Thema dieser Ausarbeitung sind die (räumlichen) kreativen Lebens- und Arbeitsbereiche in Alison Bechdels ‚Tragicomic’ „Fun Home“. Der Fokus wird besonders auf der Darstellung der Schreibtische und der Bibliothek liegen: Wer und was ist dort zu sehen, wie sind diese Bereiche dargestellt; unterscheiden sie sich signifikant von anderen Darstellungen im Comic oder gibt es womöglich auffällige Parallelen zwischen diesen oder anderen Panels?
Zweiter Schwerpunkt der Ausarbeitung wird die dargestellte Lektüre der Figuren sein: Wer liest was, wie und wo. Da besonders literarische Bezüge in „Fun Home“ elementar sind und prosaische und dramatische Werke bei den bedeutungstragenden Paratexten wesentlicher sind als lyrische, beschränkt sich die Betrachtung auf explizit literarische Werke eben solcher Art. Die Rezeption von journalistischen Inhalten wie etwa des „Time Magazine“ oder der „GQ“ wird wegen fehlender Literarizität ebenso wenig Teil der Untersuchung sein wie die von Arthur Mizener verfasste Fitzgerald-Biografie „The Far Side Of Paradise“ oder Wallace Stevens’ Gedichtsammlung „Harmonium“, die als Sachbuch bzw. Lyrik nicht in die zu untersuchende Kategorie fallen. Damit soll jedoch natürlich nicht unterstellt werden, dass bspw. der Watergateskandal um Nixon, der auch mittels verschiedener Titelblätter in die Handlung eingebracht wird, weniger bedeutungstragend wäre, als einer der zu untersuchenden Texte.
Obwohl es sich bei „Fun Home“ um eine nicht fiktionalisierte, autobiografische Erzählung handelt, werden Erzählinstanz, Autorin und Hauptfigur nicht als Einheit verstanden. Innerhalb der Ausarbeitung werden die extradiegetisch verstandene Erzählinstanz als ‚Erzählinstanz’, die Autorin als (Alison) ‚Bechdel’ und die Hauptfigur lediglich als ‚Alison’ bezeichnet werden. Außerdem wird auf „Fun Home“ überwiegend als eine ‚Erzählung’ referiert werden, da der Terminus sowohl die visuelle wie auch die textuelle Darstellung einschließt und keine Unterscheidung anderer Begrifflichkeiten - wie etwa ‚Comic’ im Gegensatz zu ‚Graphic Novel’ - erforderlich macht.
Inhaltsverzeichnis
1. - Einleitung
2. - Untersuchung der kreativen Lebens- und Arbeitsbereiche
2.1. - Schreibtische
2.1.1. - Alisons Schreibtische
2.1.2 - Der Schreibtisch der Mutter
2.1.3. - Der Schreibtisch des Vaters
2.2. - Bibliothek
3. - Untersuchung der Lektüre
3.1. - Was wird gelesen?
3.1.1. - Oscar Wilde
3.1.2. - James Joyce
3.1.3. - F. Scott Fitzgerald
3.2. - Wo und wie wird gelesen?
4. - Vergleich und Interpretationsansatz
4.1. - Schrieben und Schrift
4.2. - Wertung der Arbeitsbereiche
4.3. - Bibliothek
4.4. - Einsatz von Literatur
5. - Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die räumlichen, kreativen Lebens- und Arbeitsbereiche in Alison Bechdels Graphic Novel "Fun Home" sowie die Bedeutung der dargestellten Lektüre für die Figuren. Ziel ist es, durch eine Analyse der Schreibtische und der Bibliothek sowie der literarischen Verweise ein tieferes Verständnis für die Darstellung von Identität, Fiktion und Realität im Werk zu gewinnen.
- Analyse der visuellen Darstellung von Arbeitsumgebungen (Schreibtische und Bibliothek)
- Untersuchung der Bedeutung literarischer Werke und deren Einfluss auf die Vater-Tochter-Beziehung
- Vergleich der unterschiedlichen Schreib- und Leseformen der Protagonisten
- Interpretation der symbolischen Funktion von Paratexten im autobiografischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.1.1. - Alisons Schreibtische
Seite 58 - Alison schreibt hier den Brief an ihre Eltern, in dem sie offenbart, lesbisch zu sein. Auf dem Schreibtisch befinden sich ein Tintenfass, eine glühende Zigarette im Aschenbecher, ein nur angedeuteter Beutel, der Tabak oder auch Marihuana enthalten könnte (der Beutel wird auf Seite 76 noch einmal gezeigt), ein Stifttopf, die Schreibmaschine der Marke Smith-Corona, sowie der Regalüberbau mit einigen Büchern; explizit dargestellt sind Plato, ein Band zur Filmtheorie und eine Ausgabe von The Second Sex, einem philosophischen Werk zu feministischen Themen von Simone de Beauvoir.
Perspektivisch handelt es sich um eine leichte Obersicht aus dem Blickwinkel eines hinter Alison stehenden implizierten Betrachters, der liest, was sie auf der Maschine tippt. Es entsteht ein Widerspruch zwischen dem voyeuristischen und etwas klandestin wirkenden Über-die-Schulter-Blick und der im Panel zentral platzierten Information, was sie tippt, etwa so, als wolle Alison das Geheimnis herausschreien.
Seite 77 - Hier ist derselbe Augenblick zu sehen, jedoch aus einer anderen Perspektive, die deutlich macht, dass Alison auf dem Tisch ihrer Collegezeit sowohl handschriftlich mit Papier und Füller, wie auch mit der Schreibmaschine arbeitet. Ein interpretatorisch relevanter Aspekt wird hier zum ersten Mal klar: Alison schreibt den Brief an ihre Eltern per Hand, bevor sie ihn abtippt und sucht in einem Thesaurus nach geeigneten Formulierungen. Die Darstellung ist wieder eine leichte Aufsicht aus der Perspektive eines stehenden Betrachters, dieses mal jedoch aus einem anderen Blickwinkel, der den Titel des Buches erkennbar macht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. - Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der kreativen Arbeitsbereiche und der literarischen Bezüge in "Fun Home" ein und definiert die methodische Herangehensweise.
2. - Untersuchung der kreativen Lebens- und Arbeitsbereiche: Hier werden die Arbeitsumgebungen der Familienmitglieder analysiert, wobei besonders der Kontrast zwischen den Schreibtischen und die Bedeutung der Bibliothek hervorgehoben werden.
3. - Untersuchung der Lektüre: Dieser Abschnitt beleuchtet die literarischen Referenzen und untersucht, welche Werke von den Figuren gelesen werden und wie sich dies auf ihre Beziehung auswirkt.
4. - Vergleich und Interpretationsansatz: Die Ergebnisse aus den vorangegangenen Kapiteln werden zusammengeführt, um die symbolische Bedeutung von Schrift und Literatur im Werk zu interpretieren.
5. - Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Bedeutung der Arbeitsumgebungen und die Funktion der intertextuellen Verweise in "Fun Home" zusammen.
Schlüsselwörter
Fun Home, Alison Bechdel, Graphic Novel, Arbeitsbereiche, Schreibtisch, Bibliothek, Literatur, Intertextualität, Identität, Autobiografie, Fiktion, Realität, Schreibmaschine, Paratexte, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kreativen Lebens- und Arbeitswelten in der Graphic Novel "Fun Home" von Alison Bechdel mit einem Fokus auf die Rolle von Literatur und Schreibumgebungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Darstellung von Arbeitsplätzen, die Bedeutung intertextueller Bezüge zur Literatur sowie die Verbindung zwischen Fiktion und der autobiografischen Realität der Charaktere.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, eine vergleichende Analyse der Arbeitsbereiche der Figuren zu erstellen und aufzuzeigen, wie diese Räume und die dort konsumierte Literatur Identität und Familienbeziehungen spiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und medienwissenschaftliche Analyse, die primär text- und bildanalytische Ansätze nutzt, um Panels in ihrer symbolischen und erzählerischen Funktion zu interpretieren.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Betrachtung der Schreibtische der Familienmitglieder, die Analyse der väterlichen Bibliothek sowie die Untersuchung spezifischer literarischer Referenzen wie Oscar Wilde oder James Joyce.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Graphic Novel, Intertextualität, Autobiografie, visuelle Symbolik und räumliche Gestaltung charakterisieren.
Warum wird zwischen handgeschriebenen Texten und Schreibmaschinen-Texten unterschieden?
Die Arbeit interpretiert die Wahl des Mediums als Ausdruck von Distanz und emotionaler Offenheit; handgeschriebene Texte wirken intimer, während abgetippte Texte eine offizielle, distanzierte Form annehmen.
Welche Bedeutung kommt der väterlichen Bibliothek zu?
Die Bibliothek wird als intellektuelles Zentrum und gleichzeitig als Rückzugsort interpretiert, der sowohl die Fassade des Vaters als auch dessen geheime emotionale Welt und Doppelmoral repräsentiert.
- Quote paper
- Steffen Kutzner (Author), 2016, Die (räumlichen) kreativen Lebens- und Arbeitsbereiche in Alison Bechdels „Fun Home“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/347168