In der folgenden Ausarbeitung soll zunächst versucht werden, die Frage zu klären, inwieweit die Wahl des Lehrberufes eventuell auch mit der Wahl des dazu gehörigen Studiums zusammenhängt, bevor allgemeine Theorien und Modelle zur Berufswahltheorie vorgestellt werden. Daraufhin sollen die Beweggründe, also auch die Motive angehender Lehrer, explizit benannt und auf ihre Relevanz für das spätere Berufsleben hin untersucht werden.
Betrachtet man die Situationen an den Universitäten von heute, muss man feststellen, dass sich besonders in den ersten Semestern überdurchschnittlich viele Studenten für den Studiengang des Lehramtes entschieden haben. Auf den ersten Blick mag das vielleicht mit der in großen Teilen der Bevölkerung immer noch vorherrschenden Meinung einhergehen, dass gerade dieser Studiengang besonders entspannt und auch beliebig lange „durchführbar“ ist, immerhin soll die Studentenzeit ja die beste Zeit des Lebens sein. Allerdings fällt zumindest der Aspekt des Dauerstudenten und fleißig „Sitzscheine“ sammelnden Studenten seit der Reformierung des Lehramtsstudiums gänzlich weg. Nachdem in allen deutschen Bundesländern der Studiengang des Lehramtes zumindest modularisiert wurde, stehen die Studenten von Anfang an unter ständigem Leistungsdruck, haben ausreichend Pflichtveranstaltungen zu besuchen und sollen am besten jede Vorlesungsstunde noch weitere zwei Stunden zu Hause nachbearbeiten. Ungeachtet dessen herrscht jedoch immer noch ein gewisses Bild vor, wonach die heutigen Lehramtsstudenten sich nur für diesen Studiengang entschieden haben, da sie entweder nicht wussten, was sie eigentlich genau studieren wollen (Rothland 2011, S. 268), oder aber, da sie den Beruf des Lehrers nun während der vergangenen Jahre intensiv aus der Schülerperspektive studieren und beobachten konnten, sodass ihnen der Gedanke kommt: „Da weiß ich wenigstens, was auf mich zukommt.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gründe und Motive für die Wahl des Lehrberufs
2.1 Berufswahlmotivation vs. Studienwahlmotivation
2.2 Allgemeine Berufs- und Studienwahlmotive
2.3 Theorien und Modelle zur Wahl des Lehrerberufs
2.3.1 Allgemeine Berufswahltheorie von Holland
2.3.2 Das Modell von Richardson und Watt
2.4 Berufswahlmotive für angehende Lehrer
2.4.1 Überblick
2.4.2 Vergleiche mit anderen Berufen
2.4.3 Der geborene Lehrer
3. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Beweggründe und Motive von Studierenden für die Wahl des Lehrerberufs, setzt diese in den Kontext wissenschaftlicher Theorien und analysiert kritisch das Bild des "geborenen Lehrers" sowie die Abgrenzung zu anderen Berufsfeldern.
- Analyse der Berufswahlmotivation im Kontext der Lehramtsausbildung
- Gegenüberstellung theoretischer Modelle (Holland vs. Richardson & Watt)
- Untersuchung von sozialen Aspekten und persönlichen Interessen
- Statistischer Vergleich der Motivationen von Lehrkräften gegenüber anderen akademischen Berufen
- Kritische Reflexion über das Idealbild und die Realität des Lehrerberufs
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Allgemeine Berufswahltheorie von Holland
Von vielen deutschen Forschern auf diesem Gebiet anerkannt und daher auch als auf den deutschsprachigen Raum übertragbar (vgl. Rothland 2011, S. 270), ist die Berufswahltheorie von Holland. Diese lässt sich ebenfalls als Kongruenztheorie oder typologische Berufswahltheorie charakterisieren, welche auf Annahmen zur Wechselwirkung von Personen- und Umweltvariablen basiert (Rothland 2011, S. 269).
Laut Bergmann geht Hollands Modell von der grundsätzlichen Annahme aus, dass Berufsinteressen und die Wahl eines Berufes Ausdruck der „Persönlichkeit“ sind (2004. S. 355). Um diese „Persönlichkeit“ genauer zu definieren, bedient sich das Modell Hollands dem Konzept, dass die meisten Menschen der westlichen Hemisphäre sich jeweils sechs grundlegenden Persönlichkeitstypen bzw. -orientierungen zuordnen lassen. Diese Typen werden wie folgt benannt: der praktisch-technisch orientierte Typ (R = Realistic), der intellektuell-forschende Typ (I = Investigative), der künstlerisch-sprachlich orientierte Persönlichkeitstyp (A = Artistic), der sozial orientierte Typ (S = Social), die unternehmerisch orientierte Persönlichkeit (E = Enterprising) und zu guter letzt der konventionell orientierte Typ (C = Conventional) (Bergmann 2007, S. 417). Diese sechs Persönlichkeitsmuster entsprechen im Modell von Holland dazu jeweils ebenfalls sechs beruflichen Umwelten, die sich in ähnlicher Weise beschreiben lassen wie die Persönlichkeitskonzepte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet die aktuelle Situation von Lehramtsstudierenden im Kontext des Leistungsdrucks und setzt sich kritisch mit Vorurteilen über die Motivation und den Abbruch des Studiums auseinander.
2. Gründe und Motive für die Wahl des Lehrberufs: Analysiert systematisch die Faktoren, die zur Berufswahl führen, differenziert zwischen Studien- und Berufsmotivation und vergleicht verschiedene theoretische Modelle sowie empirische Befunde.
3. Schlussbetrachtungen: Fasst die Ergebnisse zusammen, wonach angehende Lehrer primär durch soziale Aspekte motiviert sind und sich trotz widriger Rahmenbedingungen bewusst für diesen Beruf entscheiden.
Schlüsselwörter
Berufswahlmotivation, Lehrerberuf, Lehramtsstudium, Holland-Modell, Richardson und Watt, FIT-Choice Scale, intrinsische Motivation, pädagogische Vorerfahrung, soziale Berufe, Lehrerpersönlichkeit, Berufswahltheorie, Lehrkräfte, Studienwahl, Arbeitsmarktprognosen, idealistische Berufsmotive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Beweggründe, die dazu führen, dass sich Studierende für den Lehrerberuf entscheiden, und hinterfragt dabei gängige Klischees über das Lehramtsstudium.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Analyse der Berufswahlmotivation, die theoretische Fundierung durch psychologische Modelle sowie der empirische Abgleich mit der Realität angehender Lehrkräfte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen Motive angehender Lehrer zu identifizieren und zu bewerten, inwiefern diese mit der Wahl des Studiums korrespondieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender empirischer Studien und psychologischer Berufswahlmodelle, insbesondere der Theorie von Holland sowie des Modells von Richardson und Watt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Differenzierung von Motivlagen, stellt Modelle zur Berufswahl vor und vergleicht diese mit den spezifischen Erfahrungen und Werten von Lehramtsstudierenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Berufswahlmotivation, Kongruenztheorie, intrinsische Motive, pädagogische Vorerfahrung und die berufliche Identität des Lehrers.
Wie unterscheidet sich die Motivation von Lehramtsstudierenden von anderen Berufsgruppen?
Lehramtsstudierende zeigen laut den zitierten Studien deutlich weniger Ambitionen bezüglich eines hohen Verdienstes oder Führungspositionen und sind stärker von idealistischen und sozialen Motiven geleitet.
Was besagt die Theorie von Holland im Kontext des Lehrerberufs?
Holland ordnet Lehrkräfte primär dem "sozialen" Persönlichkeitstyp zu, ergänzt durch künstlerische und unternehmerische Anteile (Code S-A-E).
Wie kritisch sind die in der Arbeit genannten Studien zu betrachten?
Die Autorin weist darauf hin, dass viele Studien geschlossene Skalen verwenden, was die Ergebnisse potenziell negativer erscheinen lassen kann, als sie in der Realität sind.
Was bedeutet der Begriff "geborener Lehrer" in diesem Zusammenhang?
Es ist ein in Deutschland eher selten gebrauchter Begriff, der jemanden beschreibt, dem bestimmte lehramtsspezifische Tugenden bereits in die Wiege gelegt wurden, was in der Forschung kritisch hinterfragt wird.
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- Fabian Zschiesche (Author), 2011, Warum entscheiden sich Studierende für den Lehrerberuf? Gründe und Motive, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/368112