Durch die von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft geschaffene Globalisierung im 21. Jahrhundert stellt sich die Frage nach einer Revolution von Public Relations. PR ist nicht mehr auf ein Land beschränkt, sondern überschreitet nationale und auch kulturelle Grenzen. Aufgrund des Mangels an Kenntnissen der vielfältigen Einflussfaktoren im internationalen Bereich ist global ausgerichtete PR jedoch kaum umsetzbar. Damit gibt es ein zunehmendes Interesse an der Untersuchung der PR im Rahmen interkultureller Kontexte innerhalb der vergangenen Jahrzehnte. In der Literatur wird bereits ein starker Zusammenhang zwischen Kultur und PR angenommen: „Culture could be a key determinant of the public relations activity of organizations" (Grunig & Grunig, 1989; vgl. Sriramesh & White, 1992, S. 600). Deswegen beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage nach der Beziehung zwischen Kultur und PR sowie damit, wie Kulturdimensionen bezüglich internationaler Kontexte die globale PR-Praxis beeinflussen.
Im Folgenden wird Public Relations anhand ihrer Charakteristiken (Kapitel 2.1) und der Exzellenz-PR (Kapitel 2.2) dargestellt, um eine Übersicht über die Reichweite von PR zu bekommen. Danach wird die Vielfältigkeit von Kulturen in Verbindung mit deren Definitionen (Kapitel 3.1) und Konzepten sowie Dimensionen nach Hofstede (Kapitel 3.2) erarbeitet. Als Nächstes stehen die Bedeutung der Kulturdimensionen für die Public Relations (Kapitel 4.1) und ein Überblick über internationale PR-Forschung mit weiteren Perspektiven dazu (Kapitel 4.2) im Mittelpunkt. Schließlich werde Kritikpunkte zum Thema bzw. Konzepte von Kultur und Public Relations zusammengefasst (Kapitel 5), um zu einem Ausblick (Kapitel 6) auf die PR-Praxis im zukünftigen interkulturellen Kontext zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Public Relations
2.1 Charakteristiken der PR
2.2 Exzellente PR und mit ihr verwandte PR-Forschung
3 Die Vielfältigkeit von Kulturen
3.1 Definitionen des ‚Kultur‘-Begriffs
3.2 Konzepte und Dimensionen von Kultur
3.2.1 Konzepte von Kulturen
3.2.2 Kulturdimensionen nach Hofstede
4 Zusammenhang zwischen Public Relations und Kultur
4.1 Bedeutung von Kulturdimensionen für Public Relations
4.2 Internationale/interkulturelle PR-Forschung und weitere Perspektiven
5 Kritische Reflexion
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Wechselbeziehung zwischen kulturellen Prägungen und der Praxis von Public Relations (PR) im internationalen Kontext. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Kulturdimensionen die globale PR-Praxis beeinflussen und inwieweit etablierte PR-Modelle in unterschiedlichen kulturellen Räumen Bestand haben oder angepasst werden müssen.
- Grundlegende Charakteristiken und Strategien der Public Relations
- Wissenschaftliche Ansätze zur Definition und Messung von Kultur
- Analyse der Kulturdimensionen nach Geert Hofstede
- Zusammenhang zwischen Nationalkultur und PR-Verständnis
- Kritische Diskussion interkultureller PR-Forschung
Auszug aus dem Buch
3.2.2 KULTURDIMENSIONEN NACH HOFSTEDE
Basierend auf den Unterschieden zwischen Kulturen können Dimensionen der Kuturvariation angenommen werden (vgl. Gudykunst, Ting-Toomey, Chua, 1988, S. 43). 1980 entwickelte der niederländische Managementforscher Geert Hofstede anhand empirischer Untersuchungen den Ansatz von Kulturdimensionen, die heute meist als ‚Hofstedes Dimensionen‘ bezeichnet werden. Laut Ergebnis der Befragungen von über 116.000 Mitarbeitern der IBM und ihrer Tochterunternehmen in insgesamt 64 Ländern (vgl. Hofstede, 1980, S. 11) zeigten sich eindeutige Kulturunterschiede, die vier Dimensionen zugeordnet wurden: Machtdistanz, Individualismus/Kollektivismus, Maskulinität/Femininität und Ungewissheitsvermeidung. Einige Jahre später wurde die langfristige/kurzfristige Orientierung als die fünfte Dimension ergänzt.
Zunächst wies Hofstede einen Zusammenhang zwischen Machtdistanz und der Bildung von Hierarchieebenen in Unternehmen nach. Asiatische und lateinamerikanische Länder verfügen über die großte Machtdistanz, während europäische die geringste haben. Zweitens wurden die beiden Dimensionen Individualismus und Kollektivismus untersucht und erläutert. Das wichtige Kriterium hier ist das „Selbstverständnis der Menschen einer Kultur“. In kollektivistischen Kulturen beispielsweise wird „die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer als eine moralische angesehen. Sie ähnelt einer familiären Beziehung mit beiderseitiger Verpflichtung, d. h. Schutz bzw. Loyalität“ (Hofstede, 1991, S. 81), während in individualistischen Kulturen diese Beziehung als „geschäftlicher Vorgang“ wahrgenommen wird (Hofstede, 1993, S. 81). Die USA waren das stärkste individualistisch geprägte Land nach Hofstedes Stichprobe, gefolgt von Australien und Großbritannien. Länder mit dem geringsten Individualismus sind Venezuela, Kolumbien und Pakistan (vgl. Hofstede, 1980, S. 221).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Relevanz interkultureller PR in einer globalisierten Welt und formuliert die zentrale Fragestellung zur Beziehung zwischen Kultur und PR-Praxis.
2 Public Relations: Dieses Kapitel definiert PR als Managementfunktion, erläutert deren Charakteristiken sowie Modelle wie die Exzellenz-PR und die Rollen von PR-Praktikern.
3 Die Vielfältigkeit von Kulturen: Es werden verschiedene wissenschaftliche Definitionen und Konzepte von Kultur erarbeitet, mit einem spezifischen Fokus auf Hofstedes Kulturdimensionen.
4 Zusammenhang zwischen Public Relations und Kultur: Hier wird die Brücke geschlagen, wie kulturelle Rahmenbedingungen – insbesondere auf nationaler Ebene – die PR-Praxis und die Kommunikation von Organisationen maßgeblich beeinflussen.
5 Kritische Reflexion: Das Kapitel hinterfragt die universelle Anwendbarkeit von Hofstedes Dimensionen und diskutiert alternative, postkoloniale und interpretative Ansätze.
6 Fazit und Ausblick: Abschließend wird die Notwendigkeit interkultureller Kompetenz als Schlüsselqualifikation für zukünftige PR-Praktiker hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Public Relations, Kulturdimensionen, Geert Hofstede, Interkulturelle Kommunikation, Globalisierung, Exzellenz-PR, Organisationskommunikation, Nationalkultur, PR-Modelle, Individualismus, Kollektivismus, Machtdistanz, PR-Praxis, Internationaler Kontext
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich kulturelle Unterschiede zwischen Gesellschaften auf die professionelle Public Relations-Praxis von Organisationen auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Charakteristiken der PR als Managementfunktion, der theoretischen Konzeptualisierung von Kultur und der Übertragung dieser Theorien auf internationale PR-Prozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, wie Kulturdimensionen die globale PR-Praxis beeinflussen und welche Bedeutung interkulturelle Erkenntnisse für die Arbeit in einem internationalen Kontext haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert, um aktuelle wissenschaftliche Debatten und Forschungsansätze zum Thema Kultur und PR zusammenzuführen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu PR und Kultur sowie die anschließende Synthese beider Felder, inklusive einer kritischen Auseinandersetzung mit gängigen Forschungsmodellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Public Relations, Hofstedes Kulturdimensionen, Interkulturelle Kommunikation, Organisationskommunikation und Exzellenz-PR.
Welche Rolle spielt die Nationalkultur in der Argumentation des Autors?
Die Nationalkultur wird als entscheidender Einflussfaktor dargestellt, der sowohl die Wahrnehmung der Zielgruppen als auch die Weltanschauung der handelnden Organisationen und Praktiker prägt.
Wie bewertet die Arbeit die Übertragbarkeit amerikanischer PR-Konzepte auf andere Länder?
Die Arbeit reflektiert kritisch, dass amerikanische Konzepte oft als globaler Standard gesehen wurden, betont aber die Notwendigkeit, diese in anderen kulturellen Kontexten anzupassen, um unethische oder ineffektive Kommunikation zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Diep Pham (Autor:in), 2016, Kultur und Public Relations im internationalen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/342986