Heutzutage hat der Erwerb der Schriftsprache eine wichtige Bedeutung. In der modernen Gesellschaft, die durch das geschriebene Wort geregelt ist, hat das Lesen und das Schreiben eine notwendige Funktion.
Die Deutsche UNESCO-Kommission macht die Bevölkerung auf die hohe Zahl von Analphabeten aufmerksam. Weltweit können rund 775 Millionen Jugendliche und Erwachsene nicht lesen und schreiben. Analphabetismus ist aber nicht nur für die ärmeren
Länder charakteristisch, er ist auch weltweit verbreitet. In Österreich kann jeder 15. Mensch nicht fehlerfrei lesen, schreiben oder rechnen.
Menschen, die über keine oder nur über geringe Lese- oder Schreibkenntnisse verfügen, müssen zahlreiche Hindernisse im Alltag überwinden. Diese Hindernisse lassen sich auf die verschiedenen Arten von Analphabetismus zurückführen.
Darum werde ich in meiner Proseminararbeit mit der Erklärung der verschiedenen Ausprägungsarten des Analphabetismus beginnen.
Des Weiteren werde ich mich mit dem österreichischen Schulsystem beschäftigen. Ich werde mich ausführlich mit der geschichtlichen Entwicklung, der allgemeinen Schulpflicht und mit den Zielen der Volksschule beschäftigen.
In dem vierten Kapitel werde ich die möglichen Ursachen des Analphabetismus erforschen. Wir werden sehen, was für eine entscheidende Rolle die Familie und die Schule bei der Alphabetisierung der Jugendlichen spielt.
In dem letzten Kapitel werde ich mich mit dem Film „Der Vorleser“ beschäftigen. Dieser Film bietet eine außerordentliche Möglichkeit das Alltagsleben der Analphabeten kennen zu lernen. Nachdem ich die allgemeinen Informationen und den Ablauf des Filmes beschrieben habe, werde ich nach Hinweisen suchen, die auf den Analphabetismus der Hauptdarstellerin hinweisen. Schließlich kommt es zu einer Darstellung, die sich mit den Schwierigkeiten beschäftigt, mit welchen Hindernissen Analphabeten in dem alltäglichen Leben kämpfen müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung
3. Das österreichische Schulsystem
3.1. Die Schulpflicht in Österreich
4. Die Ursachen des Analphabetismus
4.1. Die Familie
4.2. Schule, Lernen
5. Der Vorleser – Der Film
5.1. Allgemeine Informationen
5.2. Hinweise auf Hannas Analphabetismus
5.3. Typische Merkmale für die Analphabeten
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die verschiedenen Ausprägungsformen des Analphabetismus und analysiert, wie soziale Faktoren, die Familie und das schulische Umfeld den Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen beeinflussen, wobei der Film „Der Vorleser“ als exemplarisches Fallbeispiel für die Bewältigungsstrategien und Leidenswege von Analphabeten dient.
- Definition und Abgrenzung von primärem, sekundärem und funktionalem Analphabetismus
- Die Rolle des österreichischen Schulsystems und der Schulpflicht
- Sozio-ökonomische und familiäre Ursachen für Lese- und Schreibschwächen
- Analyse des Films „Der Vorleser“ zur Darstellung des Alltagslebens von Analphabeten
- Psychosoziale Auswirkungen und die ständige Furcht vor Entdeckung
Auszug aus dem Buch
5.2. Hinweise auf Hannas Analphabetismus
Obwohl es zahlreiche Hinweise für Hannas Analphabetismus in dem Film gibt, bemerkt Michael erst bei der Gerichtsverhandlung, dass Hanna nicht lesen kann. Obwohl es zahlreiche Szenen und Beispiele in dem Film gibt, wo Hannas Verhalten verräterisch ist, weiß der Zuschauer nicht von Anfang an, dass Hanna eine Analphabetin ist.
Das erste Zeichen für Hannas Analphabetismus könnte man erkennen, als Michael sie nach seiner Krankheit besucht hat. Er hat ihr Blumen mitgebracht um sich zu bedanken. Hanna war mit Bügeln beschäftigt, aber sie hat zugehört, als Michael über seine Krankheit gesprochen hat. Er hat erzählt, dass ihm sehr langweilig war und er nicht mal Lust zum Lesen hatte. Hanna hat das Bügeln kurz unterbrochen und mit einem merkwürdigen Blick auf Michael geschaut. ( Der Vorleser 00:08:46).
Das erste Vermeiden des Lesens kann man in der Szene beobachten, in der Hanna Michael danach fragt, was sie gerade im Deutschunterricht lernen. Der Junge möchte ihr das aktuelle Buch geben, damit sie es auch lesen kann, aber Hanna weicht aus und sagt, dass sie ihm lieber zuhört. ( Der Vorleser 00:21:48).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die weltweite Bedeutung des Schriftspracherwerbs und führt in die Thematik der Arbeit sowie in die Analyse des Films „Der Vorleser“ ein.
2. Begriffserklärung: Dieses Kapitel differenziert zwischen primärem, sekundärem und funktionalem Analphabetismus und erläutert die jeweilige Bedeutung im österreichischen Kontext.
3. Das österreichische Schulsystem: Hier wird der historische Hintergrund und die Entwicklung der allgemeinen Schulpflicht in Österreich beschrieben.
3.1. Die Schulpflicht in Österreich: Der Unterpunkt vertieft die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Ziele der österreichischen Volksschule.
4. Die Ursachen des Analphabetismus: Dieses Kapitel erforscht die vielschichtigen Gründe für Lese- und Schreibschwächen, wobei Faktoren wie soziale Herkunft und Bildungschancen beleuchtet werden.
4.1. Die Familie: Es wird dargelegt, welchen Einfluss das elterliche Leseverhalten und das familiäre Umfeld auf die Alphabetisierung von Kindern haben.
4.2. Schule, Lernen: Dieser Abschnitt analysiert die Rolle der Schule bei der Schulfähigkeit und die psychosozialen Folgen von schulischem Misserfolg.
5. Der Vorleser – Der Film: Dieses Kapitel stellt das Werk „Der Vorleser“ vor und verbindet die Filmhandlung mit der theoretischen Analphabetismus-Forschung.
5.1. Allgemeine Informationen: Die allgemeinen Hintergrundinformationen zur Literaturverfilmung aus dem Jahr 2008 werden hier zusammengefasst.
5.2. Hinweise auf Hannas Analphabetismus: Es werden spezifische Szenen aus dem Film analysiert, die als Indikatoren für Hannas Leseunfähigkeit dienen.
5.3. Typische Merkmale für die Analphabeten: Hier werden Verhaltensweisen von Analphabeten zusammengefasst, insbesondere die Strategien zur Verheimlichung der Schwäche.
6. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über Analphabetismus und die Bedeutung der Schule sowie der familiären Unterstützung zusammen.
Schlüsselwörter
Analphabetismus, Funktionaler Analphabetismus, Schriftsprache, Lese- und Schreibkompetenz, Schulpflicht, Lesesozialisation, Der Vorleser, Bernhard Schlink, Bildungssystem, PISA-Studie, Soziale Herkunft, Familienförderung, Alphabetisierung, Lebensumfeld, Psychosoziale Faktoren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen des Analphabetismus, seinen verschiedenen Formen und Ursachen, sowie der Darstellung dieser Problematik anhand des Films „Der Vorleser“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Analphabetismus, die Bedeutung des österreichischen Schulsystems, den Einfluss der Familie auf die Lesefähigkeit und die Analyse filmischer Darstellungen von Leseunfähigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Analphabetismus entsteht, welche Barrieren Betroffene im Alltag überwinden müssen und wie diese Problematik in der Gesellschaft und in den Medien reflektiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu theoretischen Definitionen und Ursachen des Analphabetismus sowie einer qualitativ-analytischen Betrachtung des Films „Der Vorleser“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen, das österreichische Schulsystem und soziokulturelle Ursachen des Analphabetismus erläutert, gefolgt von einer detaillierten Filmanalyse bezüglich der Hauptfigur Hanna Schmitz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Analphabetismus, funktionale Lese- und Schreibschwäche, Lesesozialisation, Bildungsgerechtigkeit und die spezifische Fallstudie zum Film „Der Vorleser“ charakterisiert.
Warum versucht die Hauptfigur Hanna Schmitz ihren Analphabetismus zu verbergen?
Hanna fürchtet die Stigmatisierung und die Konsequenzen, die ihr Geheimnis in ihrem Berufs- und Privatleben haben könnte, weshalb sie extreme Verhaltensweisen zur Tarnung an den Tag legt.
Welche Rolle spielt die Familie beim Erwerb der Lese- und Schreibkompetenz?
Die Familie fungiert als erstes und wichtigstes Vorbild. Ein Haushalt mit Büchern und eine intensive Leseförderung durch die Eltern sind entscheidende Faktoren für einen erfolgreichen Schriftspracherwerb.
Welche Bedeutung kommt der Schule bei der Vorbeugung von Analphabetismus zu?
Die Schule spielt eine Schlüsselrolle, da sie Defizite frühzeitig erkennen und durch individuelle Förderung ausgleichen kann, bevor die Betroffenen ein negatives Selbstbild entwickeln.
- Arbeit zitieren
- Andrea Sido (Autor:in), 2015, Primärer, sekundärer und funktionaler Analphabetismus. Zum Film "Der Vorleser", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/369651