In dieser Seminararbeit wird die Frage nach dem Zweikaiserproblem behandelt. Es werden die Auswirkungen der Kaiserkrönung Karls des Großen analysiert und das Verhältnis mit dem Byzantinischen Reich beleuchtet.
Die Arbeit geht zunächst auf die Frage ein, was die Kaiserkrönung Karls des Großen überhaupt erst ermöglichte. Anschließend wird die Kaiserkrönung anhand zwei unterschiedlicher Darstellungen betrachtet. Anhand der historischen Quellentexte von Einhard und Theophanes soll ein besseres Bild von Karls kaiserlichem Selbstverständnis sowie der byzantinischen Bewertung der Kaiserkrönung gewonnen werden.
Im weiteren Verlauf wird das Augenmerk dann auf die politischen und diplomatischen Auswirkungen der Kaiserkrönung gerichtet. Die gesammelten Erkenntnisse werden durch eine abschließende Diskussion miteinander konfrontiert, in der auch die Frage beantwortet werden soll, ob es gerechtfertigt ist, von einem Zweikaiserproblem zu sprechen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Kaiserkrönung Karls des Großen
2.1 Die Darstellung der Kaiserkrönung durch Einhard
2.2 Die Darstellung der Kaiserkrönung durch Theophanes
2.3 Der politische Kontext der Kaiserkrönung Karls des Großen
3 Das Zweikaiserproblem - Zusammenführung der Erkenntnisse
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die politischen Auswirkungen der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 n. Chr. und analysiert kritisch, ob und inwieweit das daraus resultierende Spannungsverhältnis zum Byzantinischen Reich – das sogenannte „Zweikaiserproblem“ – eine reale existenzielle Herausforderung oder lediglich eine theoretische Diskursmaterie darstellte.
- Analyse der Kaiserkrönung aus fränkischer (Einhard) und byzantinischer (Theophanes) Perspektive
- Untersuchung des politischen Selbstverständnisses Karls des Großen hinsichtlich universaler Herrschaftsansprüche
- Bewertung der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Frankenreich, Byzanz und dem islamischen Orient
- Kritische Einordnung des Zweikaiserproblems als Legitimations- und Anerkennungsdiskurs
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Darstellung der Kaiserkrönung durch Einhard
Aus fränkischer Sicht berichtet der gelehrte Einhard in seiner Vita Karoli Magni von Karls Kaiserkrönung. Für eine kritische Analyse der Vita Karoli Magni gilt es zu Beginn, den Autor und seine schriftstellerische Intention genauer zu betrachten.
Einhard wurde um 770 in Seligenstadt geboren und gelangte im Jahr 796 an den fränkischen Hof. Seine Biographie entstand wenige Jahre nach Karls Tod im Jahre 814. Trotz einiger sachlicher Irrtümer gilt Einhards Biographie bis heute als eine der bedeutendsten mittelalterlichen Lebensbeschreibungen. Durch seine besondere Betonung der Person und der Persönlichkeit Karls des Großen knüpft Einhard an die Darstellungsformen antiker Geschichtsschreiber an. In seiner Wortwahl ähnelt Einhard dabei häufig dem römischen Autor Sueton. Dies erschwert zugleich an manchen Stellen die Unterscheidung in historische Wirklichkeit und literarische Adaption. Ebenso wichtig ist es zu bemerken, dass Einhard teilweise zu einem idealisierten Bild des pater Europae tendiert.
Es soll nun der Inhalt der Vita Karoli Magni genauer betrachtet werden. Dem Text Einhards ist zu entnehmen, dass Papst Leo III Karl um Schutz gebeten hat und jener sich daher nach Rom begab. Während Karls Aufenthalt in Rom geschah es dann, dass Leo III Karl zum Kaiser krönte. Nach Einhard hätte Karl den Kaisertitel jedoch nicht angenommen, wenn er bereits im Vorfeld von der Absicht des Papstes gewusst hätte. Mehr noch, Karl hätte erst gar nicht die Kirche betreten. Dies alles bemerkt Einhard mit dem Verweis darauf, dass Karl der Kaisertitel zuwider gewesen sei. Ferner wird von der Reaktion der Byzantiner berichtet. Diese haben laut Einhard Karls Kaisertitel mit großem Argwohn zur Kenntnis genommen. In der Folgezeit wusste Karl jedoch die Gemüter der byzantinischen Kaiser zu beruhigen, indem er sie in seinen Briefen als Brüder anredete.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Ereignis der Kaiserkrönung Karls des Großen ein und formuliert die zentrale Fragestellung bezüglich des Zweikaiserproblems sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Die Kaiserkrönung Karls des Großen: In diesem Kapitel wird das Ereignis der Kaiserkrönung aus der Sicht Einhards und Theophanes' sowie in seinem weiteren politischen Kontext analysiert, um die Legitimationsgründe und die diplomatischen Auswirkungen zu beleuchten.
3 Das Zweikaiserproblem - Zusammenführung der Erkenntnisse: Das Kapitel führt die gewonnenen Ergebnisse zusammen und diskutiert kritisch, inwieweit das Zweikaiserproblem tatsächlich existierte oder ob es sich primär um einen diplomatischen Aushandlungsprozess handelte.
4 Resümee: Das Resümee fasst die zentralen Untersuchungsergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Problematik des Zweikaisertums aus byzantinischer Sicht eine größere Bedeutung hatte als im Frankenreich, wo sie primär theoretisch verhandelt wurde.
Schlüsselwörter
Kaiserkrönung, Karl der Große, Zweikaiserproblem, Byzanz, Einhard, Theophanes, Papst Leo III, Imperium Romanum, Diplomatie, Fränkisches Reich, Kaisertitel, Anerkennung, Mittelalter, Geschichtsschreibung, politische Legitimation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die politischen und diplomatischen Konsequenzen der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 n. Chr. und untersucht das daraus resultierende Spannungsfeld zum Byzantinischen Reich.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die historische Quellenanalyse von Einhard und Theophanes, das politische Selbstverständnis der Karolinger sowie die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Frankenreich und Byzanz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es zu klären, ob es gerechtfertigt ist, von einem realen „Zweikaiserproblem“ zu sprechen, und wie Karl der Große seinen Kaisertitel in Bezug auf Byzanz interpretierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kritischen Analyse historischer Quellentexte sowie einer Untersuchung des politischen Kontexts, um eine objektive Bewertung der Ereignisse vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Darstellungen Einhards und Theophanes', gefolgt von einer Untersuchung der politischen Bemühungen Karls um Anerkennung, etwa durch Kontakte zu Bagdad und Jerusalem.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kaiserkrönung, Karl der Große, Zweikaiserproblem, Byzanz, Einhard, Theophanes, Legitimation und diplomatische Anerkennung.
Wie bewerten die untersuchten Autoren die Kaiserkrönung?
Einhard stellt die Kaiserkrönung als ein eher widerwilliges Ereignis dar, während Theophanes sie als einen illegitimen Akt der Usurpation durch einen grausamen Herrscher schildert.
Welches Fazit zieht die Arbeit zum Zweikaiserproblem?
Das Fazit lautet, dass das Zweikaiserproblem vorwiegend ein byzantinisches Problem war, während es im Frankenreich eher als theoretische Frage oder notwendiger diplomatischer Kompromiss wahrgenommen wurde.
- Quote paper
- Sebastian Lübken (Author), 2016, Die politischen Auswirkungen der Kaiserkrönung Karls des Großen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/357214