Die Geschichte der Emotionen ist ein neueres Forschungsgebiet der Geschichtswissenschaft. Diese Arbeit widmet sich einem Teil dieser Emotionsgeschichte im Zeitalter der Kulturkämpfe. Ziel dieser Arbeit ist es also, den preußischen und den deutschen Kulturkampf mit dem Forschungsfeld der Emotionsgeschichte in Verbindung zu setzen. Dabei spielen der Antiklerikalismus und der Ultramontanismus eine wichtige Rolle. Zu Beginn werden die weitreichenden Vorläufer der Kulturkämpfe dargestellt, um im Anschluss in Kürze auf die unterschiedlichen Kulturkämpfe näher einzugehen. Der Fokus liegt dabei auf den preußischem und den deutschem Kulturkampf. Weiterhin werden der Herz-Jesu-Kult und die Jesuitenverschwörung im Zuge der liberalen Emotionsstrategien näher beleuchtet. Im weiteren Verlauf soll die Emotionalisierung des preußischen und deutschen Kulturkampfes anhand von antiklerikalen, liberalen Medien, insbesondere Karikaturen, aufgezeigt werden. Zu diesem Zweck werden Karikaturen, unter anderem aus den zeitgenössischen Satirezeitschriften ‚Kladderadatsch‘ und der ‚Berliner Wespen‘, analysiert. Schließlich sollen die Gegenstrategien des Katholizismus aufgezeigt werden. Auch hierbei existieren Medien aus Zeitschriften als Pendant zu denen der Liberalen. Dieser Bereich wurde bisher nur im geringen Maße wissenschaftlich erforscht, sodass die Verwendung dieser Medien im Rahmen der vorliegenden Arbeit nur beschränkt möglich ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Vorläufer der Kulturkämpfe
3. Die unterschiedlichen Kulturkämpfe
3.1 Der deutsche und der preußische Kulturkampf
3.2 Die unterschiedlichen ‚Milieus‘ im Kulturkampf
3.3 Europäische Dimensionen des Kulturkampfes
4. Antiklerikalismus und Emotionsstrategien
4.1 Der Herz-Jesu-Kult und die Jesuitenverschwörung
4.2 Emotionalisierung des Kulturkampfes durch antiklerikale Medien
4.2.1 Societas Jesu
4.2.2 Der Papst
4.2.3 Katholische Würdenträger
5. Gegenstrategien
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den preußischen und deutschen Kulturkampf im Kontext der Emotionsgeschichte und analysiert, wie liberale Kulturkämpfer mithilfe von Antiklerikalismus und spezifischen Emotionsstrategien versuchten, katholische Milieus zu beeinflussen und zu diskreditieren.
- Verbindung von Kulturkampf und Emotionsgeschichte
- Analyse antiklerikaler Emotionsstrategien (z.B. Jesuitenverschwörung)
- Untersuchung liberaler Karikaturen in Satirezeitschriften
- Gegenstrategien katholischer Medien im Kulturkampf
- Die Rolle der Medialisierung des Klerus als Mittel der politischen Auseinandersetzung
Auszug aus dem Buch
4.2 Emotionalisierung des Kulturkampfes durch antiklerikale Medien
Während der Kulturkämpfe waren nicht nur der Staat mit seinen verschiedenen politischen Richtungen und die katholische Kirche von den Auseinandersetzungen betroffen, sondern auch die persönliche Lebensführung der Mittel- und Unterschicht. Seit Jahrhunderten waren klerikale Würdenträger für persönliche Angelegenheiten wie „Beichte, Seelsorge, Kindererziehung, Heirat und Bestattung“ verantwortlich.59 Seit der Aufklärung und vor allem im Zuge der Kulturkämpfe versuchten antiklerikale Gruppierung mit Hilfe der Medien dies zu destruieren. Dabei wurde den katholischen Würdenträgern eine Natur zugeschrieben, die von der damaligen Norm abwich, da antiklerikale Gruppen in der Tat davon ausgingen, dass Geistliche nicht nach ihren Gelübden und den katholischen Regeln lebten und diese auch nicht mit bürgerlichen Prinzipien und Werten vereinbar waren. Diese „mediale Essentialisierung des Klerus trug maßgeblich zur […] Emotionalisierung und sozialen Ausweitung der Kulturkämpfe bei.“60
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Emotionsgeschichte ein und verknüpft diese mit dem preußischen und deutschen Kulturkampf, wobei der Fokus auf den Emotionsstrategien der liberalen Kulturkämpfer liegt.
2. Die Vorläufer der Kulturkämpfe: Dieses Kapitel erläutert die historischen Ursprünge der Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche, die bis in den Vormärz und die Französische Revolution zurückreichen.
3. Die unterschiedlichen Kulturkämpfe: Es wird ein Überblick über den preußischen und deutschen Kulturkampf gegeben, ergänzt durch die Analyse verschiedener gesellschaftlicher Milieus und einer europäischen Perspektive auf die Konflikte.
4. Antiklerikalismus und Emotionsstrategien: Dieser Hauptteil beleuchtet die Rolle des Herz-Jesu-Kults, die Jesuitenverschwörung und die gezielte Nutzung antiklerikaler Medien zur Emotionalisierung des Konflikts.
5. Gegenstrategien: Hier werden die medialen Abwehrmaßnahmen der katholischen Seite und die Gründung katholischer Zeitschriften zur Verteidigung des eigenen Milieus beschrieben.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die negative Medialisierung des Klerus zur kollektiven Emotionalisierung und sozialen Ausweitung des Kulturkampfes beitrug, wobei auch die Akteure selbst von emotionalen Mustern geprägt waren.
Schlüsselwörter
Kulturkampf, Emotionsgeschichte, Antiklerikalismus, Liberalismus, Katholizismus, Jesuiten, Karikaturen, Kladderadatsch, Medialisierung, Ultramontanismus, Herz-Jesu-Kult, Zentrumspartei, Preußen, Religion, Politik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Emotionen und gezielten Emotionsstrategien im preußischen und deutschen Kulturkampf des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der politische Konflikt zwischen liberalem Staat und katholischer Kirche, die mediale Darstellung des Klerus und die Mobilisierung gesellschaftlicher Milieus durch Emotionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Kulturkampf mit dem Forschungsfeld der Emotionsgeschichte zu verknüpfen und aufzuzeigen, wie Antiklerikalismus als Instrument liberaler Politik eingesetzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen historisch-analytischen Ansatz und wertet insbesondere zeitgenössische Medien, vor allem Karikaturen aus satirischen Zeitschriften, als historische Quellen aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Instrumentalisierung des Herz-Jesu-Kults, die Vorwürfe gegen Jesuiten sowie die mediale Entwürdigung katholischer Geistlicher in liberalen und katholischen Medien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kulturkampf, Emotionsgeschichte, Antiklerikalismus, Liberalismus, Jesuiten, Medialisierung, Karikaturen und Ultramontanismus sind die prägenden Begriffe.
Welche Bedeutung kommt dem "Kladderadatsch" für die Untersuchung zu?
Der "Kladderadatsch" dient als zentrales Beispiel für ein linksliberales Medium, das durch die Veröffentlichung von Karikaturen maßgeblich zur antiklerikalen Emotionalisierung der Öffentlichkeit beitrug.
Was zeigt die Analyse der Karikaturen über die damalige Zeit?
Die Karikaturen verdeutlichen die tiefen gesellschaftlichen Gräben und zeigen, wie religiöse Identitäten durch die mediale Zuschreibung von Perversion oder staatsfeindlichem Verhalten abgewertet wurden.
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- Annalena Willer (Author), 2014, Antiklerikalismus und Emotionsstrategien der liberalen Kulturkämpfer im preußischen und deutschen Kulturkampf, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/356834