Seit Ende der 1970er Jahre stellten empirische Untersuchungen vermehrt fest, dass Renditen von Indizes nicht zufällig schwanken, was Zweifel an der Effizienzmarkthypothese aufkommen ließ. Die Modellkritik erfolgte und erfolgt bis heute zum einen auf Basis „psychologischer Phänomene, die im Widerspruch zum Homo Oeconomicus stehen und unter dem Begriff Behavioral Finance subsummiert werden“, zum anderen auf Basis nicht verhaltensbedingter Erklärungsansätze.
Seitdem werden diese sogenannten Anomalien, zu denen Kalenderanomalien zählen, immer intensiver und mit einer Regelmäßigkeit auf Existenz und Persistenz in verschiedenen Märkten untersucht. Dabei können sie teilweise wiederholt, jedoch in einigen Fällen auch nicht erneut oder abschwächend nachgewiesen werden. Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des deutschen Aktienmarktes auf kalenderzeitliche Renditemuster. Dazu soll zunächst auf einheitlicher Datenbasis über einen längerfristigen Zeitraum untersucht werden, ob Kalendereffekte auf dem deutschen Aktienmarkt vorzufinden und wie signifikant ausgeprägt sie sind. Darüber hinaus soll die Entwicklung der Anomalien im Zeitablauf analysiert werden, um auf ihre aktuelle Relevanz zu schließen. Vor allem die Fragen nach der Signifikanz und historischen Entwicklung bis zum Jahr 2015 stehen im Zentrum dieser Studie.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
2 Theorie effizienter Kapitalmärkte und ihre Anomalien
2.1 Effizienzmarkthypothese
2.2 Kapitalmarktanomalien
2.3 Erklärungsansätze für Kapitalmarktanomalien
3 Kalenderanomalien und Stand der empirischen Forschung
3.1 Januareffekt
3.2 Wintereffekt
3.3 Montagseffekt
4 Empirische Untersuchung des deutschen Aktienmarkts auf kalenderzeitliche Renditemuster
4.1 Daten und methodisches Vorgehen
4.2 Ergebnisse
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des deutschen Aktienmarktes auf das Vorhandensein und die Persistenz von kalenderzeitlichen Renditemustern über einen langfristigen Zeitraum bis zum Jahr 2015. Es soll analysiert werden, ob diese Anomalien statistisch signifikant ausgeprägt sind und wie sich ihre Relevanz im zeitlichen Verlauf entwickelt hat, um Rückschlüsse auf die Effizienz des deutschen Marktes zu ziehen.
- Analyse der Effizienzmarkthypothese und Abgrenzung von Kapitalmarktanomalien
- Empirische Untersuchung der bedeutendsten Kalenderanomalien (Januar-, Winter- und Montagseffekt)
- Vergleich der Renditemuster verschiedener deutscher Aktienindizes (HDAX, DAX, MDAX, SDAX)
- Bewertung der Persistenz der identifizierten Anomalien über fünf Subperioden
- Diskussion theoretischer Erklärungsansätze und Ausblick auf alternative Markthypothesen
Auszug aus dem Buch
3.1 Januareffekt
Der auch als Turn-of-the-Year-Effekt bekannte Januareffekt postuliert im Januar höhere Renditen als in allen anderen Monaten des Jahres bzw. dem Jahresdurchschnitt. Einige Studien beschränken den Zeitraum der Überrendite dabei auf die ersten neun bis 15 Kalendertage im Januar. Tabelle zwei sind ausgewählte Studien zu entnehmen, die den Effekt nachweisen konnten. Jedoch existieren auch Studien, die den Effekt nicht beobachten konnten.
Zur Erklärung des Phänomens existieren unterschiedliche Hypothesen. Die Tax-Loss-Selling-Hypothese erklärt den Effekt über den Drang der Anleger, ihre Steuerlast durch den Verkauf von verlustbringenden Wertpapieren zum Jahresende mindern zu wollen. So entsteht ein Preisdruck im Dezember. Im Januar wird die freigewordene Liquidität reinvestiert und Nachfrage nach Wertpapieren steigt.
Damit in Verbindung steht die Window-Dressing-Hypothese. Sie vermutet, dass institutionelle Anleger zu Jahresbeginn riskante Titel vor allem kleinerer Unternehmen kaufen. Bei guter Entwicklung werden sie zum Jahresende zur Realisation der Gewinne abgestoßen. Haben sie sich hingegen schlecht entwickelt, werden sie ebenfalls abgestoßen, um eine Aufnahme in die Berichterstattung zu vermeiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Kapitalmarkteffizienz ein, stellt die Problemstellung der Kalenderanomalien dar und definiert die Zielsetzung der empirischen Untersuchung.
2 Theorie effizienter Kapitalmärkte und ihre Anomalien: Hier werden die Grundlagen der Effizienzmarkthypothese erläutert, Kapitalmarktanomalien definiert und sowohl verhaltensbedingte als auch nicht verhaltensbedingte Erklärungsansätze für diese Abweichungen diskutiert.
3 Kalenderanomalien und Stand der empirischen Forschung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu den spezifischen Kalendereffekten, nämlich dem Januareffekt, dem Wintereffekt und dem Montagseffekt.
4 Empirische Untersuchung des deutschen Aktienmarkts auf kalenderzeitliche Renditemuster: Der Hauptteil beschreibt das methodische Vorgehen und die Datengrundlage der eigenen Untersuchung und präsentiert die Ergebnisse der statistischen Analyse für die betrachteten deutschen Indizes.
5 Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen, bewertet die Existenz und Persistenz der untersuchten Anomalien und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsmöglichkeiten, etwa unter Einbeziehung der adaptiven Markthypothese.
Schlüsselwörter
Kalenderanomalien, Effizienzmarkthypothese, Januareffekt, Wintereffekt, Montagseffekt, deutscher Aktienmarkt, Behavioral Finance, Performanceindizes, statistische Signifikanz, Renditemuster, Markteffizienz, Persistenz, Small Caps, HDAX, Risikoaversion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Kalenderanomalien am deutschen Aktienmarkt und untersucht empirisch, ob Renditemuster existieren, die im Widerspruch zur Effizienzmarkthypothese stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Fundierung der Markteffizienz, die wissenschaftliche Diskussion zu verschiedenen Anomalien wie dem Januar- oder Wintereffekt sowie deren statistische Überprüfung auf Basis deutscher Indexdaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu klären, ob signifikante und persistente Kalendereffekte auf dem deutschen Aktienmarkt nachweisbar sind und wie sich diese über den Zeitraum von 1991 bis 2015 entwickelt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Analyse der Tagesschlusskurse verschiedener Indizes. Zur Prüfung der statistischen Signifikanz werden unter anderem t-Tests für abhängige Stichproben und der Jarque-Bera-Test auf Normalverteilung eingesetzt.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Anomalien und deren Erklärungsmodellen sowie einen empirischen Teil, in dem die Daten des HDAX, DAX, MDAX und SDAX mittels MS Excel und R auf kalenderzeitliche Muster geprüft werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Kalenderanomalien, Effizienzmarkthypothese, Behavioral Finance, Signifikanztests und die spezifischen Effekte wie Januar-, Winter- und Montagseffekt.
Welche Ergebnisse liefert die Untersuchung für den Wintereffekt?
Der Wintereffekt konnte für den deutschen Aktienmarkt bestätigt werden, da in allen untersuchten Indizes signifikant höhere Renditen in der Winter- als in der Sommerperiode festgestellt wurden, was auf eine persistente Anomalie hindeutet.
Wie bewertet der Autor die Bedeutung von Unternehmensgröße bei Kalenderanomalien?
Die Untersuchung zeigt, dass bei kleineren Unternehmen (insbesondere im SDAX) häufiger und signifikanter ausgeprägte Kalenderanomalien beobachtet werden können als bei hochkapitalisierten Werten.
Was schlägt der Autor als Ausblick für die Forschung vor?
Es wird empfohlen, Effekte nicht mehr isoliert zu betrachten, andere Anlageklassen wie Anleihen oder Devisen einzubeziehen sowie die Ansätze der adaptiven Markthypothese zur Erklärung der Ineffizienzen stärker zu berücksichtigen.
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- Jasper Michaels (Author), 2016, Kalenderanomalien am deutschen Kapitalmarkt. Eine empirische Untersuchung der bedeutendsten Effekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/352162