Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwiefern die europäische Grenzschutzagentur FRONTEX als praktische Umsetzung des Panopticons im 21. Jahrhundert betrachtet werden kann. Diese Frage soll im Rahmen der Diskursanalyse untersucht, in Bezug mit dem Macht-Begriff Foucaults gesetzt und beantwortet werden. Hierfür wird zunächst im theoretischen Teil dieser Arbeit auf die Rolle der Macht im Diskurs nach Foucault eingegangen und die Funktion des Panopticons aufgezeigt.
Anschließend wird sich diese Arbeit im empirischen Teil mit der europäischen Grenzschutzagentur FRONTEX hinsichtlich des Aufbaus und der Aufgaben befassen. Dies wird mit einem Fallbeispiel verdeutlicht, woraufhin eine kritische Reflexion erfolgt. Abgeschlossen wird diese Arbeit mit dem Fazit, indem Stellung zu der eingangs genannten Fragestellung dieser Arbeit genommen und diese beantwortet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Foucault: Der Weg zum Panopticon
2.1 Diskurs und Macht
2.2 Das Panopticon
3. Die europäische Grenzschutzagentur FRONTEX
3.1 Aufbau
3.2 Aufgaben
3.3 Fallbeispiel: Nautilus II
3.4 Vergleich: FRONTEX – Panopticon
4. Kritische Würdigung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die europäische Grenzschutzagentur FRONTEX unter Anwendung der diskursanalytischen Machttheorie von Michel Foucault und prüft, inwiefern die Agentur als praktische Umsetzung des panoptischen Überwachungsmodells im 21. Jahrhundert verstanden werden kann.
- Analyse von Machtstrukturen und Diskursen bei Foucault
- Konzeption des panoptischen Modells nach Jeremy Bentham
- Struktur, Aufgaben und Arbeitsweise der Agentur FRONTEX
- Untersuchung der Operation Nautilus II als Praxisbeispiel
- Kritische Reflexion der Ausgrenzungsmechanismen und EU-Grenzpolitik
Auszug aus dem Buch
3.4 Vergleich: FRONTEX – Panopticon
Bei dem Panopticon handelt sich um ein System von perfekter Disziplin und Überwachung. Jegliche Kollektivität wird verhindert. Das Panopticon schafft einen andauernden Zustand der Überwachung und eine Internalisierung der Machtverhältnisse ist erwünscht (vgl. Foucault 1977, 258f.). Mit Internalisierung der ständig möglichen Überwachung wird sich erhofft „den Verurteilten zum guten Verhalten, den Wahnsinnigen zur Ruhe, den Arbeiter zur Arbeit, den Schüler zum Eifer und den Kranken zur Befolgung der Anordnungen zu zwingen“ (Foucault 1977, 260). Ruffing zufolge ist das Panopticon „das Sinnbild für die moderne Gesellschaft, die es auf Überwachung, Disziplinierung und Normalisierung abgesehen habe“ (Ruffing 2008, 63).
Bei Betrachtung von FRONTEX in diesem Blickfeld zeigt sich, dass auch seitens der europäischen Grenzschutzagentur eine ständige Überwachung angestrebt wird, die Flüchtlinge auf dem Seeweg abschrecken und vor einer Einreise auf das Territorium der EU-Mitgliedstaaten abhalten soll. Hierbei werden seitens der EU die Rahmenbedingungen geschaffen, dass die Agentur diese Aufgaben wahrnehmen und erfüllen kann. Unterstützend hierzu wirken Kooperationen zwischen FRONTEX und Drittstaaten, wie das Beispiel Nautilus II demonstriert.
Präventive Maßnahmen sorgen dafür, dass Flüchtlinge – wie auf Basis des Panopticons - als „Delinquenten“ wahrgenommen werden, gegen die präventiv vorgegangen wird. Durch die Machtkonstellationen im Diskurs wird dieser Trend gestärkt und das von Jeremy Bentham entworfene Modell wird auf dem Seeweg in die Tat umgesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Flüchtlingssterbens im Mittelmeer ein und stellt die Forschungsfrage, ob FRONTEX als moderne Umsetzung des Foucaultschen Panopticons betrachtet werden kann.
2. Foucault: Der Weg zum Panopticon: Dieses Kapitel erläutert Foucaults Machtbegriff, die Rolle des Wissens in Diskursen und das Architekturmodell des Panopticons als Instrument der Disziplinierung.
3. Die europäische Grenzschutzagentur FRONTEX: Hier werden der Aufbau und die Aufgaben der Agentur beleuchtet sowie anhand des Fallbeispiels Nautilus II die Praxis der Grenzsicherung verdeutlicht.
4. Kritische Würdigung: Der Abschnitt diskutiert die menschenrechtlichen Kollisionen durch die Externalisierung von Grenzkontrollen und kritisiert die unzureichende Kontrolle der Institutionen.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass FRONTEX als Überwachungsmodell zur Abschreckung fungiert und Geflüchtete im Diskurs zu Delinquenten stilisiert.
Schlüsselwörter
FRONTEX, Panopticon, Michel Foucault, Macht, Überwachung, Diskursanalyse, Flüchtlingspolitik, Disziplinarmacht, Außengrenzen, Nautilus II, Festung Europa, Migration, Delinquenz, Menschenrechte, Grenzschutz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die europäische Grenzschutzagentur FRONTEX unter dem Blickwinkel machtkritischer Theorie, um deren Funktion in der europäischen Migrationspolitik zu analysieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Diskurs- und Machttheorie nach Michel Foucault, die historische Herleitung des Panopticons sowie die Strukturen und operativen Tätigkeiten von FRONTEX.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwiefern FRONTEX als eine praktische Umsetzung des panoptischen Überwachungsmodells des 18. Jahrhunderts in der heutigen Zeit betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode der Diskursanalyse, um Zusammenhänge zwischen Macht, Wissen und institutionellem Handeln offenzulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgt zunächst die theoretische Fundierung durch Foucaults Schriften, gefolgt von einer empirischen Betrachtung von FRONTEX inklusive eines Fallbeispiels zur Operation Nautilus II.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören FRONTEX, Panopticon, Überwachung, Diskursanalyse und Machtstrukturen.
Was bedeutet der Begriff "Makroterritorialisierung" im Kontext dieser Arbeit?
Der Begriff beschreibt die Internationalisierung und Ausweitung von Grenzkontrollfunktionen über das direkte Staatsgebiet hinaus, was durch Institutionen wie FRONTEX ermöglicht wird.
Welche Rolle spielt Libyen als Pufferstaat für FRONTEX?
Libyen dient im Rahmen der Operationen als exterritorialer Akteur, der durch finanzielle und organisatorische Unterstützung der EU Migranten fernhält und somit die Grenzverlagerung in den nordafrikanischen Raum ermöglicht.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2015, FRONTEX und Foucault. Ist die europäische Grenzschutzagentur die praktische Umsetzung des Panopticons im 21. Jahrhundert?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/369036