In dieser Arbeit soll die Rekrutierung der Ministernovizen des dritten Kabinett Merkels einer empirischen Analyse unterzogen werden. Um zu untersuchen, welche Faktoren im Prozess der Ministerauswahl entscheidend sind, werden die Lebensläufe der Minister hinsichtlich bestehender Unterschiede und Gemeinsamkeiten analysiert. Dabei soll herausgearbeitet werden, inwieweit sich Parallelen oder Muster in den persönlichen Werdegängen und Karrierewegen der Minister erkennen lassen und welche Rolle sozio-strukturelle Merkmale, vorausgegangene Tätigkeiten sowie fachliche Qualifikationen bei der Besetzung eines Ministerpostens spielen.
Die deutsche Ministerforschung befindet sich noch in den Anfängen, folglich beschränkt sich die Mehrheit der bisherigen Untersuchungen über Minister auf eine beschreibende Darstellung bestimmter Merkmale. Jüngere Veröffentlichungen zur Ministerforschung liefern allerdings einen Beitrag zur Erklärung wie die jeweiligen ministrablen Personen in ein Ministeramt gelangt sind. Dazu zählt Ali (2003), welcher die Karrierepfade und Rekrutierungsmuster der Regierungsmitglieder von 1949 – 2002 untersucht. Eine umfassende Analyse der Rekrutierungswege ministerieller Karrieren findet sich auch bei Vogel (2009). Dieser untersucht in seinem Werk Der Weg ins Kabinett – Karrieren von Ministern in Deutschland die Rekrutierung von Ministern als Ergebnis ihrer vorherigen politischen Karriere. .
Minister und zählen neben dem Bundeskanzler, zu den bedeutendsten politischen Akteuren in der Bundesrepublik Deutschland. Als Mitglieder der Exekutive stehen sie an der Spitze des politischen Systems und haben Einfluss auf Entscheidungen die von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung sind. Folglich stellt sich die Frage, wer die Personen, in diesen führenden politischen Positionen, sind und auf welchem Weg sie in das Ministeramt gelangt sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Ansätze zur empirischen Rekrutierungsforschung
2.1 Der „persönlichkeitstheoretische“ Ansatz
2.2 Der „stratifikationstheoretische“ Ansatz
2.3 Der „karriereorientierte“ Ansatz
3. Methodisches Vorgehen
4. Auswertung und Darstellung
4.1 Sozial-strukturelle Merkmale
4.2 Vorpolitische Karriere
4.3 Politische Karriere
4.4 Fachspezifische Qualifikationen
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rekrutierung der Ministernovizen des dritten Kabinetts Merkels, um die entscheidenden Faktoren für deren Auswahl zu identifizieren. Dabei wird analysiert, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Lebensläufen bestehen und ob sozio-strukturelle Merkmale, vorausgegangene Tätigkeiten oder fachliche Qualifikationen den Aufstieg in ein Ministeramt beeinflussen.
- Empirische Analyse der Karrierepfade und Rekrutierungsmuster von Ministern.
- Anwendung des karrieretheoretischen Ansatzes als Analyserahmen.
- Vergleich sozio-struktureller Merkmale und bildungsbiographischer Hintergründe.
- Untersuchung der Bedeutung von parteipolitischem Engagement und parlamentarischer Erfahrung.
- Evaluation des Einflusses von fachspezifischen Qualifikationen auf die Ressortbesetzung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der persönlichkeitstheoretische Ansatz
Der auf Lasswell (1960) zurückgehende persönlichkeitstheoretische Ansatz betont bei der Erklärung der Elitenrekrutierung die „selektive Funktion psychologischer Faktoren“ (Herzog 1975: 30). Die zentrale Annahme ist hierbei, dass die Auswahl politischen Spitzenpersonals entscheidend von der „Persönlichkeitsstruktur des einzelnen mit seinen Bedürfnissen, Motivationen oder Orientierungssystemen“ (Herzog 1975: 30) bestimmt wird. Die Besonderheit in der Ausübung eines politischen Amtes liegt, nach Lasswell (1981), im Gegensatz zur der Ausübung eines privaten Berufes, in der Dimension von „Macht“. Diese gilt als typischer Bestandteil im Handlungsbereich der politischen Sphäre. In seinem Werk Psychopathologie and Politics beschreibt Lasswell den Persönlichkeitstyp eines Politikers als „power centered personality“, welcher durch das Streben nach, sowie der Ausübung von Macht gekennzeichnet ist. Folglich bildet sich die Elite aus Personen, mit machtzentrierten Persönlichkeiten, da es für diese einen inhärenten Wert darstellt Führungspositionen zu ergreifen und immer weiter aufzusteigen. Zu ähnlicher Feststellung gelangt auch DiRenzo. Dieser geht davon aus, dass der Beruf des Politikers, aufgrund der mit der politischen Rolle verknüpften Macht, besonders Personen anspricht, welche einen machtorientierten Charakter aufweisen (vgl. DiRenzo 1967:6f.). Obwohl der persönlichkeitstheoretische Ansatz in der Elitenforschung eine weitreichende Tradition besitzt, weist er einige Schwächen in seiner theoretischen Grundüberlegung auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Ministerforschung ein und definiert das Ziel, die Rekrutierung der Ministernovizen des dritten Kabinetts Merkels empirisch zu untersuchen.
2. Theoretische Ansätze zur empirischen Rekrutierungsforschung: Hier werden drei zentrale Theorien der Elitenrekrutierung (persönlichkeitstheoretisch, stratifikationstheoretisch, karrieretheoretisch) vorgestellt, wobei der karrieretheoretische Ansatz als Orientierungsrahmen für die Analyse dient.
3. Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel erläutert die qualitative Analysemethode und die Datengrundlage der Untersuchung, welche auf den Lebensläufen von neun neu ernannten Ministern basiert.
4. Auswertung und Darstellung: Dieser Teil analysiert die sozial-strukturellen Merkmale, die vorpolitischen Laufbahnen, die politischen Karrierewege sowie die fachspezifischen Qualifikationen der untersuchten Minister.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die empirischen Befunde zusammen und erläutert, welche Faktoren maßgeblich zur Erklärung der Ministerrekrutierung beitragen, unter Berücksichtigung von Opportunitätsstrukturen.
Schlüsselwörter
Ministerforschung, Rekrutierung, politische Elite, Karriereverlauf, Sozialisation, Berufspolitiker, Kabinett Merkel, politische Qualifikation, Elitenauswahl, Opportunitätsstruktur, Parteipolitik, Fachkompetenz, Lebenslaufanalyse, politische Karriere, Spitzenpersonal.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rekrutierung von Ministern, die zu Beginn der dritten Amtszeit von Kanzlerin Merkel erstmals in das Bundeskabinett berufen wurden, und untersucht deren persönliche und berufliche Werdegänge.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die soziale Herkunft, die Ausbildung, die berufliche Vorlaufzeit, die parteipolitische Karriere sowie die Bedeutung von Fachkompetenz bei der Besetzung von Regierungsämtern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu erklären, welche Faktoren bei der Auswahl dieser spezifischen Ministergruppe entscheidend waren und ob sich einheitliche Muster in deren Lebensläufen oder Karrierewegen finden lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine qualitative Analyse der Lebensläufe von neun neu ernannten Ministern durchgeführt, wobei biographische Daten sowie offizielle Angaben als Datengrundlage dienen.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse sozial-struktureller Merkmale, die Untersuchung vorpolitischer Karrieren, den Vergleich politischer Laufbahnen sowie die Bewertung fachspezifischer Qualifikationen der betroffenen Minister.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ministerrekrutierung, politische Karriere, Karriereverläufe, Elitenrekrutierung und politisches Spitzenpersonal charakterisiert.
Spielt die soziale Herkunft eine entscheidende Rolle für den Aufstieg ins Ministeramt?
Nein, die Untersuchung zeigt, dass das soziale Milieu der Herkunftsfamilien für die Erklärung der Besetzung von Ministerposten im untersuchten Fall keine Rolle spielt, da auch ein Aufstieg aus niedrigeren oder mittleren Schichten möglich war.
Warum wird Manuela Schwesig im Kontext der Karriereverläufe besonders hervorgehoben?
Sie wird als Beispiel für eine "Blitzkarriere" angeführt, da sie mit 39 Jahren bei ihrer Rekrutierung nicht nur sehr jung war, sondern auch eine außergewöhnlich kurze vorangegangene politische Laufbahn als Berufspolitikerin aufwies.
- Quote paper
- Sandra Martin (Author), 2015, Auf dem Weg nach ganz oben. Eine vergleichende Untersuchung der Lebensläufe deutscher Ministernovizen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/344513