Das prospektive Gedächtnis, das sozusagen ein Gedächtnis für die Zukunft ist, speichert all unsere Handlungsabsichten oder Ziele, die wir in Zukunft ausführen oder erreichen wollen. Nur mit Hilfe des prospektiven Gedächtnisses schaffen wir es Termine einzuhalten oder selbst gesetzte Ziele auf lange Sicht zu verfolgen. Einige Leistungseinbußen im prospektiven Gedächtnis zeigen sich in stressigen Situationen, aber auch im Alter lässt sich eine Leistungsabnahme im prospektiven Gedächtnis finden. So zeigt sich beispielsweise eine Leistungsabnahme bei älteren Menschen in laborbasierten prospektiven Gedächtnisaufgaben, jedoch verschwinden diese vollkommen, wenn die prospektive Gedächtnisaufgabe in einer natürlichen Umgebung durchgeführt wird.
In folgender Arbeit werde ich den Fokus auf Altersdefizite im prospektiven Gedächtnis legen und die Leistungsfähigkeit des prospektiven Gedächtnisses von älteren Menschen mit der von jüngeren Menschen vergleichen. Ebenfalls werden potentielle Erklärungsansätze, wie zum Beispiel das Multiprocess Framework Modell von Einstein und McDaniel vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. zeitbasierte vs. ereignisbasierte Aufgaben
3. laborbasierte vs. naturalistische Aufgaben
4. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Leistungsfähigkeit des prospektiven Gedächtnisses im Alter, insbesondere unter Berücksichtigung von Altersdefiziten, und analysiert, inwiefern sich die Ergebnisse zwischen kontrollierten Laborbedingungen und natürlichen Alltagsumgebungen unterscheiden.
- Definition und Komponenten des prospektiven Gedächtnisses
- Differenzierung zwischen zeitbasierten und ereignisbasierten Aufgaben
- Analyse von Alterseffekten in experimentellen Studien
- Das sogenannte "Altersparadox" in naturalistischen Umgebungen
- Erklärungsansätze durch das Multiprocess Framework Modell
Auszug aus dem Buch
Einleitung
Sich an das Treffen mit der Freundin um 19 Uhr zu erinnern, die Medikamente abends um 20 Uhr pünktlich einzunehmen oder die Hausarbeit fristgerecht abzugeben - all diese Tätigkeiten haben eine Gemeinsamkeit, sie alle beruhen auf dem prospektiven Gedächtnis. Das prospektive Gedächtnis kommt immer dann zum Einsatz, wenn wir Handlungen planen, die in der Zukunft liegen und zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgeführt werden müssen. Einerseits muss somit die auszuführende Tätigkeit und andererseits der Zeitpunkt, an dem die Tätigkeit auszuführen ist, abgespeichert und abgerufen werden (Einstein, & McDaniel, 1996). Das prospektive Gedächtnis spielt somit eine große Rolle im Alltag, sowohl im Privatleben, als auch im Berufsleben.
Wie bereits erwähnt, basiert die Ausführung prospektiver Gedächtnisaufgaben, einerseits darauf, sich an die Handlung, also deren Inhalt, zu erinnern und andererseits darauf sich an den Zeitpunkt für die Ausführung der Handlung zu erinnern. Das prospektive Erinnern setzt sich somit aus zwei Komponenten zusammen, welche als prospektive und retrospektive Komponente bezeichnet werden. Die prospektive Komponente ist somit das Erinnern daran, dass etwas getan werden muss und die retrospektive Komponente hingegen das Erinnern, was getan werden muss. Die beiden Komponenten sind demnach, in gewissem Maße, voneinander abhängig.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Grundlagen des prospektiven Gedächtnisses ein und erläutert dessen Bedeutung für die Planung zukünftiger Handlungen sowie die zugrunde liegenden Komponenten.
zeitbasierte vs. ereignisbasierte Aufgaben: Der Abschnitt differenziert zwischen zeitabhängigen und ereignisabhängigen Gedächtnisleistungen und diskutiert, inwiefern bei diesen Aufgabentypen spezifische Altersdefizite auftreten.
laborbasierte vs. naturalistische Aufgaben: Hier wird der Vergleich zwischen kontrollierten Laborexperimenten und Studien in natürlichen Umgebungen gezogen, um die Leistungsfähigkeit älterer Menschen in verschiedenen Kontexten zu beleuchten.
Diskussion: Dieses Kapitel interpretiert die widersprüchlichen Studienergebnisse und stellt das Multiprocess Framework Modell als theoretischen Erklärungsansatz für das beobachtete Altersparadox vor.
Schlüsselwörter
Prospektives Gedächtnis, Altersdefizite, Zeitbasierte Aufgaben, Ereignisbasierte Aufgaben, Laborstudien, Naturalistische Studien, Altersparadox, Multiprocess Framework Modell, Monitoring, Gedächtnisleistung, Retrospektive Komponente, Kognitive Ressourcen, Strategie, Gedächtnisfehler, Aufmerksamkeitsressourcen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Leistungsfähigkeit des prospektiven Gedächtnisses, also dem "Gedächtnis für die Zukunft", bei Menschen im Erwachsenenalter und beleuchtet mögliche Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Probanden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von Aufgabentypen, dem Einfluss des Alters auf die Gedächtnisleistung und dem Vergleich zwischen laborbasierten sowie alltäglichen, naturalistischen Testumgebungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das sogenannte "Altersparadox" zu verstehen, bei dem ältere Menschen in Labortests oft schlechter abschneiden, während sie in natürlichen Alltagssituationen vergleichbare oder gar bessere Leistungen als jüngere Menschen erbringen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse und Synthese aktueller psychologischer Fachliteratur und verschiedener empirischer Experimente, um die Befundlage zu diesem Thema kritisch zu bewerten.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen des prospektiven Gedächtnisses, vergleicht zeit- und ereignisbasierte Aufgaben und kontrastiert wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Labor mit Beobachtungen in natürlichen Umgebungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem das prospektive Gedächtnis, das Altersparadox, laborbasierte versus naturalistische Aufgaben sowie das Multiprocess Framework Modell von Einstein und McDaniel.
Was versteht man unter dem Multiprocess Framework Modell in diesem Kontext?
Es ist ein theoretischer Erklärungsansatz, der besagt, dass Altersdefizite nicht allein durch die Aufgabenart bestimmt werden, sondern davon abhängen, ob die Aufgabe automatisch oder unter hohem Aufmerksamkeitsaufwand kontrolliert ausgeführt wird.
Warum schneiden ältere Probanden in manchen Studien schlechter ab als in anderen?
Laut der Arbeit liegt dies oft an der hohen Beanspruchung der Aufmerksamkeit durch die sogenannte "ongoing-task" in Laborexperimenten, die ältere Menschen stärker belastet als jüngere.
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- Katrin Simon (Author), 2015, Das prospektive Gedächtnis im Erwachsenenalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/344481