Viele Fragen und mindestens ebenso viele Lösungsansätze tun sich auf, wenn man herauszufinden versucht, wer die Circumcellionen waren. Die wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema liefert einige, zum Teil stark von der jeweiligen Ideologie des Forschers geprägte Ideen und Interpretationen. Seit etwa 30 Jahren sind meines Wissens keine Beiträge mehr zur Circumcellionenfrage erschienen. Ein Grund sich des Themas wieder anzunehmen und zu überprüfen, inwiefern die Thesen und Deutungen der Wissenschaftler auch nach der Zeit des Kalten Krieges noch sinnvoll erscheinen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine Periodisierung des Circumcellionentums
3. Circumcellionen und Donatismus
3.1. Wer waren die Donatisten?
3.2. Circumcellionen und Donatisten
4. Die religiöse Haltung der Circumcellionen
5. Die Stellung der Circumcellionen in der Gesellschaft
6. Waren die Circumcellionen eine sozialrevolutionäre Bewegung?
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Identität der Circumcellionen im nordafrikanischen 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. und analysiert kritisch die wissenschaftlichen Deutungen zur Frage, ob es sich bei dieser Gruppierung um eine rein religiöse oder eine sozialrevolutionäre Bewegung handelte.
- Die zeitliche Einordnung und Periodisierung des Circumcellionentums
- Die komplexe Beziehung zwischen den Donatisten und den Circumcellionen
- Die religiöse Praxis, insbesondere die Verbindung zum Märtyrertum und zum Suizid
- Die sozioökonomische Einordnung als saisonale Arbeitskräfte in der nordafrikanischen Landwirtschaft
Auszug aus dem Buch
3.2. Circumcellionen und Donatisten
Größtenteils einig sind sich die Historiker darin, dass die Circumcellionen Donatisten waren. Allerdings nehmen sie innerhalb des Donatismus offenbar eine gewisse Sonderrolle ein. Büttner bezeichnet sie als den „linken radikalsten Flügel des Donatismus“, womit sie die Circumcellionen nicht nur in religiöser, sondern auch in politischer Hinsicht einordnet. Auf diese politische Kategorisierung werde ich jedoch erst in Kapitel 6 weiter eingehen. Frend sieht in den Circumcellionen den „extreme wing of community“ und Tengström meint, bei den Circumcellionen handle es sich um eine „spezielle Art Donatisten“, die eine „besondere Gruppe innerhalb der donatistischen Bewegung“ bildeten. Martin ordnet die Circumcellionen als „religiös mit dem Donatismus verbunden“ ein und behauptet, sie seien „dessen [mit Gewalt gegen katholische Kleriker vorgehende] Kampftruppe“.
MacMullen bezeichnet sie als die „shock troops of Donatism“. Overbeck spricht von den Circumcellionen als „eine[r] Gruppierung innerhalb der afrikanischen Sonderkirche der Donatisten“, die im Donatismus als das soziale Element gelten könne. Hier gelangt er zu einer gewissen Übereinstimmung mit Frend, der der Ansicht ist: „The circumcellions indicate the union of social and religious discontent in the Donatist movement.“ Dieser von den meisten Historikern so stark betonte Zusammenhang zwischen den Donatisten und den Circumcellionen, wurde allerdings von den Donatisten anscheinend nicht immer gern betont. So heißt es zwar häufig, die donatistischen Bischöfe und Kleriker hätten die Aktionen der Circumcellionen unterstützt und angeführt, doch trifft dies bei genauerer Betrachtung nicht in jedem Fall zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläuterung der Relevanz des Themas und der Notwendigkeit einer erneuten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Circumcellionenfrage.
2. Eine Periodisierung des Circumcellionentums: Darstellung der sieben Phasen des Circumcellionentums basierend auf der Einteilung von Hans-Joachim Diesner.
3. Circumcellionen und Donatismus: Analyse des donatistischen Schismas und der spezifischen, oft radikalen Rolle der Circumcellionen innerhalb dieser Bewegung.
4. Die religiöse Haltung der Circumcellionen: Untersuchung der Verehrung von Märtyrern sowie der rituellen Aspekte, einschließlich des Märtyrertums und möglicher Suizidpraktiken.
5. Die Stellung der Circumcellionen in der Gesellschaft: Diskussion der sozialen Herkunft, insbesondere als saisonale Olivenarbeiter, und ihrer rechtlichen Rolle in der Spätantike.
6. Waren die Circumcellionen eine sozialrevolutionäre Bewegung?: Kritische Auseinandersetzung mit der ideologisch geprägten Forschungsdebatte über den Charakter der Circumcellionen als Sozialrevolutionäre.
7. Schluss: Resümee über die Komplexität des Themas und das Eingeständnis, dass historische Forschung stets nur eine Annäherung an Sachverhalte ermöglicht.
Schlüsselwörter
Circumcellionen, Donatismus, Spätantike, Nordafrika, Märtyrertum, Soziale Bewegung, Religionsgeschichte, Diesner, Augustin, Numidien, Olivenernte, Klassenkampf, Christentum, Kirchenspaltung, Sozialrevolution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Identität und der Rolle der Circumcellionen, einer radikalen Gruppierung im Umfeld des donatistischen Christentums im spätantiken Nordafrika.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die religiöse Praxis, die sozioökonomische Einordnung als Arbeitskräfte, die Beziehung zum Donatismus und die wissenschaftliche Debatte um ihren Charakter als sozialrevolutionäre Bewegung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Thesen verschiedener Historiker zu vergleichen und zu überprüfen, ob die Aktionen der Circumcellionen primär religiös oder sozialrevolutionär motiviert waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Untersuchung, die sich auf die Auswertung und kritische Interpretation der vorhandenen Fachliteratur und der wenigen antiken Quellen stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Periodisierung, die Analyse der religiösen Haltung, die Untersuchung der sozialen Stellung in der Gesellschaft und die Diskussion über die Einordnung als soziale Revolutionsbewegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Circumcellionen, Donatismus, Spätantike, Märtyrertum, soziale Bewegung und die spezifische wirtschaftliche Situation im römischen Nordafrika.
Welche Rolle spielten die Circumcellionen für die Donatisten?
Die Circumcellionen fungierten oft als radikaler Flügel oder "Kampftruppe", wobei das Verhältnis zwischen den donatistischen Bischöfen und den Circumcellionen gespalten war und je nach politischer Lage variierte.
Wie bewertet die Autorin die sozialrevolutionäre These?
Die Autorin folgt eher der Interpretation, dass es sich primär um eine religiös motivierte Bewegung handelte und nicht jede Form von Widerstand gegen Besitztümer automatisch als Sozialrevolution im modernen Sinne verstanden werden muss.
- Arbeit zitieren
- Constanze Mey (Autor:in), 2004, Die Circumcellionen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/34814