Der Essay befasst sich kritisch mit der international geführten Debatte über die Intersektionalitätsanalyse. Diskutiert werden die Bildung und Auswahl der zu untersuchenden Kategorien sowie die Verwendung verschiedener Untersuchungsebenen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Intersektionalität im deutschsprachigen und anglo-amerikanischen Raum
3. Fazit und Schlussbemerkungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die internationale Debatte um die Intersektionalitätsanalyse und vergleicht dabei die unterschiedlichen Strömungen im deutschsprachigen sowie im anglo-amerikanischen Raum. Ziel ist es, die Entwicklung der Theorie sowie die methodischen Herausforderungen bei der Wahl und Verknüpfung von Differenzkategorien auf verschiedenen Analyseebenen aufzuzeigen.
- Historische Genese der Intersektionalitätsforschung aus dem black feminist movement
- Vergleich der Identitätsbildung durch identity politics in den USA mit europäischen Dekonstruktionsansätzen
- Methodologische Differenzierung nach McCall (anti-, intra- und inter-kategorial)
- Analyse der Mehrebenenmodelle (Makro-, Meso-, Mikroebene) nach Degele und Winker
Auszug aus dem Buch
Intersektionalität im deutschsprachigen und anglo-amerikanischen Raum
Die Intersektionalitätsforschung findet ihre Ursprünge im black feminist movement der USA in den späten 70er und frühen 80er Jahren. Bezeichnend für diese Bewegung war die Forderung nach einer radikalen Gesellschaftskritik unter der Berücksichtigung von Diskriminierungserfahrungen jenseits der weißen Mittelschicht (vgl. Knapp 2006: S. 1730). Das black feminist movement weist eine relationale Entwicklung auf, da kein konkretes Datum für einen Ursprung genannt werden kann. Vielmehr entwickelte es sich im Zusammenhang der weißen feministischen Bewegungen, die im späten 19. Jahrhundert populär wurden (vgl. Rupp, 2011: 1-4).
Bereits 1851 machte Sojourner Truth, eine Frauenrechtlerin und Aktivistin im Abolitionismus, auf den vernachlässigten Einfluss von race in Bezug auf die damaligen feministischen Ansätze aufmerksam. In ihrer berühmten Rede auf der „Women’s Convention“ in Akro, Ohio, stellte sie diverse rhetorische Fragen bezüglich ihrer gesellschaftlich zugeschriebenen Rolle, welche sie ausschließlich als Sklave, nie aber als Frau darstellte (vgl. Truth, 28-29 May 1851). Die Problematik der Verschränkung bestimmter Unterdrückungsverhältnisse, in diesem Falle race und gender, wurde demnach schon Mitte des 19. Jahrhunderts angesprochen. Diese Verflechtung übte im black feminism schließlich einen großen Einfluss aus. Feministische Bewegungen aus den USA plädierten in den 1970er und 1980er Jahren auf eine Analyse, welche mehrere Ungleichheitskategorien gleichzeitig fokussieren sollten. Beispielhaft ist hierbei das Combahee River Collective zu nennen, ein Zusammenschluss homosexueller, schwarzer Feministinnen, der aufgrund eigener Diskriminierungserfahrungen neben der, damals üblichen, Kategorien race und gender, auch eine Berücksichtigung von class und sexuality in der Ungleichheitsanalyse forderte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Konzept der Intersektionalitätsanalyse als Paradigma der Sozialwissenschaften ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung von Verschränkungen verschiedener Differenzkategorien.
Intersektionalität im deutschsprachigen und anglo-amerikanischen Raum: Dieser Abschnitt analysiert die historische Entstehung des Konzepts, vergleicht US-amerikanische Ansätze mit europäischen Entwicklungen und stellt methodische Herangehensweisen wie die von Leslie McCall und Degele/Winker detailliert dar.
Fazit und Schlussbemerkungen: Hier werden die Ergebnisse der Analyse reflektiert, die Notwendigkeit eines intensiveren Dialogs zwischen den internationalen Strömungen betont und ein Ausblick auf zukünftige empirische Forschungsbedarfe gegeben.
Schlüsselwörter
Intersektionalität, Ungleichheitsanalyse, Differenzkategorien, Diskriminierung, Black Feminist Movement, Identity Politics, Mehrebenenanalyse, Soziale Konstruktion, Identitätsbildung, Makroebene, Mikroebene, Machtstrukturen, Gender, Race, Klasse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung und dem Vergleich der internationalen Debatte zur Intersektionalitätsanalyse im deutschsprachigen und anglo-amerikanischen Raum.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Theorie, die Wahl der zu untersuchenden Kategorien und die methodische Umsetzung einer Mehrebenenanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, eine vergleichende Analyse der verschiedenen internationalen Debattenbeiträge zu erstellen und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Strömungen mit Differenzkategorien umgehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Literaturstudie, die verschiedene methodologische Ansätze (z.B. McCall, Degele/Winker) kritisch gegenüberstellt und vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der historischen Genese, den unterschiedlichen theoretischen Strömungen, der Problematik der Kategorienbildung und der Darstellung von Modellen zur Mehrebenenanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Intersektionalität, Differenzkategorien, Identitätsbildung, Machtstrukturen sowie der theoretische Vergleich zwischen US-Diskursen und deutschsprachiger Forschung.
Welchen Stellenwert nimmt das "Black Feminist Movement" ein?
Es wird als historischer Ausgangspunkt der Forschung identifiziert, der maßgeblich dazu beitrug, Diskriminierung über eine einzige Kategorie hinaus zu denken.
Wie unterscheidet sich die Analyse von Degele und Winker von anderen Ansätzen?
Degele und Winker führen ein explizites Mehrebenenmodell (Makro-, Meso- und Mikroebene) ein, um sowohl soziale Strukturen als auch Identitätsprozesse systematischer miteinander zu verknüpfen.
Was kritisiert der Autor an der aktuellen Debatte?
Der Autor bemängelt teilweise eine begriffliche Unschärfe (Buzzword-Charakter) sowie das Fehlen von ausreichend empirischen Forschungsarbeiten, die über rein theoretische Diskurse hinausgehen.
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- Christian Kautz (Author), 2015, Intersektionalität im deutschsprachigen und anglo-amerikanischen Raum, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/356384