Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema "Bildungsbenachteiligung und interkulturelle Pädagogik". Im ersten Teil der Arbeit wird dabei zunächst der Zusammenhang zwischen „institutioneller Diskriminierung“ und Robert Mertons „Anomietheorie“ erläutert. In diesem Kontext werden die Aufgaben des deutschen Schulsystems aufgegriffen und nachfolgend die Bildungsbenachteiligung aufgrund institutioneller Diskriminierung thematisiert.
Im zweiten Teil der Arbeit soll der Fokus der interkulturellen Pädagogik auf die Bildungsbenachteiligung erarbeitet werden. Dazu wird zunächst der Begriff „interkulturelle Pädagogik“ und dessen geschichtlicher Verlauf angerissen, um im nächsten Schritt den Umgang mit der Bildungsbenachteiligung im Laufe der Zeit vorzustellen.
Abschließend wird anhand der Darstellung zur institutionellen Diskriminierung und der Anomietheorie von Robert Merton eine Hypothese über die Folgen der Bildungsbenachteiligung formuliert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.0 Der Zusammenhang zwischen institutioneller Diskriminierung und Robert Mertons Anomietheorie
2.1.0 Institutionelle Diskriminierung
2.1.1 Begriffserklärung „Institutionelle Diskriminierung“
2.1.2 Institutionelle Diskriminierung - Begriffsgeschichtliche Hintergründe
2.1.3 Ausdifferenzierung des Begriffs der institutionellen Diskriminierung von Joe R. Feagin und Clairece B. Feagin (1986)
2.2.0 Die Anomietheorie von Robert K. Merton
2.2.1 Die Darstellung von Robert Mertons Anomietheorie
2.2.2 Die Vordenker der Anomietheorie
2.2.3 Die Aufgaben des deutschen Schulsystems
2.2.4 Die Benachteiligung aufgrund institutioneller Diskriminierung
2.2.5 Die Darstellung des Zusammenhangs zwischen „institutioneller Diskriminierung“ und Robert Mertons „Anomietheorie“
3.0 Der Fokus der interkulturellen Pädagogik auf die Bildungsbenachteiligung
3.1 Begriffserklärung „Interkulturelle Pädagogik“
3.2 Ein Einblick in die Geschichte der interkulturellen Pädagogik
3.3 Wichtige Stichworte der interkulturellen Pädagogik
3.4 Darstellung der Antidiskriminierungspädagogik
3.5 Der Fokus der interkulturellen Pädagogik auf die Bildungsbenachteiligung
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen Ursachen von Bildungsbenachteiligung bei Kindern mit Migrationshintergrund durch die Verknüpfung von institutioneller Diskriminierung und Robert Mertons Anomietheorie. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Bildungssystem durch selektive Mechanismen zur sozialen Ausgrenzung beitragen kann und welche Rolle die interkulturelle Pädagogik bei der Analyse und Bewältigung dieser Problematik spielt.
- Analyse des Konzepts der institutionellen Diskriminierung.
- Darstellung und Anwendung der Anomietheorie von Robert K. Merton auf das Bildungssystem.
- Untersuchung der Selektions- und Allokationsfunktion deutscher Schulen.
- Historische und theoretische Entwicklung der interkulturellen Pädagogik.
- Zusammenhang zwischen Bildungsbenachteiligung und dem Risiko abweichenden oder kriminellen Verhaltens.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Begriffserklärung „Institutionelle Diskriminierung“
Egal ob im Bewerbungsgespräch, in der Schule oder sogar bei der Wohnungssuche. In vielen Situationen sind Menschen dem Phänomen der ethnischen Diskriminierung im „Alltag auf komplexe und oft subtile Weise“ unterworfen. Beispielsweise fühlen sich fast 70 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund bei der Wohnungssuche diskriminiert. Dies ergab eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2015. Tatsächlich werden diese Bewerber dann auch häufiger abgelehnt. Paul Mecheril verdeutlicht in diesem Zusammenhang „dass Rassismus ein Deutungs- und Handlungsangebot ist, das eben nicht die verrückte oder kranke oder dumme Leistung einiger Einzelner ist, sondern, als gesamtgesellschaftliche Struktur verstanden werden muss“ 3 . Mecherils Schlussfolgerung lenkt „den Blick auf die Einbettung der Ursachen von Diskriminierung in der „normalen“ Alltagskultur“4 und in Institutionen.
Die Überlegungen des Autors lassen sich mit dem aus „den angelsächsischen Ländern stammenden Begriff der ´institutionellen Diskriminierung´ genauer erfassen“5. Historisch betrachtet ist der Begriff „institutionelle Diskriminierung“ auf den Diskurs zum institutionellen Rassismus in den USA und Großbritannien zurückzuführen, „das zu einem allgemeinen Konzept institutioneller Diskriminierung weiterentwickelt wurde“6. Demnach wird „[…] Rassismus oder Sexismus als Ergebnis sozialer Prozesse“7 verstanden. Durch das Wort „institutionell“ werden „die Ursachen von Diskriminierung im organisatorischen Handeln im Netzwerk zentraler gesellschaftlicher Institutionen (z.B. Bildungs- und Ausbildungssektor, Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen und Polizei)“ 8 lokalisiert. In diesem Sinne ergeben sich, nach Mechtild Gomolla, „ein Großteil der Gelegenheiten zur Diskriminierung von Menschen mit einer anderen Nationalität, Sprache, Religion oder Kultur in formalen Rechten und in den „normalen“ organisatorischen Strukturen, Programmen und Routinen in den Basisinstitutionen des gesellschaftlichen Lebens (z.B. im Bildungsbereich, im Beschäftigungssystem und auf dem Wohnungsmarkt)“9.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt anhand einer Filmszene in das Thema der institutionellen Diskriminierung ein und skizziert den theoretischen Aufbau sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2.0 Der Zusammenhang zwischen institutioneller Diskriminierung und Robert Mertons Anomietheorie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Diskriminierungsforschung und führt die Anomietheorie als Erklärungsmodell für gesellschaftliche Spannungen ein.
2.1.0 Institutionelle Diskriminierung: Hier werden Definitionen und der historische Hintergrund des Begriffs dargelegt, insbesondere die Übertragung auf soziale Organisationen.
2.1.1 Begriffserklärung „Institutionelle Diskriminierung“: Dieser Abschnitt erörtert die alltägliche und subtile Natur institutioneller Diskriminierung und ihre Verankerung in gesellschaftlichen Strukturen.
2.1.2 Institutionelle Diskriminierung - Begriffsgeschichtliche Hintergründe: Ein Überblick über die Entstehung des Begriffs im Kontext der Black-Power-Bewegung und dessen Ausweitung auf verschiedene Ungleichheitsformen.
2.1.3 Ausdifferenzierung des Begriffs der institutionellen Diskriminierung von Joe R. Feagin und Clairece B. Feagin (1986): Eine Typologisierung von Diskriminierung anhand der Kriterien Intentionalität und Einbettung in Organisationen.
2.2.0 Die Anomietheorie von Robert K. Merton: Vorstellung der klassischen Theorie, die kriminelles Verhalten als Ergebnis einer Diskrepanz zwischen kulturellen Zielen und verfügbaren Mitteln interpretiert.
2.2.1 Die Darstellung von Robert Mertons Anomietheorie: Detaillierte Analyse des Konzepts, wie soziale Strukturen Druck auf Individuen ausüben und zu nicht-konformem Verhalten führen.
2.2.2 Die Vordenker der Anomietheorie: Aufarbeitung der historischen Einflüsse und Vorläuferkonzepte, die zur Entwicklung der Anomietheorie führten.
2.2.3 Die Aufgaben des deutschen Schulsystems: Untersuchung der Selektions- und Allokationsfunktionen des Bildungssystems in einer Leistungsgesellschaft.
2.2.4 Die Benachteiligung aufgrund institutioneller Diskriminierung: Analyse, wie das deutsche Schulsystem durch Normalitätserwartungen Kinder mit Migrationshintergrund systematisch benachteiligt.
2.2.5 Die Darstellung des Zusammenhangs zwischen „institutioneller Diskriminierung“ und Robert Mertons „Anomietheorie“: Synthese der Konzepte zur Erklärung von Bildungsbenachteiligung als Prozess, der bei betroffenen Schülern langfristig zu Anomie führen kann.
3.0 Der Fokus der interkulturellen Pädagogik auf die Bildungsbenachteiligung: Ein Überblick über das Fachgebiet der interkulturellen Pädagogik und dessen Wandel im Umgang mit Heterogenität.
3.1 Begriffserklärung „Interkulturelle Pädagogik“: Definition der Fachrichtung als wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Erziehung und Bildung in einer komplexen, heterogenen Gesellschaft.
3.2 Ein Einblick in die Geschichte der interkulturellen Pädagogik: Darstellung der historischen Vernachlässigung und späteren Thematisierung von Integrationsthemen in der Erziehungswissenschaft.
3.3 Wichtige Stichworte der interkulturellen Pädagogik: Erläuterung zentraler Konzepte wie Zielgruppenpädagogik und Defizithypothese sowie deren kritische Würdigung.
3.4 Darstellung der Antidiskriminierungspädagogik: Einführung des konstruktivistischen Ansatzes, der Diskriminierung nicht als Eigenschaft von Individuen, sondern als Ergebnis gesellschaftlicher Konstruktionen betrachtet.
3.5 Der Fokus der interkulturellen Pädagogik auf die Bildungsbenachteiligung: Fazit zum Wandel der Perspektiven innerhalb der Pädagogik hin zu einem systemkritischen Blick auf schulische Selektion.
4. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und die Hypothese, dass Bildungsbenachteiligung als Anomiefaktor kriminelles Handeln begünstigen kann.
Schlüsselwörter
Bildungsbenachteiligung, Institutionelle Diskriminierung, Anomietheorie, Robert K. Merton, Interkulturelle Pädagogik, Migration, Schulsystem, Selektion, Allokation, Diskriminierung, Leistungsgesellschaft, Heterogenität, Konstruktivismus, Bildungschancen, Sozialstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund und untersucht, inwieweit das deutsche Schulsystem durch institutionelle Diskriminierung dazu beiträgt.
Welche theoretischen Konzepte bilden das Fundament der Untersuchung?
Das Werk verknüpft das Konzept der institutionellen Diskriminierung mit der Anomietheorie von Robert K. Merton, um die Folgen systemischer Benachteiligung zu analysieren.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Es soll verdeutlicht werden, dass Bildungsbenachteiligung nicht nur individuelles Versagen ist, sondern strukturelle Ursachen hat, die bei den Betroffenen zu Anomie und im Extremfall zu abweichendem Verhalten führen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse und Auseinandersetzung mit erziehungswissenschaftlichen Studien, um den Zusammenhang zwischen Diskriminierung, Bildungsverläufen und gesellschaftlicher Teilhabe herzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der institutionellen Diskriminierung, die Darstellung der Anomietheorie, eine kritische Analyse des deutschen Schulsystems sowie die Betrachtung der Entwicklung interkultureller Pädagogik.
Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis der Arbeit entscheidend?
Zentrale Begriffe sind neben der institutionellen Diskriminierung die Selektionsfunktion von Schulen, die Defizithypothese und der konstruktivistische Ansatz zur Identitätsbildung.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Formen der Diskriminierung?
Unter Rückgriff auf Feagin und Feagin wird zwischen intentionalen Einzelhandlungen (direkte Diskriminierung) und organisatorisch verankerten, subtilen Routinen (indirekte/institutionelle Diskriminierung) differenziert.
Was ist die Schlussfolgerung der Arbeit in Bezug auf die Zukunft der Betroffenen?
Die Arbeit formuliert die Hypothese, dass die anhaltende Bildungsbenachteiligung und der Ausschluss von legitimen Erfolgschancen die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass betroffene Jugendliche auf illegale Chancenstrukturen ausweichen.
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- Anonym (Author), 2016, Bildungsbenachteiligung als Thema der Interkulturellen Pädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/353032