Die vorliegende Arbeit soll den Versuch einer Unterrichtseinheit darstellen, welche sich der bisherigen Behandlung von sprachlichen Abweichungen zu entziehen versuchen und eine neue Betrachtungsweise in den Vordergrund rücken soll. Neben den vorherrschenden Begriffen von richtig beziehungsweise falsch in Bezug auf sprachliche Abweichungen soll es darum gehen, SchülerInnen im Unterricht eine Art Alternativmodell nahe zu bringen – das Konzept von Angemessenheit oder Unangemessenheit von sprachlichen Abweichungen.
Hierzu soll zunächst theoretisch näher auf den Begriff der Angemessenheit eingegangen werden, welchen Schiewe in seinem Aufsatz aufgreift. Anschließend sollen auf theoretischer Ebene Ausführungen zum Sprachspiel getätigt werden, bevor letztlich im theoretischen Teil der Arbeit auf den Begriff der Sprachspielkompetenz nach Schneider eingegangen werden soll.
Im zweiten Teil der Arbeit soll die modellierte Unterrichtseinheit samt ihrer Ziele und in ihr vermittelter Kompetenzen veranschaulicht werden, bevor eine Unterrichtsstunde genauer vorgestellt werden soll. In dieser Unterrichtsstunde sollen die Stilübungen von Queneau eine vordergründige Rolle bei der Beschäftigung mit sprachlichen Abweichungen in literarischen Texten spielen, ebenso werden mögliche Aufgabenstellungen präsentiert. Zusammenfassend werden die Ergebnisse der Arbeit abschließend in einem Fazit letztlich noch einmal resümiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie
2.1 Angemessenheit als Kriterium bei Betrachtung sprachlicher Abweichungen
2.2 Kursorische Bemerkungen zum Sprachspiel
2.3 Sprachspielkompetenz nach SCHNEIDER
3 Vorstellung der Unterrichtseinheit
3.1 Inhalte, Ziele und Kompetenzen
3.2. Durchführung der Unterrichtseinheit
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein didaktisches Alternativmodell für den Deutschunterricht zu entwerfen, das über die rein binäre Bewertung von "richtig" oder "falsch" bei sprachlichen Abweichungen hinausgeht. Im Fokus steht die Vermittlung des Konzepts der "Angemessenheit", um Schülerinnen und Schüler zu einer reflektierten Sprachspielkompetenz zu befähigen.
- Das Konzept der Angemessenheit in sprachlichen Kontexten
- Theoretische Grundlagen des Sprachspiels
- Förderung der Sprachspielkompetenz nach Schneider
- Praktische Modellierung einer Unterrichtseinheit zur Textproduktion
- Integrative Verbindung von Sprach- und Literaturunterricht
Auszug aus dem Buch
2.2 Kursorische Bemerkungen zum Sprachspiel
Befasst man sich mit dem Begriff des Sprachspiels, so wird sehr schnell deutlich, welche Vielzahl an Möglichkeiten der Auslegung und Verwendung des Begriffes sich im Laufe der Begriffsgeschichte angesammelt zu haben scheint.
Zunächst erscheint der Begriff im Zusammenhang mit dem Philosophen LUDWIG WITTGENSTEIN, welcher in seinen Philosophischen Untersuchungen von 1953 erstmals diesen Begriff prägte. WITTGENSTEIN wies in seinen Untersuchungen darauf hin, dass Sprache keinesfalls in allen Situationen, bei allen Gegebenheiten usw. in stets derselben Art und Weise benutzt würde, sondern dass es, je nach Anlass der sprachlichen Handlung, zu verschiedenen Formen sprachlicher Aktionen käme – immer gemäß der jeweiligen Umstände. Es wird also auch hier erneut auf das Konzept von Angemessenheit bzw. Unangemessenheit von Sprache rekurriert, keinesfalls aber findet eine besondere Berücksichtigung des Aspektes der Richtigkeit bzw. Unkorrektheit sprachlicher Handlungen statt.
Eine weitere Verwendung des Begriffes des Sprachspiels findet sich in der alltäglichen Umgangssprache, sofern sprachliche Wendungen abgewandelt oder gar umgewandelt werden und so teilweise in komischer Art und Weise ihren Sinn ändern oder teilweise verlieren. Die dritte Verwendung, welche im Rahmen dieser Arbeit und der damit verbundenen Gestaltung einer Unterrichtseinheit Berücksichtigung finden soll, findet sich in literarischen Texten. Hierbei wird im wahrsten Wortsinne mit Sprache gespielt, wodurch sie teilweise ihren kommunikativen Sinn verlieren kann. Es geht in diesem Falle weniger darum,Sprache als Mittel zur Kommunikation einzusetzen, viel mehr steht ihr Selbstzweck bzw. die Betrachtung von Sprache als Kunstobjekt und Kunstwerk im Mittelpunkt. Beispiele hierfür sind Werke der Konkreten Poesie oder auch des Dadaismus, welche der Sprache ihren Sinn rauben und sie in einen rein ästhetischen Rahmen einbetten, ohne die Frage nach einem kommunikativen Sinne zu stellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Zielsetzung, vom starren Richtig-Falsch-Schema zu einem Angemessenheitsmodell in der Sprachbetrachtung überzugehen.
2 Theorie: Dieses Kapitel liefert die wissenschaftliche Fundierung durch die Begriffe Angemessenheit, Sprachspiel und Sprachspielkompetenz.
2.1 Angemessenheit als Kriterium bei Betrachtung sprachlicher Abweichungen: Hier wird der historische und fachliche Kontext der Angemessenheit diskutiert, gestützt auf Modelle wie das Stildreieck nach Kienpointner.
2.2 Kursorische Bemerkungen zum Sprachspiel: Das Kapitel beleuchtet verschiedene Bedeutungsebenen des Sprachspiels, von Wittgenstein bis hin zum literarischen Spiel als ästhetischer Selbstzweck.
2.3 Sprachspielkompetenz nach SCHNEIDER: Schneider verknüpft das Sprachspiel mit situativer Angemessenheit und definiert die Kompetenz, sprachliche Ausdrücke in konkreten Kommunikationspraktiken situativ passend einzusetzen.
3 Vorstellung der Unterrichtseinheit: Hier erfolgt die didaktische Übertragung der Theorie in ein schulpraktisches Modell für die Sekundarstufe II.
3.1 Inhalte, Ziele und Kompetenzen: Dieses Kapitel beschreibt die Vernetzung von Sprach- und Literaturunterricht sowie die Förderung eines reflektierten Sprachbewusstseins.
3.2. Durchführung der Unterrichtseinheit: Die konkrete 5-stündige Unterrichtsreihe wird skizziert, wobei der Fokus auf lebensweltlichen Beispielen und Stilübungen nach Queneau liegt.
4 Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung des Konzepts für den Deutschunterricht und fordert eine curricular verankerte Abkehr vom rein korrektheitsorientierten Sprachmodell.
Schlüsselwörter
Sprachliche Abweichungen, Angemessenheit, Sprachspiel, Sprachspielkompetenz, Deutschunterricht, Sprachbewusstsein, Didaktik, Stilübungen, Raymond Queneau, Kommunikation, Sprachgebrauch, Sprachsystem, Sekundarstufe II, Adäquatheit, Sprachreflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung von sprachlichen Abweichungen im Deutschunterricht und schlägt ein alternatives Modell zur reinen Korrektheitsbewertung vor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Konzept der Angemessenheit, die Theorie des Sprachspiels und die praktische Umsetzung in Form einer Unterrichtseinheit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Begriff der Sprachspielkompetenz nach Schneider didaktisch nutzbar zu machen, um Lernende für situativ angemessenen Sprachgebrauch zu sensibilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Fundierung, die linguistische Ansätze (u.a. Kienpointner, Wittgenstein, Schneider) mit einer modellierten Unterrichtseinheit verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Konzepte und eine detaillierte Ausarbeitung einer fünfstündigen Unterrichtsreihe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sprachspielkompetenz, Angemessenheit, Sprachdidaktik und die stilistischen Übungen von Raymond Queneau.
Warum wird der Fokus auf das Konzept der Angemessenheit gelegt?
Das Konzept ermöglicht einen produktiveren Umgang mit sprachlicher Vielfalt und Abweichungen, da es den Kontext und die Situation stärker gewichtet als starre grammatische Normen.
Welche Rolle spielen die Stilübungen von Raymond Queneau?
Sie dienen als konkrete praktische Grundlage, um Schülern durch spielerische Transformationen von Texten ein tieferes Verständnis für sprachliche Variationsmöglichkeiten zu vermitteln.
- Quote paper
- Florian Leiffheidt (Author), 2016, Sprachliche Abweichungen in literarischen Texten und deren Angemessenheit als Bestandteil des Deutschunterrichts. Modellierung einer Unterrichtseinheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/342057