In dieser Arbeit möchte ich untersuchen, was für eine Rolle das Geschlecht in John Rawls Staatskonstrukt spielt. Dabei beziehe ich mich ausschließlich auf sein Werk "Eine Theorie der Gerechtigkeit", insbesondere das Kapitel "Gerechtigkeit als Fairness". Ich werde dabei die weibliche Rolle in den Fokus setzen: inwiefern und ob die Frau in Rawls "Gerechtigkeit als Fairness" vertreten ist.
Dafür werde ich zu allererst erläutern, was man unter den Begriffen "Geschlechtergerechtigkeit" und "Geschlechtergleichheit" verstehen kann. Danach werde ich die wichtigsten Grundzüge von Rawls Staatskonstrukt erklären. Dabei beziehe ich mich hauptsächlich auf den "Urzustand" und den "Schleier des Nichtwissens".
Weiter ist zu verdeutlichen, was es bedeutet, dass Rawls ein liberaler Philosoph der Moderne ist. Dafür möchte ich die Grundlagen des Wirtschaftsliberalismus von Adam Smith und des philosophischen Liberalismus und erklären – und untersuchen, inwiefern diese in "Gerechtigkeit als Fairness" wiederzufinden sind. Im Hauptteil meiner Arbeit setze ich mich mit Rawls kritisch auseinander. Dabei werde ich untersuchen, ob in seinem Staatskonstrukt Geschlechtergerechtigkeit herrscht – und was für eine Rolle das Geschlecht demnach in seinem Staatskonstrukt spielt. Dabei werde ich die Meinung feministischen Autorinnen mit einbeziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Geschlechtergerechtigkeit und Geschlechtergleichheit
3. Einführung in Rawls Theorien der Gerechtigkeit
3.1 Urzustand und der Schleier des Nichtwissens
3.2 John Rawls als liberaler Philosoph der Moderne
4. Kritik an Rawls – Einbezug feministischer Forschung
5. Schlussfolgerung: Die Rolle des Geschlechts im Staatskonstrukt von Rawls
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Geschlechts in John Rawls' Staatskonstrukt, insbesondere innerhalb seines Werkes „Eine Theorie der Gerechtigkeit“. Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob Rawls' theoretischer Rahmen – trotz seines Anspruchs auf Fairness und Gleichheit – den Anforderungen an Geschlechtergerechtigkeit gerecht wird oder ob er eine männlich geprägte Perspektive perpetuiert.
- Analyse des „Urzustands“ und des „Schleiers des Nichtwissens“ unter geschlechterkritischen Aspekten.
- Untersuchung der liberalen philosophischen Grundlagen von Rawls im Kontext des Wirtschaftsliberalismus.
- Kritische Auseinandersetzung mit feministischen Einwänden, insbesondere durch Denkerinnen wie Seyla Benhabib und Virginia Held.
- Überprüfung der Vereinbarkeit von Rawls' Gerechtigkeitstheorie mit den Bedingungen für Geschlechtergleichheit nach Nancy Fraser.
Auszug aus dem Buch
Kritik an Rawls – Einbezug feministischer Forschung
Das Staatskonstrukt von Rawls ist, wie er selbst sagt, liberal. Damit bezieht sich jede Kritik am Liberalismus auch auf Rawls. Der Liberalismus – und somit auch Rawls Staatskonstrukt – wird häufig von Feministinnen kritisiert. Sie finden, dass der politische Ansatz des Liberalismus nicht auf Frauen angepasst und dementsprechend nicht vollkommen geschlechtergerecht ist.
Es wird zwar nie konkret behauptet, dass die Frau aus dem Liberalismus ausgeschlossen ist, doch lässt es sich aus bestimmten Werken rauslesen – so auch bei Locke, der den Mann „höher“ einstuft, als die Frau: „Wo es um ihr Gemeininteresse und Eigentum geht, fällt die Entscheidung dem Mann zu, als dem fähigeren und stärkeren“. So wird auch bei Rawls kritisiert, dass es sich bei den Personen „die in einer fiktiven Ausgangssituation über die Prinzipien einer gerechten Gesellschaft entscheiden, Familienoberhäupter sind“.
Auch die amerikanische Professorin für Politische Theorie und Politische Philosophie Seyla Benhabib kritisiert in ihrem Artikel „Der verallgemeinerte und konkrete Andere“ an Rawls, dass es sich bei ihm „ausnahmslos um weiße, männliche Erwachsene, die Besitz oder zumindest einen Beruf haben“ handle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel der Untersuchung fest, die Rolle der Frau und das Geschlecht innerhalb von Rawls' Konzept der „Gerechtigkeit als Fairness“ zu analysieren.
2. Definition Geschlechtergerechtigkeit und Geschlechtergleichheit: In diesem Kapitel werden die theoretischen Begrifflichkeiten von Geschlechtergerechtigkeit und Geschlechtergleichheit sowie deren gesellschaftliche Relevanz dargelegt.
3. Einführung in Rawls Theorien der Gerechtigkeit: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Konzepte wie den „Urzustand“, den „Schleier des Nichtwissens“ und ordnet Rawls als liberalen Philosophen ein.
4. Kritik an Rawls – Einbezug feministischer Forschung: Hier erfolgt die kritische Auseinandersetzung mit Rawls' Theorie aus feministischer Perspektive unter Einbeziehung prominenter Kritikerinnen wie Benhabib und Held.
5. Schlussfolgerung: Die Rolle des Geschlechts im Staatskonstrukt von Rawls: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Rawls' Staatskonstrukt geschlechtsspezifische Aspekte vernachlässigt und Frauen strukturell benachteiligt werden.
Schlüsselwörter
John Rawls, Gerechtigkeit als Fairness, Geschlechtergerechtigkeit, Liberalismus, Urzustand, Schleier des Nichtwissens, Feminismus, Geschlechtergleichheit, Gesellschaftsvertrag, Seyla Benhabib, politische Philosophie, Differenzprinzip, Sozialphilosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle das Geschlecht im Staatskonstrukt des Philosophen John Rawls einnimmt und ob sein Konzept der „Gerechtigkeit als Fairness“ für Frauen gerecht ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die liberale politische Philosophie, das Konzept der Geschlechtergerechtigkeit, die Kritik am Gesellschaftsvertrag durch feministische Theorie und die Analyse der Rawls'schen Gerechtigkeitsgrundsätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Prüfung, ob Rawls' theoretisches Konstrukt – insbesondere der „Schleier des Nichtwissens“ – tatsächlich geschlechtsneutral ist oder ob es bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern ignoriert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturgestützte Analyse und kritische Interpretation der primären Rawls-Texte im Spiegel feministischer Sekundärliteratur angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Geschlechtergerechtigkeit, der methodischen Einführung in Rawls' Theorie, einer Einordnung in den Liberalismus und einer umfassenden feministischen Kritik an Rawls' Menschenbild.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Geschlechtergerechtigkeit, Liberalismus, Gerechtigkeit als Fairness, Urzustand und feministische Gesellschaftskritik.
Wie bewertet die Autorin den „Schleier des Nichtwissens“ in Bezug auf das Geschlecht?
Die Autorin argumentiert, dass der Schleier des Nichtwissens zwar theoretisch Gleichheit suggeriert, in der Praxis jedoch die notwendige epistemische Information und die Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen ausschließt.
Warum wird Rawls' Konzept im Kontext der „Familie“ kritisiert?
Die Arbeit betont, dass Rawls die Familie als Institution in seinem Vertragsmodell ausblendet, wodurch Aspekte wie Reproduktion und Fürsorge, die primär Frauen betreffen, nicht in die gerechte Verteilung einfließen.
- Arbeit zitieren
- Laura Wolfert (Autor:in), 2017, Geschlechtergerechtigkeit nach John Rawls. Was für eine Rolle spielt das Geschlecht im Staatskonstrukt von Rawls?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/368273