Märchen gibt es schon seit eh und je, doch Märchen ist nicht gleich Märchen. Während die Einen das Produkt mündlicher Überlieferung sind, sind die Anderen das Werk eines namentlich bekannten Autors und verfolgen eine bestimmte Intention. Doch wie lassen sie sich unterscheiden und wo genau liegt der Unterschied zwischen diesen beiden Gattungen?
Volks- und Kunstmärchen im Vergleich am Beispiel von dem Grimm'schen "Froschkönig" und dem Märchen "Kalif Storch" von Wilhelm Hauff.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff Märchen
2.1 Erläuterung des Gattungsbegriffs Volksmärchen
2.2 Erläuterung des Gattungsbegriffs Kunstmärchen
2.3 Zu den Autoren und ihren Werken
3. Froschkönig
3.1 Struktur und Aufbau
3.2 Sprachliche Gestaltung
3.2.1 Erzählstil
3.2.2 Erzählhaltung
3.3 Figuren
3.4 Das Motiv des Wunderbaren
4. Kalif Storch
4.1 Struktur und Aufbau
4.1.1 Handlungsverlauf
4.1.2 Erzählstil
4.1.3 Erzählhaltung
4.2 Figuren
4.3 Das Motiv des Wunderbaren
5. Lehre der Märchen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Volks- und Kunstmärchen systematisch herauszuarbeiten. Dies erfolgt anhand einer vergleichenden Analyse der Werke „Froschkönig“ der Brüder Grimm und „Kalif Storch“ von Wilhelm Hauff, wobei insbesondere die Struktur, die sprachliche Gestaltung, das Motiv des Wunderbaren sowie die Frage nach einer etwaigen moralischen Lehre im Fokus stehen.
- Charakterisierung und Abgrenzung von Volksmärchen und Kunstmärchen
- Analyse der Handlungsstrukturen und Erzählstile beider Gattungen
- Untersuchung der Figurengestaltung und deren Tiefe
- Vergleichende Betrachtung des Motivs der Verwandlung
- Diskussion über die didaktische Funktion und moralische Intention von Märchen
Auszug aus dem Buch
3.4 Das Motiv des Wunderbaren
Das Wunderbare begegnet den Figuren in alltäglichen Situationen. Nachdem die Königstochter ihre Kugel in den Brunnen hat fallen lassen und der Frosch erscheint, wundert sie sich weder, noch ist sie überrascht, dass dieser die menschliche Sprache beherrscht. Völlig selbstverständlich beginnt sie mit ihm eine Unterhaltung. „Ach du bists, alter Wasserpatscher“37, als wäre es ganz normal, mit einem Frosch zu sprechen. Auch der König ist nicht verwundert über den sprechenden Frosch und nimmt die Situation nicht als außergewöhnlich wahr. Im Gegenteil, er behandelt den Frosch wie einen Menschen und verlangt von seiner Tochter, ihr Versprechen, auch wenn sie es nur einem Frosch gegeben hat, zu halten. Auch erwähnt er wie selbstverständlich die Möglichkeit, dass ein Riese vor der Tür stehen könnte, um seine Tochter zu holen.38
Der verzauberte Königssohn ist das Resultat einer passiven und ungewollten Verwandlung. Eine böse Hexe verzauberte den Königsohn in einen Frosch, der nur durch die Königstochter wieder in seine menschliche Gestalt zurückverwandelt werden kann. Einzig der Königssohn weiß, wie er von dem ihm auferlegten Zauber erlöst werden kann. Der verzauberte Prinz nutzt die Not der Königstochter aus. Er ist bereit, ihr aus ihrer misslichen Lage zu verhelfen, wenn diese ihm ein Versprechen gibt. Mit Hilfe des Versprechens, ihn als „Gesellen“39 anzunehmen, gelangt er in die Nähe der Königstochter und kommt seinem Plan, von ihr erlöst zu werden, einen Schritt näher. Die Prinzessin handelt allerdings, indem sie den Frosch gegen die Wand wirft, nicht mit der Absicht, diesen zu erlösen, sondern will allein sich selbst von dem „garstigen Frosch“40 befreien. Die Rückverwandlung erfolgt also von der Prinzessin unbeabsichtigt. Sowohl die Verwandlung als auch die Rückverwandlung geschehen plötzlich und nicht Schritt für Schritt vonstattengehen, sondern von jetzt auf gleich geschehen. Sobald die Prinzessin den Frosch gegen die Wand wirft und dieser herabfällt, ist er „kein Frosch, sondern ein Königssohn mit schönen und freundlichen Augen“41. Die Entzauberung des Prinzen findet durch Gewalt statt. Die Zeit der Verwandlung steht im Märchen Froschkönig im Hintergrund. Primär fokussiert sich die gesamte Handlung auf die Königstochter als Hauptfigur, sekundär auf den treuen Diener Heinrich. Der verzauberte Prinz fungiert als Nebenfigur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Volks- und Kunstmärchen anhand der Beispielwerke „Froschkönig“ und „Kalif Storch“ zu untersuchen.
2. Zum Begriff Märchen: Dieses Kapitel erläutert die Gattungsbegriffe Volksmärchen und Kunstmärchen theoretisch und geht auf die Autoren Wilhelm Hauff und die Brüder Grimm ein.
3. Froschkönig: Hier werden Struktur, sprachliche Gestaltung, Figuren und das Motiv des Wunderbaren spezifisch am Volksmärchen „Froschkönig“ analysiert.
4. Kalif Storch: In diesem Kapitel erfolgt die Untersuchung der Struktur, der Figuren sowie des Wunderbaren am Kunstmärchen „Kalif Storch“ von Wilhelm Hauff.
5. Lehre der Märchen: Dieser Abschnitt erörtert die Problematik, ob Märchen eine explizite Moral oder Lehre für den Leser beinhalten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse des Vergleichs zusammen und hebt die wesentlichen Unterschiede in der Erzählweise und Behandlung der Verwandlungsmotive hervor.
Schlüsselwörter
Volksmärchen, Kunstmärchen, Brüder Grimm, Wilhelm Hauff, Froschkönig, Kalif Storch, Märchenanalyse, Gattungsvergleich, Motiv des Wunderbaren, Verwandlung, Erzählstil, Handlungsstruktur, Literaturwissenschaft, Märchenlehre, Sozialgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem wissenschaftlichen Vergleich zwischen dem Volksmärchen und dem Kunstmärchen, um Gemeinsamkeiten und strukturelle Unterschiede aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der Aufbau, die sprachliche Gestaltung, die Charakterisierung der Figuren sowie die Funktion des Motivs des Wunderbaren innerhalb der gewählten Märchen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie sich die beiden Gattungen durch ihre spezifischen Merkmale unterscheiden und welche Rolle das Motiv der Verwandlung in den jeweiligen Erzählungen spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Literaturanalyse durchgeführt, die sich auf zwei spezifische Primärtexte sowie ergänzende Fachliteratur zur Märchenforschung stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition der Gattungen, die detaillierte Analyse der beiden Beispielmärchen „Froschkönig“ und „Kalif Storch“ sowie die anschließende Diskussion über moralische Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gattungsvergleich, Verwandlungsmotiv, Zaubermärchen, Erzählhaltung und literarische Analyse charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Verwandlung im „Froschkönig“ von der in „Kalif Storch“?
Während die Verwandlung im „Froschkönig“ eher passiv, unbewusst und nebenbei geschieht, ist sie bei „Kalif Storch“ ein bewusster, aktiver und zentraler Bestandteil des Handlungsverlaufs.
Welche Rolle spielt die Lehre oder Moral in den untersuchten Märchen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass beide Märchen keine explizite Belehrung beabsichtigen, jedoch den Leser dazu anregen, eigene Wertvorstellungen auf das Verhalten der Figuren anzuwenden.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Volks- und Kunstmärchen. Ein Vergleich von Wilhelm Hauffs "Kalif Storch" und Grimms "Froschkönig", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/366673