Ein Großteil von William Hogarths Werken mit historischen beziehungsweise biblischen Bildmotiven befindet sich in sozialen Einrichtungen. Die Wahl der Motive ist dabei nicht etwa willkürlich, sondern dem zukünftigen Ausstellungsort angepasst. Allerdings war Hogarth relativ frei in der Gestaltung und dem Bildmotiv seiner Werke, da diese meist keine Auftragsarbeiten darstellten und er sie anschließend spendete.
Insbesondere bei den im Titel genannten Werken ist ein Zusammenhang der Wahl des Bildmotives und der Einrichtung, für die das Werk angefertigt wurde, deutlich zu erkennen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hogarth und das St Bartholomew's Hospital
3 Die Darstellung von „D[er] Heilung eines Kranken am Teich Bethesda” (Das Evangelium nach Johannes 4. 5, 1-18) in The Pool of Bethesda
4 Die Darstellung des Gleichnisses „Vom barmherzigen Samariter” (Das Evangelium nach Lukas 10, 25-37) in The Good Samaritan
5 Hogarth und das Foundling Hospital
6 Die Darstellung von „Moses Geburt und wunderbare[n] Errettung” (Das Zweite Buch Mose 1. 2, 1-10) in Moses Brought Before Pharaoh's Daughter
7 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die gezielte Auswahl und inhaltliche Ausgestaltung biblischer Bildmotive in den Werken William Hogarths im Kontext ihrer spezifischen Ausstellungsorte, dem St Bartholomew’s Hospital und dem Foundling Hospital. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwiefern die gewählten Motive eine bewusste Bezugnahme auf die jeweilige soziale Einrichtung, deren Bewohner und deren spezifische Bedürfnisse darstellen.
- Die persönliche und künstlerische Verbundenheit William Hogarths zu Londoner Sozialeinrichtungen.
- Die funktionale Rolle der Gemälde als Mittel der Wohltätigkeit und künstlerischen Repräsentation.
- Die semiotische Analyse der biblischen Themen in Bezug auf Krankheit, Heilung und Nächstenliebe.
- Die Interpretation von Adaptionsmotiven als Spiegelbild der Lebenssituation von Waisenkindern.
- Die Etablierung von Krankenhäusern als frühe Ausstellungsräume für zeitgenössische britische Kunst.
Auszug aus dem Buch
Die Darstellung von „D[er] Heilung eines Kranken am Teich Bethesda” (Das Evangelium nach Johannes 4. 5, 1-18) in The Pool of Bethesda
The Pool of Bethesda, entstanden 1736-1737 in Kollaboration mit George Lambert, einem britischen Landschaftsmaler, der die Landschaft, den Hintergrund und den Himmel in Hogarths Werk malte. Ebenso soll das Werk angeblich in Lamberts Atelier, St Martins Lane, gefertigt worden sein.
Es zeigt eine Szene aus dem Evangelium nach Johannes 4. 5, 1-18, in der Jesus von Nazareth laut biblischer Überlieferung einen seit Jahrzehnten gelähmten Mann am Teich Bethesda, einer Zisterne beziehungsweise einer Quelle mit angeblich heilenden Kräften in Jerusalem, heilt, da er es nicht mit eigenen Kräften schafft, zu der Quelle Bethesda zu gehen, um sich von dieser heilen zu lassen.
Wie in der Bibel beschrieben, ist in Jerusalem „ein Teich, der heißt auf hebräisch Bethesda und hat fünf Hallen, in welchen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte, die warteten, wann sich das Wasser bewegte”. Den Teich stellt Hogarth im Hintergrund hinter Jesus im rot-blauen Gewandt dar (siehe Abb. 3), darum die wartenden Erkrankten, darüber den „Engel des Herrn”, der “fuhr herab von Zeit zu Zeit in den Teich und bewegte das Wasser”.
Eine Grafik identifiziert die dargestellten Krankheiten, aufgelistet von links nach rechts, bezogen auf das Gemälde und dessen abgebildete erkrankte Personen: „cretinism, chlorosis, blindness, jaundice, gout, mastitis, rickets, myotonia congenita, congenital syphilis, gonorrhoea with gonococcal arthritis, and disseminated malignant disease.”
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Hogarths Motivation, seine Werke sozialen Einrichtungen zu spenden, und stellt die These auf, dass die Motivwahl nicht willkürlich, sondern auf den jeweiligen Ausstellungsort abgestimmt war.
2 Hogarth und das St Bartholomew's Hospital: Dieses Kapitel erläutert Hogarths persönliche Verbindung zum St Bartholomew’s Hospital sowie seine strategische Entscheidung, das Treppenhaus mit Historienmalerei auszustatten, um sich als Künstler zu profilieren.
3 Die Darstellung von „D[er] Heilung eines Kranken am Teich Bethesda” (Das Evangelium nach Johannes 4. 5, 1-18) in The Pool of Bethesda: Es wird analysiert, wie Hogarth die biblische Heilungsszene im St Bartholomew’s Hospital einsetzt, um die Hoffnung der dortigen Patienten auf Genesung zu reflektieren.
4 Die Darstellung des Gleichnisses „Vom barmherzigen Samariter” (Das Evangelium nach Lukas 10, 25-37) in The Good Samaritan: Das Kapitel untersucht die Thematik der Nächstenliebe in Hogarths Werk und deren Bedeutung für das soziale Umfeld des St Bartholomew’s Hospital.
5 Hogarth und das Foundling Hospital: Der Text beschreibt Hogarths Engagement als Gründungsmitglied des Foundling Hospitals und die Transformation der Einrichtung zu einem frühen öffentlichen Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst.
6 Die Darstellung von „Moses Geburt und wunderbare[n] Errettung” (Das Zweite Buch Mose 1. 2, 1-10) in Moses Brought Before Pharaoh's Daughter: Die Analyse zeigt auf, wie das Motiv der Adoption des Mose im Foundling Hospital eine direkte emotionale Brücke zur Situation der dort untergebrachten Findelkinder schlägt.
7 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Hogarth durch die bewusste Verbindung von biblischen Motiven und den sozialen Bedürfnissen der Institutionen ein tiefgreifendes Verständnis für die Funktion von Kunst im gesellschaftlichen Kontext bewies.
Schlüsselwörter
William Hogarth, St Bartholomew’s Hospital, Foundling Hospital, Historienmalerei, biblische Erzählungen, The Pool of Bethesda, The Good Samaritan, Moses Brought Before Pharaoh’s Daughter, Nächstenliebe, Wohltätigkeit, soziale Einrichtungen, Findelkinder, London, Kunstgeschichte, Heilung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie der Künstler William Hogarth biblische Themen gezielt auswählte, um sie als Spenden in Londoner Krankenhäusern und Waisenhäusern auszustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Beziehung zwischen Kunst und sozialem Engagement, der Historienmalerei im 18. Jahrhundert sowie der inhaltlichen Korrespondenz zwischen den dargestellten biblischen Szenen und dem Kontext des jeweiligen Ausstellungsortes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Hogarths Gemälde im Treppenhaus des St Bartholomew’s Hospitals und im Foundling Hospital nicht zufällig gewählt wurden, sondern bewusst auf die Bedürfnisse und Schicksale der dort betreuten Menschen Bezug nehmen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische Analyse, kombiniert mit biografischen Hintergründen Hogarths und der Untersuchung von zeitgenössischen Quellen und Bibeltexten, um die Intention hinter den Werken zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung von Hogarths Verbindung zu den Institutionen und eine spezifische Interpretation der drei Hauptwerke: The Pool of Bethesda, The Good Samaritan und Moses Brought Before Pharaoh’s Daughter.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie soziale Kunstvermittlung, Philanthropie, biblische Ikonografie und Hogarths Historienmalerei beschreiben.
Warum spielt die persönliche Kindheit Hogarths für seine Arbeit eine Rolle?
Die Autorin argumentiert, dass die frühen Verlusterfahrungen in Hogarths Familie – der Tod seiner Geschwister – sein besonderes Engagement für Kranke und Waisen maßgeblich beeinflussten.
Welche Rolle spielt Thomas Coram im Kontext des Foundling Hospitals?
Thomas Coram war der Gründer des Foundling Hospitals. Hogarth unterstützte ihn aktiv, fertigte ein Porträt von ihm an und integrierte das Foundling Hospital in den Kanon der Orte, an denen moderne britische Kunst ausgestellt wurde.
- Quote paper
- Lioba Frings (Author), 2015, Die Darstellung biblischer Erzählungen in William Hogarths Werken "The Pool of Bethesda", "The Good Samaritan" und "Moses Brought Before Pharaoh’s Daughter" im Kontext der Ausstellungsorte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/368135