Die folgende Hausarbeit soll einen Überblick über die methodentheoretischen Grundlagen der Beobachtung und ihrer Variante der teilnehmenden Beobachtung geben. Sie soll zunächst Grundlagen der qualitativen Forschung in der Erziehungswissenschaft erläutern und die Beobachtung als ein Verfahren thematisieren, das trotz seiner langen Vernachlässigung im Hinblick auf das quantitative Forschungsparadigma ein nach wie vor hohes entdeckendes, dokumentarisches und theoretisches Potential besitzt.Folgende Hausarbeit soll an diesem Aspekt anknüpfen und die Methode der Beobachtung neben der beispielsweise beliebten Interviewmethode als nützlich und anerkannt erscheinen lassen. Der letzte Teil der Arbeit beschäftigt sich dann mit der Methode der teilnehmenden Beobachtung als Teil des qualitativen Forschungsparadigmas.
Folgende Fragen sollen beantwortet werden:
Wie fügt sich die Beobachtung in das qualitative Forschungsparadigma und wie lässt sich die Qualität der Methode beurteilen?
- In wie weit kann Ethnographie als Methode des qualitativen, erziehungswissenschaftlichen Forschungsparadigmas gesehen werden?
- Welche Eigenschaften und Restriktionen sind der Methode der qualitativen Beobachtung zuzuordnen?
- Welche methodologischen Eigenschaften und Grenzen ergeben sich aus der Methode der teilnehmenden Beobachtung?
- Wie können Daten im Kontext der teilnehmenden Beobachtungsmethode erhoben und ausgewertet werden?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Qualitative Forschung in der Erziehungswissenschaft
2.1 Begriff, Merkmale & Themenfelder qualitativer Forschung
2.2 Differenzierung qualitativer Erhebungs-und Auswertungsmethoden
3. Ethnographie als erziehungswissenschaftliche Forschungsmethodologie
4. Die qualitative Beobachtung
4.1 Alltagsbeobachtung & Wissenschaftliche Beobachtung
4.2 Formen der Beobachtung
4.3 Die teilnehmende Beobachtung
5. Methodologische Eigenschaften der teilnehmenden Beobachtung
5.1. Rolle des Beobachters
5.2 Das Beobachtungsfeld
5.3 Restriktionen der Beobachtung
6. Datengewinnung teilnehmender Beobachtung
6.1 Forschungsablauf
6.2 Phasen im Feld
6.3 Feldzugang
6.4 Erhebungen im Forschungsfeld: Die Protokolle
7. Schlussüberlegungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verfahren der teilnehmenden Beobachtung als methodischen Ansatz innerhalb der qualitativen erziehungswissenschaftlichen Forschung. Dabei wird analysiert, wie diese Methode trotz ihrer Abgrenzung von quantitativen Paradigmen zu einer systematischen und wissenschaftlich anerkannten Vorgehensweise entwickelt werden kann, um soziale Wirklichkeit und pädagogische Prozesse ganzheitlich und kontextbezogen zu erfassen.
- Methodentheoretische Grundlagen der qualitativen Forschung
- Die Rolle der Ethnographie in der Erziehungswissenschaft
- Systematik und Formen der wissenschaftlichen Beobachtung
- Methodologische Herausforderungen wie Feldzugang und Protokollierung
Auszug aus dem Buch
Die teilnehmende Beobachtung
Der Fachbegriff „teilnehmende Beobachtung“ geht auf Lindemann (1936) zurück, einem Soziologen der Chicagoer Schule, deren Vertreter schon vor einigen Jahrzehnten sehr intensiv an der Erforschung städtischer Randkulturen gearbeitet haben (vgl. Girtler 2001, S. 60). Wegbereiter der Erforschung von Kindheit, Jugend als auch Erziehung mittels qualitativ teilnehmender Beobachtung waren Ethnologen als auch Kulturanthropologen aus dem englischsprachigen Raum, die sich mit Erziehungs-, Sozialisations-, und Enkulturationsprozessen in tribalen und indigenen Kulturen befassten (vgl. Beuchling 2015, S.9 & Lamnek 2005, S. 547). Bronislaw Malinowski, als Begründer der ethnologischen Feldforschung beschäftigte sich neben einer Reihe von Klassikern der Ethnologie noch vor dem zweiten Weltkrieg mit Kindheit, Jugend und Erziehung auf der Grundlage teilnehmend beobachtender Feldforschung. Beispiele hierfür wären, The Sexual Life of Savages in North-Western Melanesia (1929) oder Coming of Age in Samoa von Mead (1928) (ebd.). Im weiteren Verlauf wurden teilnehmende Beobachtungen und Methoden der Feldforschung unter dem Label „Educational Anthropology“ auch auf schulisches wie außerschulisches Lernen und Lehren in modernen Gesellschaften übertragen. Es entwickelte sich ein interdisziplinäres Forschungsfeld zwischen Erziehungswissenschaft und Ethnologie (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen methodentheoretischen Überblick über die Beobachtung und begründet deren Potenzial in der erziehungswissenschaftlichen Forschung trotz bestehender Vorbehalte.
2. Qualitative Forschung in der Erziehungswissenschaft: Dieses Kapitel verortet qualitative Methoden im wissenschaftlichen Diskurs und erläutert die Abkehr von positivistischen, standardisierten Paradigmen zugunsten einer interpretativen Forschung.
3. Ethnographie als erziehungswissenschaftliche Forschungsmethodologie: Hier wird der wachsende Stellenwert ethnographischer Studien in der Erziehungswissenschaft analysiert und die Problematik einer pädagogischen Feldforschung diskutiert.
4. Die qualitative Beobachtung: Es wird die Definition von wissenschaftlicher Beobachtung als systematischer Datenerhebungstechnik dargelegt und von alltäglichen Beobachtungspraktiken abgegrenzt.
5. Methodologische Eigenschaften der teilnehmenden Beobachtung: Das Kapitel behandelt die zentrale Rolle des Forschers, die Definition des Beobachtungsfeldes sowie räumliche und zeitliche Restriktionen des Verfahrens.
6. Datengewinnung teilnehmender Beobachtung: Dieser Teil beschreibt den Forschungsablauf, die Phasen im Feld, Strategien des Feldzugangs und die methodischen Anforderungen an die Protokollierung von Beobachtungen.
7. Schlussüberlegungen: Das Fazit fasst den Nutzen der teilnehmenden Beobachtung für die Erforschung komplexer, heterogener Lebenswelten zusammen und plädiert für ihren verstärkten Einsatz.
Schlüsselwörter
Qualitative Forschung, Teilnehmende Beobachtung, Erziehungswissenschaft, Ethnographie, Feldforschung, Datenerhebung, Feldzugang, Beobachtungsprotokolle, Methodologie, Sozialforschung, Interpretative Forschung, Interaktionsmuster, Wissenschaftliche Beobachtung, Lebenswelt, Sinnkonzepte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich dem teilnehmenden Beobachtungsverfahren als einer grundlegenden Methode innerhalb der qualitativen Sozial- und Erziehungswissenschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die erkenntnistheoretischen Grundlagen qualitativer Forschung, die Rolle der Ethnographie in pädagogischen Kontexten sowie die praktische Durchführung und Protokollierung von Beobachtungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Methode der teilnehmenden Beobachtung als wissenschaftlich fundiertes Instrument zu etablieren und aufzuzeigen, wie sie zur Rekonstruktion sozialer Realitäten beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die verschiedene methodentheoretische Ansätze und Fachliteratur zur qualitativen Feldforschung synthetisiert und vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die methodologischen Eigenschaften, Rollenmodelle des Beobachters, Probleme des Feldzugangs und Techniken zur systematischen Datenaufzeichnung im Forschungsfeld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Qualitative Forschung, Teilnehmende Beobachtung, Ethnographie, Feldforschung und methodologische Systematik.
Wie unterscheidet sich die wissenschaftliche Beobachtung von der Alltagsbeobachtung?
Die wissenschaftliche Beobachtung erfolgt systematisch, regelgeleitet und zielt auf die Erhebung intersubjektiv nachvollziehbarer Daten ab, während Alltagsbeobachtungen selektiv und subjektiv durch persönliche Einstellungen geprägt sind.
Welches Dilemma beschreibt der Autor im Kontext der teilnehmenden Beobachtung?
Der Autor diskutiert das Spannungsfeld zwischen der notwendigen Integration in das Forschungsfeld (Teilnahme) und der erforderlichen wissenschaftlichen Distanz, um eine Verzerrung der Daten zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Anna Donderer (Autor:in), 2016, Das teilnehmende Beobachtungsverfahren als Methodologie der qualitativen Sozialforschung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/345058