In der vorliegenden Arbeit möchte ich daher die verschiedenen Aspekte des politischen und öffentlichen Lebens beleuchten, in denen die arabisch-muslimische Bevölkerung und deren Kultur mit der normannischen Führung in Kontakt traten, um so zu einer Einschätzung zu gelangen, inwiefern die beschrieben Extreme brauchbare Kategorien für die Beschreibung der Herrschaftsgründung und Herrschaftspraxis der ersten beiden Normannenherrscher in Sizilien sind. Dabei werde ich exemplarisch vorgehen und versuchen anhand der Lebensverhältnisse der arabischen Bevölkerung sowie der Herrschaftspraxis Rogers II. zentrale Aspekte am beidseitigen Verhältnis darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedingungen der Eroberung
3. Die Situation der Mulime
3.1. Demographischer Wandel
3.2. Situation der Landbevölkerung
3.3. Die Assisen von Ariano
4. Die Umgebung des Königs
4.1. Palasteunuchen
4.2. Herrscherpräsentation Rogers II.
5. Die Außenpolitik Rogers II.
5.1. Mittelmeerpolitik
5.2. Orientierung zum Maghreb
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Aspekte des politischen und öffentlichen Lebens, in denen die arabisch-muslimische Bevölkerung und deren Kultur mit der normannischen Führung in Kontakt traten, um zu beurteilen, inwieweit Konzepte wie religiöse Toleranz oder ein Konflikt der Kulturen zur Beschreibung der Herrschaftspraxis der ersten beiden normannischen Herrscher auf Sizilien geeignet sind.
- Die demographischen Veränderungen und die soziale Lage der muslimischen Bevölkerung unter normannischer Herrschaft.
- Die Rolle der muslimischen Kultur im normannischen Hofleben und der Verwaltung.
- Die Herrscherpräsentation Rogers II. und ihre Botschaft an die verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
- Die außenpolitischen Ambitionen der Normannen im Mittelmeerraum und im Maghreb.
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem Narrativ der "staatstragenden Toleranz" versus pragmatischer Herrschaftssicherung.
Auszug aus dem Buch
Die Assisen von Ariano
Neben der niederen Gerichtsbarkeit der Grundherren und der religiösen Gemeinden existierte jedoch auch eine diesen übergeordnete gräfliche (bzw. ab 1130 eine königliche) Jurisdiktion. Diese orientierte sich zum einen nach dem Gewohnheitsrecht, zum anderen nach der eigenen, königlichen Legislative. Letztere fand ihren nachhaltigen Ausdruck in den 44 vermutlich 1140 auf dem Hoftag von Ariano abgefassten Assisen König Rogers II. Ob diese „der höchste Ruhmestitel seines an Großtaten reichen Lebens“ sind, wie Erich Caspar schreibt, die „der natürlichen, gesetzgeberischen Ader aller Normannen entspringend, den Kitt der Völker des Königreichs“ bildeten, darf dabei durchaus bezweifelt werden. Allein schon weil „sie nur für den Teil der unterworfenen Bevölkerung galten, der durch die normannische Eroberung nicht in den Hörigenstand geraten war oder in ihm belassen wurde.“ Romuald von Salerno spricht in diesem Zusammenhang nur vom Erlassen neuer Gesetze, der Entsendung von Justitiaren und der Abschaffung schlechter Gewohnheiten nach dem Ende der Feindseligkeiten mit Kaiser und Papst. Die Assisen, die hier weder namentlich noch inhaltlich Erwähnung finden, sieht er also nur als Teil mehrerer ordnender Maßnahmen, was einer Deutung im Sinne Caspars zumindest aus der Perspektive der Zeitgenossen widerspricht. Fakt ist aber, dass die königliche Gesetzgebung und Rechtsprechung, die sich in den Assisen artikuliert, dem Anspruch nach für alle freien Einwohner des Königreichs galt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt den historischen Rahmen der normannischen Eroberung Siziliens, diskutiert Forschungsmeinungen zur Rolle der Muslime und definiert das Ziel der Untersuchung.
2. Bedingungen der Eroberung: Dieses Kapitel analysiert die demographische Ausgangslage Siziliens vor 1061 und zeigt den pragmatischen Umgang der ersten normannischen Eroberer mit der muslimischen Bevölkerung auf.
3. Die Situation der Mulime: Hier wird der demographische Wandel, die prekäre soziale Lage der Landbevölkerung sowie die juristische Einordnung durch die Assisen von Ariano beleuchtet.
4. Die Umgebung des Königs: Das Kapitel befasst sich mit der Rolle von Palasteunuchen und der bewussten Inszenierung der Macht Rogers II. gegenüber seinen muslimischen und christlichen Untertanen.
5. Die Außenpolitik Rogers II.: Die Untersuchung konzentriert sich auf die Mittelmeerpolitik und das oft ambivalente Verhältnis Rogers II. zu den Mächten im Maghreb.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die normannische Herrschaft primär auf Machterhalt ausgerichtet war und sich nicht in den Kategorien moderner Toleranz begreifen lässt.
Schlüsselwörter
Sizilien, Hauteville, Roger I., Roger II., Normannen, muslimische Bevölkerung, arabische Kultur, Assisen von Ariano, Toleranz, Herrschaftspraxis, Palasteunuchen, Mittelmeerpolitik, Ziriden, Reconquista, Dschizya.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herrschaftspraxis der ersten beiden normannischen Herrscher (Roger I. und Roger II.) in Sizilien und ihr Verhältnis zur dort lebenden arabisch-muslimischen Bevölkerung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die demographische Entwicklung, die soziale und rechtliche Lage der Muslime, die Rolle arabischer Elemente am normannischen Hof sowie die außenpolitischen Ambitionen der Normannen im Maghreb.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit die häufig in der Literatur verwendete Kategorie der "staatstragenden Toleranz" die Herrschaftsgründung der Normannen auf Sizilien treffend beschreibt oder ob pragmatische Aspekte der Herrschaftssicherung im Vordergrund standen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse. Der Autor stützt sich dabei auf zeitgenössische lateinische Urkunden, Chroniken sowie auf die neuere wissenschaftliche Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedingungen der Eroberung, die Situation der muslimischen Landbevölkerung, die Rolle von Eunuchen im Palast, die Selbstdarstellung des Königs und die Außenpolitik gegenüber nordafrikanischen Staaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wichtige Begriffe sind Sizilien, Hauteville, Normannenherrschaft, kultureller Synkretismus, Assisen von Ariano und die Interaktion zwischen der christlichen Führungsschicht und muslimischen Untertanen.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Assisen von Ariano für die muslimische Bevölkerung?
Der Autor stellt fest, dass die Assisen zwar für freie Einwohner galten, aber die nichtchristlichen Gemeinden nicht explizit berücksichtigten, was ihre rechtliche Stellung als "Schutzbefohlene" unterstreicht.
Warum wird der Fall des Eunuchen Philipp im Dokument besonders hervorgehoben?
Der Fall Philipps dient als exemplarisches Beispiel für die prekäre Situation der muslimischen Elite am Hof, deren religiöse Identität zunehmend zum politischen Risiko wurde, besonders im Kontext des erstarkenden Adelswiderstands.
- Arbeit zitieren
- Johannes Konrad (Autor:in), 2016, Die Herrschaft der Hauteville und die sizilianischen Muslime (1061 - 1154), München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/357230