beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage: „Lässt sich Konvergenz in eine bestimmte Richtung innerhalb und zwischen den Wohlfahrtsstaatsregimen der EU feststellen?“. In vorangegangen Untersuchungen wurden bereits nach unterschiedlichen Kriterien Wohlfahrtsstaaten in Regime unterteilt. Diese Vorgehensweise soll fortgeführt werden. Dabei wurde die EU bislang noch nicht in ihrer Gesamtheit untersucht. Dies versucht diese Arbeit zu leisten. Insbesondere den im Zuge der Osterweiterung beigetretenden Ländern soll mehr Beachtung zu Teil werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Begriffsklärung
2.2. Castles: The Future of the Welfare State
2.3. Esping-Anderson: The Three Worlds of Welfare Capitalism
2.3.1. Wil Arts/John Gelissen: Three Worlds of welfare capitalism or more?
2.3.2. Ferrera: The „Southern“ Model of Welfare in Social Europe
2.4. Weitere relevante Annahmen und Theorien
2.5. Einteilung in fünf Wohlfahrtsregime
3. Hypothesen
4. Methodische Konzeption
4.1. Untersuchungsform, -einheiten, -zeitraum
4.2. Operationalisierung
4.2.1 Gesamtsozialausgaben
4.2.2. Konvergenz
5. Empirische Befunde
6. Fazit
7. Anlagen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob innerhalb und zwischen fünf definierten europäischen Wohlfahrtsregimen eine messbare Konvergenz stattfindet und ob sich diese Entwicklung in eine spezifische Richtung vollzieht.
- Analyse von 24 EU-Mitgliedsstaaten hinsichtlich ihrer Wohlfahrtsregime
- Untersuchung der Gesamtsozialausgaben (prozentual am BIP und pro Kopf)
- Überprüfung der Konvergenz im Zeitraum von 2000 bis 2008
- Vergleich theoretischer Ansätze (Esping-Anderson, Ferrera, Castles)
- Diskussion der Auswirkungen der Europäisierung auf nationale Wohlfahrtssysteme
Auszug aus dem Buch
2.1. Begriffsklärung
Da unsere Forschung dem Wohlfahrtsstaat gewidmet ist, soll zunächst erst einmal klar definiert werden, was unter einem solchen zu verstehen ist. Die verbreitetste Definition lautet:
„Wohlfahrtsstaat ist die Kurzbezeichnung für einen Staat, der eine Anzahl unterschiedlicher (Fürsorge-) Maßnahmen, Programme und Politiken anwendet, die der sozialen, materiellen und kulturellen Wohlfahrt der Bevölkerung dienen. Die Bezeichnung stammt aus der anglo-amerikanischen Politikwissenschaft (welfare state) und wird häufig gleichlautend für den Begriff Sozialstaat verwendet, ist aber umfassender zu verstehen und wird (aus der neo-liberalen Kritik heraus) in jüngster Zeit eher mit einer individuellen Bevormundung, mit Einschränkung von Eigeninitiative und Verantwortung in Verbindung gebracht, als mit den (im deutschen üblichen) Begriffen Wohlfahrt und Wohlergehen.“ (Schubert/Klein 2006)
Die Aufteilung in Wohlfahrtsstaatsregime stellt einen wichtigen methodischen Schritt in unserer Forschung dar, deshalb muss der Begriff des Regimes ebenfalls näher erläutert werden:
„Ein Regime ist eine bestimmte Konstellation sozialer, politischer und ökonomischer Abkommen die so ein bestimmtes Wohlfahrtssystem produzieren, das wiederum zu einer bestimmten Art der sozialen Schichtung führt und sich aufgrund der darin zum Ausdruck gebrachten Interessen selbst stabilisiert“ (Taylor-Gooby1996, S.200).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit stellt die Forschungsfrage nach der Konvergenz innerhalb der europäischen Wohlfahrtsregime und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2. Theoretischer Hintergrund: Es werden grundlegende Begriffe definiert und maßgebliche Wohlfahrtstheorien von Forschern wie Esping-Anderson, Ferrera und Castles vorgestellt.
3. Hypothesen: Basierend auf der Theorie werden zwei Hypothesen zur Konvergenz und zur Vorhersagekraft der Regimazugehörigkeit formuliert.
4. Methodische Konzeption: Das Kapitel erläutert die Auswahl der Untersuchungsdaten, den Zeitraum und die Operationalisierung der Variablen.
5. Empirische Befunde: Hier erfolgt die Überprüfung der Hypothesen anhand der erhobenen Daten und die statistische Auswertung der Wohlfahrtsausgaben.
6. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Grenzen der methodischen Vorgehensweise sowie Anknüpfungspunkte für künftige Forschung.
7. Anlagen: Dieses Kapitel enthält zusätzliche tabellarische Auswertungen und statistische Berechnungen.
Schlüsselwörter
Wohlfahrtsstaat, Europäische Union, Konvergenz, Wohlfahrtsregime, Gesamtsozialausgaben, Esping-Anderson, Sozialpolitik, Europäisierung, BIP, pro-Kopf-Ausgaben, Effizienzhypothese, Kompensationshypothese, Regimetheorie, öffentliche Ausgaben, empirische Sozialforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, ob und in welche Richtung sich die Wohlfahrtsstaaten innerhalb der EU in einem Prozess der Konvergenz angleichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Systematisierung europäischer Wohlfahrtsregime, die Analyse von Sozialausgaben sowie die theoretische Auseinandersetzung mit Globalisierung und Europäisierung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, ob sich eine Konvergenz in eine bestimmte Richtung innerhalb und zwischen den fünf Wohlfahrtsregimen der EU feststellen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quantitative Aggregatdatenanalyse, bei der Daten von 24 EU-Staaten im Zeitraum von 2000 bis 2008 ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Hypothesenbildung, das methodische Forschungsdesign und die empirische Überprüfung mittels statistischer Verfahren.
Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wohlfahrtsregime, Konvergenz, Sozialpolitik, Europäisierung und empirische Sozialforschung charakterisiert.
Warum wurde das post-kommunistische Regime ergänzt?
Da die bisherige Typologie diese Staaten vernachlässigte, wurde ein fünftes Regime eingeführt, um die gemeinsame Historie dieser Länder angemessen zu berücksichtigen.
Welches Ergebnis liefern die empirischen Daten zur Konvergenz?
Es konnte zwar eine allgemeine Konvergenz (Angleichung) nachgewiesen werden, diese verläuft jedoch nicht zwangsläufig zur Mitte hin, wie die Hypothesen ursprünglich vermuteten.
- Arbeit zitieren
- Lukas Richter (Autor:in), 2011, Lässt sich Konvergenz in eine bestimmte Richtung innerhalb und zwischen den Wohlfahrtsstaatsregimen der Europäischen Union feststellen?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/370020