Die Soziale Marktwirtschaft nach Vorstellungen Alfred Müller-Armacks gilt im internationalen Vergleich gemeinhin als deutsche Besonderheit. Dieser vielzitierte "Dritte Weg", der zweifellos eine historische Erfolgsgeschichte darstellt, wird heutzutage von allen politischen Strömungen für sich vereinnahmt, insbesondere unter Herausstellung der sozialen Komponente, im Gegensatz zum oft gescholtenen "Raubtierkapitalismus". Doch es stellt sich die Frage, wie sozial die Soziale Marktwirtschaft in ihrer ursprünglichen Konzeption tatsächlich angelegt war.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Ausgestaltung der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland in Hinblick auf ihre ideengeschichtliche Basis darzustellen. Dafür soll zunächst das Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft näher untersucht und spezifiziert werden. Im weiteren Verlauf sollen historische Leitlinien sowie wichtige handelnde Akteure beleuchtet werden. Dies betrifft einerseits politisch Handelnde wie Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard, die im Nachkriegsdeutschland entsprechende Fundamente legten. Andererseits sollen die verwandten Wirtschaftskonzepte von Ordo- bzw. Neoliberalismus betrachtet werden, auf deren Konzeptionen die Soziale Marktwirtschaft fußt.
Nachdem die historischen und theoretischen Hintergründe geklärt wurden, folgt eine Betrachtung der jüngeren Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das ideengeschichtliche Fundament
2.1. Neoliberalismus
2.2. Ordoliberalismus
3. Das Wesen der Sozialen Marktwirtschaft nach Müller-Armack
3.1. Die historische Genese
3.2. Leitbild und Konzept der Sozialen Marktwirtschaft
3.3 Das Soziale der Sozialen Marktwirtschaft nach Müller-Armack
3.4 Soziale Marktwirtschaft und Ordoliberalismus
4 Die Gegenwart der Sozialen Marktwirtschaft
4.1 Die soziale Marktwirtschaft im Systemwettbewerb
4.2 Die INMS als Beispiel für Begriffsbesetzung
5 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere unter Rückgriff auf die ideengeschichtliche Basis von Alfred Müller-Armack. Ziel ist es, die Ausgestaltung des "sozialen" Aspekts innerhalb dieses Wirtschaftsmodells zu analysieren, historische Entwicklungen nachzuzeichnen und die Auswirkungen des heutigen Systemwettbewerbs sowie die strategische Begriffsbesetzung durch Interessensgruppen kritisch zu hinterfragen.
- Die ideengeschichtlichen Wurzeln im Neoliberalismus und Ordoliberalismus.
- Die spezifische Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft nach Alfred Müller-Armack.
- Die Entwicklung und Transformation der Sozialen Marktwirtschaft im Kontext des internationalen Systemwettbewerbs.
- Strategien zur Begriffsbesetzung am Beispiel der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).
Auszug aus dem Buch
3.1. Die historische Genese
Die beiden zentralen und prägenden Figuren, die mit der Ausgestaltung der Sozialen Marktwirtschaft assoziiert werden, sind Ludwig Erhard einerseits und Alfred Müller-Armack anderseits. Ludwig Erhard, erst von 1949 bis 1963 Bundeswirtschaftsminister und im Anschluss als Nachfolger Konrad Adenauers von 1963 bis 1966 Bundeskanzler, gilt gemeinhin als einer der „Väter“ der Sozialen Marktwirtschaft und des in der Nachkriegszeit einsetzenden „Wirtschaftswunders“, in Zuge dessen der Wiederaufbau Deutschlands sowie der Industrie erfolgten und breite Teile der Bevölkerung am wachsenden Wohlstand partizipierten.
Daneben ist es Alfred Müller-Armack, der den maßgeblichen Beitrag leistete. Als Ökonom und Professor wurde er von - Erhard berufen - ab 1952 als Leiter der Abteilung I im Bundeswirtschaftsministerium zuständig für den Bereich der Wirtschaftspolitik und war wie dieser Christdemokrat. Müller-Armack ist mit seinen Schriften der Urheber des Namens sowie der Idee von der Sozialen Marktwirtschaft.
Um die Entstehungsgeschichte der Sozialen Marktwirtschaft zu verstehen ist es notwendig, die historische Ausgangslage zu analysieren, Für Deutschland bildete das Jahr 1945, mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Zäsur auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen, aber keine „Stunde Null.“ Vielmehr handelte es sich zwar um einen Neustart in vielen Bereichen, so wie auch der Wirtschaft, aber dieser basierte zum einen auf bestehender Wirtschaftsinfrastruktur und zum anderen auf den auch ideengeschichtlichen Gedankengut und den Erfahrungen bzw. Lehren aus den letzten Jahrzehnten. Wobei keine Einigkeit bezüglich des einzuschlagendes Wegs herrschte, sondern sich die wirtschaftspolitische Ausrichtung erst allmählich abzeichnete.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Sozialen Marktwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und führt in die Zielsetzung ein, die ideengeschichtlichen Hintergründe sowie die jüngere Entwicklung des Konzepts zu beleuchten.
2. Das ideengeschichtliche Fundament: Hier werden die theoretischen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft im Neoliberalismus sowie die spezifischen ordoliberalen Ansätze der Freiburger Schule, insbesondere die Prinzipien von Walter Eucken, dargelegt.
3. Das Wesen der Sozialen Marktwirtschaft nach Müller-Armack: Dieses Kapitel analysiert das von Alfred Müller-Armack entwickelte Konzept, seine historischen Leitlinien, die Bedeutung seiner Sozialpolitik sowie die enge, aber differenzierte Verbindung zum Ordoliberalismus.
4 Die Gegenwart der Sozialen Marktwirtschaft: Es wird untersucht, wie die Soziale Marktwirtschaft im heutigen Systemwettbewerb unter Druck gerät und wie Interessensgruppen wie die INSM versuchen, den Begriff strategisch neu zu besetzen.
5 Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel rekapituliert, dass die Stärke des Konzepts in seiner pragmatischen Flexibilität liegt, jedoch die fehlende begriffliche Trennschärfe das Risiko birgt, zum Spielball politischer Agenden zu werden.
Schlüsselwörter
Soziale Marktwirtschaft, Alfred Müller-Armack, Ordoliberalismus, Neoliberalismus, Wirtschaftspolitik, Soziale Gerechtigkeit, Systemwettbewerb, Ludwig Erhard, Soziale Irenik, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Wirtschaftsordnung, Sozialpolitik, Marktmechanismen, Agenda 2010.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Genese und die aktuelle Bedeutung des Konzepts der Sozialen Marktwirtschaft mit einem besonderen Schwerpunkt auf den theoretischen Überlegungen von Alfred Müller-Armack.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die ordoliberale Tradition, die spezifische Ausgestaltung des sozialen Aspekts bei Müller-Armack sowie die Transformationsprozesse des Konzepts im Kontext globaler Wettbewerbsbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die ideengeschichtliche Basis der Sozialen Marktwirtschaft darzustellen und zu untersuchen, wie der Begriff und die damit verbundenen Inhalte bis heute durch politische und gesellschaftliche Akteure aktiv gestaltet und teilweise umgedeutet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische und ideengeschichtliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Programmschriften und wissenschaftlichen Diskursen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird Müller-Armacks Entwurf der Sozialen Marktwirtschaft detailliert analysiert, seine Theorie der "Sozialen Irenik" erläutert und die aktuelle Entwicklung der Wirtschaftsordnung im Systemwettbewerb kritisch betrachtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff der "Sozialen Marktwirtschaft" sind "Ordoliberalismus", "Soziale Irenik" und "Systemwettbewerb" für das Verständnis dieser Arbeit essenziell.
Warum ist der Begriff der Sozialen Marktwirtschaft laut Autor so "dehnbar"?
Die Arbeit stellt fest, dass dem Konzept keine dogmatisch festgeschriebene, endgültige Theorie zugrunde liegt, sondern lediglich wenige Kernprinzipien, was dem Begriff eine inhaltliche Offenheit verleiht, die für unterschiedliche Interessen instrumentalisierbar ist.
Welche Rolle spielt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)?
Die INSM dient als Beispiel für eine strategische Begriffsbesetzung, bei der versucht wird, den Begriff "sozial" im Sinne einer stärker marktwirtschaftlichen Leistungsgerechtigkeit umzudeuten und wohlfahrtsstaatliche Elemente abzubauen.
- Arbeit zitieren
- Andreas J. Moj (Autor:in), 2017, Genese und Gegenwart der Sozialen Marktwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/358170