Die Zentrale These dieses Essays ist: „Die Politikwissenschaft wird ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht. Eine zugegeben gewagte These, die hier diskutiert werden soll.
Gerade eine so praxisnahe Wissenschaft wie die PW es ist, hat das Ziel ihr Forschungsgebiet positiv zu beeinflussen und dabei die Politik rationaler zu machen. Diesen normativen Anspruch wird die PW allerdings nicht gerecht, da ihr Einfluss auf die Politik minimal ist und ihr Ziel der Steigerung von Rationalität nicht erreicht hat.
Inhaltsverzeichnis
Das Scheitern einer Wissenschaft an ihren eigenen Ansprüchen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieses Diskussionspapiers besteht darin, die provokante These zu untersuchen, dass die Politikwissenschaft ihrem eigenen Anspruch, Politik rationaler zu gestalten, nicht gerecht wird. Dabei wird analysiert, inwieweit das politische System die wissenschaftlichen Inputs selektiert und warum ein Transfer von wissenschaftlichen Ergebnissen in die politische Praxis oft an den Eigenlogiken des politischen Systems scheitert.
- Das Selbstverständnis und die Entwicklung der Politikwissenschaft
- Die Analyse des Defizit-Modells und der „Two-Communities“-These
- Strukturelle Barrieren bei der Übertragung von wissenschaftlichem Output
- Die Rolle der Politikwissenschaft als Legitimationsquelle für politische Entscheidungen
- Die Bedeutung von Symbolpolitik, Testläufen, Inszenierung und Ultimo Ratio in der Politikberatung
Auszug aus dem Buch
Das Scheitern einer Wissenschaft an ihren eigenen Ansprüchen
Die Politikwissenschaft ist eine Wissenschaft, die ähnlich wie ihre Forschungsgegenstände, einem ständigen Wandel unterliegt. Nach einer langen Geschichte der normativ-ontologischen Interpretation jener Wissenschaft, führen in den 60er Jahren US-amerikanische Einflüsse zu einer stärkeren methodischen Ausrichtung der Fachdisziplin. Spätestens ab den 80er Jahren wendet sich dann die Politikwissenschaft, als „Demokratiewissenschaft“, auch der Betrachtung von „Steuerung“ zu. Die Frage nach den Möglichkeiten zur Steuerung der Gesellschaft und ihren weiteren Teilsystemen, wird zu einem zentralen Aspekt jener wissenschaftlichen Disziplin.
Begründet ist dies vor allem in dem geänderten Selbstverständnis der Politikwissenschaft, sowie den sich wandelnden Ansprüchen, welche von außen an die Wissenschaft herantreten. Politikwissenschaftler lassen sich in der Regel durch den Anspruch auf die Gestaltung ihres Forschungsgebietes charakterisieren. Reform-, Gestaltungs- und Steuerungswillen sind somit als grundlegende Charakteristika für die Entscheidung zur Fachdisziplin der Politikwissenschaft, zu verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
Das Scheitern einer Wissenschaft an ihren eigenen Ansprüchen: In diesem einleitenden Kapitel werden das Selbstverständnis der Politikwissenschaft, ihre historische Entwicklung und die daraus resultierenden normativen Ansprüche hinsichtlich der Steuerung und Rationalisierung von Politik dargelegt.
Schlüsselwörter
Politikwissenschaft, Politikberatung, Rationalisierung, Defizit-Modell, Two-Communities-These, Systemtheorie, Legitimation, Politische Organisationen, Wissenschaftstransfer, Symbolpolitik, Inszenierung, Steuerungsanspruch, Fachdisziplin, Politische Steuerung, Soziale Systeme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Reflexion über den Anspruch der Politikwissenschaft, Politik rationaler zu gestalten und aktiv zu steuern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Rolle der Politikberatung, der Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse in das politische System sowie die Legitimationsfunktionen, die dieser wissenschaftliche Output für politische Akteure erfüllt.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die zentrale Frage lautet, warum die Politikwissenschaft ihrem eigenen normativen Anspruch der politischen Rationalisierung nicht gerecht wird.
Welche wissenschaftlichen Modelle werden zur Untersuchung verwendet?
Der Autor greift auf das Defizit-Modell sowie die „Two-Communities“-These zurück, um die Diskrepanz zwischen wissenschaftlichem Wissen und politischer Anwendung zu erklären.
Was wird im Hauptteil des Papiers behandelt?
Der Hauptteil analysiert die selektiven Prozesse innerhalb politischer Organisationen, die Eigendynamik sozialer Systeme und die instrumentelle Nutzung wissenschaftlicher Gutachten durch Politiker.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Systemtheorie, Wissenschaftstransfer, Legitimationsfunktion und Politikberatung definieren.
Warum scheitert der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse laut dem Text?
Der Transfer scheitert nicht primär an mangelnder Qualität der Forschung, sondern an den Eigenlogiken und Selektionsmechanismen des politischen Systems, das oft nach sozialverträglichen statt nach rein logischen Gesichtspunkten entscheidet.
Welche Funktionen erfüllt wissenschaftlicher Output laut dem Autor in der Politik?
Wissenschaftlicher Output dient oft als „Datenbank“ für zukünftige Probleme oder wird gezielt für Funktionen wie Symbolpolitik, Testläufe, Inszenierungen oder als „Ultimo Ratio“ zur Rechtfertigung von Entscheidungen genutzt.
Sollte die Politikwissenschaft laut dem Autor ihr Ziel der Rationalisierung aufgeben?
Der Autor plädiert nicht für ein Aufgeben, sondern für ein Überdenken der Ziele, um die neutrale Beobachtungsposition der Politikwissenschaft nicht durch einen zu starken, manipulativen Praxisbezug zu gefährden.
- Arbeit zitieren
- Jonas Afair (Autor:in), 2016, Das Scheitern einer Wissenschaft. Politikwissenschaft und Politikberatung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/356147