Die Europäische Zentralbank (EZB) ergriff im Zuge der Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise diverse geldpolitische Maßnahmen. Hierzu gehörten auch ungewöhnliche geldpolitische Maßnahmen, die Gegenstand der vorliegenden Ausarbeitung sind.
Im Sommer 2007 hatte eine US-Immobilienkrise zu weltweiten Turbulenzen auf Finanz- und Bankenmärkten geführt. Spätestens nach Zusammenbruch der Investment Bank Lehman Brothers im September 2008 und dem fast nahtlosen Übergang der Weltwirtschaftskrise in die Eurokrise 2010 ergriff die EZB im Zuge der Krisenfolgen zunehmend sogenannte „unkonventionelle Maßnahmen“. In der öffentlichen Debatte um die Wirksamkeit der unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen gab es große Kontroversen. Während viele Experten auf internationaler Ebene die Vorgehensweise der EZB als unvermeidlich ansahen, rief die Geldpolitik der EZB auch vielfach Kritik – insbesondere aus Deutschland – hervor. Die vorliegende Arbeit befasst sich deshalb mit den unkonventionellen Maßnahmen im Einzelnen und in der Gesamtheit und zeigt die Erfolge und Risiken der angewandten Geldpolitik auf.
Nach einer allgemeinen Einführung in die Geldpolitik beschreibt die Arbeit die grundsätzliche Struktur der EZB und des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB). Dabei behandelt sie Aufgaben und Ziele, sowie die Instrumente der konventionellen Geldpolitik. Anschließend wird die konventionelle Geldpolitik in der Eurokrise mit einer kurzen Betrachtung ihrer beschränkten Wirksamkeit thematisiert. Schwerpunkt der Arbeit ist ein Überblick über Maßnahmen der unkonventionellen Geldpolitik sowie deren Erfolge und Risiken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einführung zur Geldpolitik: Konventionelle und unkonventionelle Geldpolitik
3 Die Europäische Zentralbank
3.1 Geldpolitische Ziele und Aufgaben des ESZB
3.2 Konventionelle Geldpolitik der EZB und ihre geldpolitischen Instrumente
3.2.1 Offenmarktgeschäfte
3.2.2 Ständige Fazilitäten
3.2.3 Mindestreserven
4 Konventionelle Geldpolitik der EZB in der Eurokrise und das (Nicht-) Funktionieren der Transmissionskanäle
4.1 Der Zinskanal
4.2 Der Bankkreditkanal
4.3 Grenzen Konventioneller Geldpolitik: Ein Zwischenfazit
5 Unkonventionelle Geldpolitik der EZB in der Eurokrise
6 Bewertung der unkonventionellen Geldpolitik der EZB
6.1 Erfolge
6.2 Kritik und Risiken unkonventioneller Maßnahmen
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) vor dem Hintergrund der Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise. Das Ziel besteht darin, die Notwendigkeit dieser Maßnahmen zu analysieren, ihre praktische Umsetzung zu erläutern sowie die damit verbundenen Erfolge und kritischen Risiken gesamtheitlich zu bewerten.
- Struktur und Instrumentarium der konventionellen Geldpolitik der EZB
- Analyse der Störungen der Transmissionskanäle während der Eurokrise
- Überblick über unkonventionelle Maßnahmen wie Refinanzierungsgeschäfte und Anleihekaufprogramme
- Diskussion von Erfolgen bei der Marktstabilisierung sowie Risiken wie Inflation oder Staatsfinanzierung
Auszug aus dem Buch
Unkonventionelle Geldpolitik der EZB in der Eurokrise
Die erste unkonventionelle Maßnahme der EZB war die Verlängerung der Laufzeit eines längerfristigen Refinanzierungsgeschäfts (LRG) von gewöhnlich maximal drei Monate auf sechs Monate im April 2008. LRGs mit Laufzeiten von zwölf, dreizehn und 36 Monaten folgten. Bei den Gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (GLRG1, GLRG2) richtet sich die Höhe der den Banken gewährten Kredite nach deren ausstehendem Kreditvolumen an den nichtfinanziellen privaten Sektor. Die Geschäfte werden in einem vierjährlichen Abstand von September 2014 bis März 2017 durchgeführt und haben dabei eine Laufzeit von bis zu 4 Jahren. Ziel ist es bei den LRGs, Refinanzierungsbedenken der Banken zu beseitigen, Unsicherheiten und Finanzierungskosten am Interbankenmarkt zu reduzieren und so das Kreditangebot der Geschäftsbanken auszuweiten. Im Oktober 2008 beschloss die EZB, alle HRGs von nun an als Mengentender mit Vollzuteilung durchzuführen. Dabei können die Banken zu einem von der EZB festgelegten Hauptfinanzierungszins - gegen das Hinterlegen von Sicherheiten – in beliebiger Höhe Kredite aufnehmen. Mit Hilfe des Mengentenders sollten Liquiditätsengpässe und Kreditklemmen verhindert werden.
Ab Oktober 2008 weitete die EZB das Verzeichnis zugelassener Sicherheiten aus, so z.B. die Aussetzung von Mindestratings für Staatsanleihen. Dadurch sollte denjenigen Banken den Zugang zu Zentralbankgeld über Refinanzierung wieder ermöglicht, denen es an EZB-fähigen Sicherheiten und am Zugang zum Geld- und Kapitalmarkt mangelte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Krisenjahre ab 2007/2008 ein und definiert das Ziel der Arbeit, die unkonventionellen Maßnahmen der EZB sowie deren Erfolge und Risiken zu untersuchen.
2 Einführung zur Geldpolitik: Konventionelle und unkonventionelle Geldpolitik: Das Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Geldpolitik und differenziert zwischen der klassischen Zinspolitik und den Maßnahmen bei Erreichen der Nullzinsgrenze.
3 Die Europäische Zentralbank: Hier werden die Struktur, die Mandate sowie die klassischen geldpolitischen Instrumente der EZB (Offenmarktgeschäfte, ständige Fazilitäten, Mindestreserven) dargelegt.
4 Konventionelle Geldpolitik der EZB in der Eurokrise und das (Nicht-) Funktionieren der Transmissionskanäle: Dieses Kapitel analysiert die Störungen des Zins- und Bankkreditkanals während der Eurokrise, die eine Wirksamkeit konventioneller Maßnahmen verhinderten.
5 Unkonventionelle Geldpolitik der EZB in der Eurokrise: Der Fokus liegt auf der Beschreibung der Kriseninstrumente, insbesondere verschiedener Refinanzierungsprogramme, Aufkaufprogramme (SMP, OMT) und Forward Guidance.
6 Bewertung der unkonventionellen Geldpolitik der EZB: Dieses Kapitel bewertet die Maßnahmen, wobei sowohl die Stabilisierungserfolge an den Finanzmärkten als auch die Risiken der Bilanzausweitung und mögliche Marktverzerrungen abgewogen werden.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die EZB durch ihr schnelles Handeln Schlimmeres verhindern konnte, weist jedoch auf die Grenzen der Geldpolitik bei der Lösung struktureller Probleme hin.
Schlüsselwörter
Europäische Zentralbank, Geldpolitik, Eurokrise, Unkonventionelle Maßnahmen, Finanzkrise, Transmissionsmechanismen, Zinskanal, Bankkreditkanal, Refinanzierungsgeschäfte, Anleihekaufprogramme, Preisstabilität, Quantitative Easing, Forward Guidance, Liquiditätssicherung, Staatsanleihen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Wesentlichen?
Die Arbeit befasst sich mit den geldpolitischen Reaktionen der Europäischen Zentralbank auf die Finanz- und Eurokrise, insbesondere mit dem Übergang von konventionellen zu unkonventionellen Maßnahmen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Struktur der EZB, die Funktionsweise geldpolitischer Transmissionskanäle, die Implementierung unkonventioneller Instrumente und die kritische Würdigung dieser Maßnahmen hinsichtlich ihrer Risiken und Erfolge.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, warum die EZB zu unkonventionellen Mitteln greifen musste, wie diese ausgestaltet sind und welche Konsequenzen (Erfolge vs. Risiken) sich daraus für den Euroraum ergeben haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Auswertung geldpolitischer Instrumente sowie deren Wirkung im Kontext der Krisenjahre.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert dargestellt?
Der Hauptteil behandelt die Störung der klassischen Zinsübertragungswege, die Einführung von Liquiditätsspritzen durch Mengentender sowie verschiedene Aufkaufprogramme wie SMP und OMT.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie EZB, Eurokrise, unkonventionelle Geldpolitik, Transmissionskanäle und Quantitative Easing definieren.
Wie bewertet der Autor die Erfolge der EZB-Maßnahmen?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die EZB durch ihr entschlossenes Handeln wesentlich zur Stabilisierung der Finanzmärkte beigetragen und eine tiefere systemische Bankenkrise sowie eine Deflation verhindert hat.
Welche Bedenken werden hinsichtlich der Risiken der Geldpolitik geäußert?
Es werden insbesondere Risiken wie eine mögliche Bilanzüberfrachtung, die Gefahr von Vermögenspreisblasen und die Verwischung der Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik durch Anleihekäufe kritisch diskutiert.
- Quote paper
- Fabio Botta (Author), 2016, Die unkonventionelle Geldpolitik der Europäischen Zentralbank während und nach der Finanz- und Eurokrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/350889