„Die schönste List des Teufels ist es, uns zu überzeugen, daß es ihn nicht gibt.“ Hat der Teufel es tatsächlich geschafft, die Menschheit vom Glauben an ihn abzubringen, um uns so leichter zu verführen? Wer glaubt heute noch an den Teufel und wer glaubt überhaupt noch an Gott? Und wie hat es sich mit dem Teufelsglauben im Mittelalter verhalten?
Untersucht wird im Folgenden zum einen der Teufelsglaube und die damit einhergehende Darstellung des Teufels im Mittelalter anhand des 'Spieghel der leyen' von Gherard Buck van Buederick aus dem Jahre 1444, eine mittelniederdeutsche Handschrift, die als Leitfaden für die einfache Gesellschaft, ein gottgefälliges Leben zu führen, dient. Zum anderen wird ebenfalls der Teufelsglaube untersucht, wie er heutzutage in den zwei vorherrschenden Konfessionen, dem Katholizismus und dem Evangelismus, Deutschlands vorliegt. Beide Untersuchungen sollen schließlich unter der Fragestellung, inwiefern das Teufelsbild von vor 500 Jahren dem von heute ähnelt bzw. sich unterscheidet, miteinander verglichen werden. Hierbei stelle ich die These auf, dass der Glaube an den Teufel mit der abnehmenden Bedeutung von Religion in unserer Gesellschaft allmählich verschwand. Es gilt herauszufinden, inwiefern das Leben im 15. Jahrhundert durch den Glauben an den Teufel beeinflusst worden ist und inwiefern es heute noch so ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Untersuchung
2.1. Der Teufelsglaube im Mittelalter anhand des 'Spieghel der leyen'
2.2. Der Teufelsglaube in der Gegenwart
3. Gegenüberstellung
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel des Teufelsglaubens von der mittelalterlichen Vorstellungswelt, exemplarisch dargestellt im 'Spieghel der leyen' von 1444, hin zur heutigen Wahrnehmung in den christlichen Konfessionen und der säkularen Gesellschaft Deutschlands. Das primäre Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Funktion und Bedeutung der Figur des Teufels über einen Zeitraum von 500 Jahren herauszuarbeiten und die These zu prüfen, ob der Glaube an den Teufel mit der abnehmenden gesellschaftlichen Bedeutung von Religion verschwunden ist.
- Teufelsdarstellung im mittelniederdeutschen 'Spieghel der leyen'
- Gegenüberstellung katholischer und evangelischer Teufelsauffassungen
- Die Rolle des Teufels in der modernen säkularen Gesellschaft
- Phänomenologie des Satanismus im 21. Jahrhundert
- Vergleich zwischen religiösem Teufelsbild und medialer Darstellung
Auszug aus dem Buch
2.1. Der Teufelsglaube im Mittelalter anhand des 'Spieghel der leyen'
Da es sich bei dem 'Spieghel der leyen' um einen geistlichen Text handelt und der Glaube für das Leben im Mittelalter prägend war, dient dieser Text als Grundlage der Untersuchung der Teufelsdarstellung in diesem Zeitalter.
Bereits im ersten Buch wird der Teufel recht früh thematisiert, indem die Geschichte Luzifers erzählt wird. Luzifer („Der Leuchtende“) war ursprünglich ein Engel, der als schön und intelligent in der Bibel dargestellt wird. Doch er habe die erste Sünde des Himmels begangen, als „In ghedachte quam de houerdye“, dass man ihn im Himmel nicht mehr gewollt habe. Deshalb „woert he gheworpen so vunsachte. / Hijr neder to der helle“ und müsse dort ewigen Schmerz erleiden. Man solle also beachten, dass nicht nur die Tat, sondern allein der Gedanke, Schlechtes zu tun, bereits eine Sünde sei. Hieran solle man sich ein Beispiel nehmen. In diesem Kapitel wird also der Engelsturz Lizifers thematisiert und als Exempel genutzt.
Demnach beginnt auch der 'Spieghel der leyen' zunächst mit der Geschichte des Bösen und wie dieses überhaupt entstanden ist. Erst daraufhin werden im dritten Buch die Taten und Motive des Teufels beschrieben. Anzumerken ist, dass der Teufel im 'Spieghel der leyen' weniger Teufel genannt wird als, dass er als Feind (viant) beschrieben wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an der historischen und modernen Teufelsvorstellung und stellt die These auf, dass der Teufelsglaube mit der abnehmenden Relevanz von Religion in der Gesellschaft schwindet.
2. Untersuchung: In diesem Kapitel wird zunächst der 'Spieghel der leyen' als mittelalterliche Quelle analysiert, gefolgt von einer Untersuchung zur gegenwärtigen Rolle des Teufels in den christlichen Konfessionen sowie im Satanismus.
3. Gegenüberstellung: Das Kapitel vergleicht die mittelalterlichen Erkenntnisse mit der heutigen Situation und arbeitet heraus, dass während bei Katholiken Ähnlichkeiten zum Mittelalter bestehen, die evangelische Kirche den Teufelsglauben weitgehend abgelegt hat.
4. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass der Teufel heute in der breiten Bevölkerung vor allem als künstlerische Figur in Unterhaltungsmedien existiert und seine religiöse Bedeutung für die Mehrheit der Menschen verloren hat.
Schlüsselwörter
Teufelsglaube, Mittelalter, Spieghel der leyen, Luzifer, Katholizismus, Evangelismus, Satanismus, Engelfall, Sündenfall, Religiöser Wandel, Säkularisierung, Teufelsbild, Exorzismus, Seelenheil, Konfessionslosigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Wandel der Teufelsvorstellung über fünf Jahrhunderte, ausgehend von einer mittelalterlichen Handschrift bis hin zum Verständnis des Teufels in der modernen deutschen Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Autorin behandelt die historische Darstellung im 'Spieghel der leyen', die dogmatische Sichtweise der katholischen und evangelischen Kirche sowie die Rolle des Teufels in der Populärkultur und im Satanismus.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, inwiefern das Teufelsbild vor 500 Jahren dem heutigen ähnelt oder sich unterscheidet und ob der Glaube an den Teufel mit dem Rückgang religiöser Bedeutung in unserer Gesellschaft verschwindet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Quellenanalyse, die auf theologischer und historischer Fachliteratur sowie auf aktuellen soziologischen Daten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zuerst erfolgt die Analyse der Teufelsrolle als "Feind" im 'Spieghel der leyen', danach der Vergleich mit den heutigen Konfessionen und der medialen sowie säkularen Wahrnehmung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Teufelsglaube, Säkularisierung, der 'Spieghel der leyen', religiöse Dogmatik und der Wandel von der existenziellen Furcht hin zur medialen Instrumentalisierung.
Warum wird gerade der 'Spieghel der leyen' als Quelle genutzt?
Dieser Text wurde gewählt, da er sich als Leitfaden speziell an die einfache Bevölkerung des Mittelalters richtete und somit einen direkten Einblick in den weit verbreiteten, lebensnahen Glauben jener Zeit gewährt.
Inwiefern unterscheiden sich die heutigen Konfessionen in ihrem Teufelsbild?
Während die katholische Kirche den Teufel weiterhin als reales, böses Wesen betrachtet, hat die evangelische Dogmatik seit Schleiermacher weitgehend von dieser Vorstellung Abstand genommen und sieht in ihm eher ein Symbol des Bösen.
Welchen Stellenwert nimmt der Satanismus in der Analyse ein?
Der Satanismus wird als komplexes Randphänomen kurz beleuchtet, wobei betont wird, dass er in seinen experimentellen und religiösen Strömungen oft weniger den Teufel als vielmehr die Selbstvergottung des Menschen ins Zentrum stellt.
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- Luisa Rehmke (Author), 2016, Teufelsglaube im 15. Jahrhundert. "Spieghel der leyen" und der Teufelsglaube der Gegenwart im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/354802