Im Folgenden sollen meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen hinsichtlich der individuellen Lernförderung geschildert werden. Neben dem großen Praxisanteil, den diese Arbeit umfasst, sind auch zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse miteinbezogen worden.
In dem Seminar „Individuelle Lernförderung“ wird uns Studierenden die Möglichkeit geboten über einen Zeitraum von 3 Monaten einzelne Schülerinnen und Schüler zu fördern. Entsprechend dem Motto: „Von den Stärken ausgehen!“ stehen hierbei die vorhandenen Fähigkeiten und die Lebenswelt der Kinder im Mittelpunkt. Mit Hilfe eines individuell erstellten Förderungsplans und entsprechend ausgewählten Lehr- und Lernformen sollen die Kinder die Möglichkeit erhalten, ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Ebenso sollen auf diese Weise vorhandene Lernstörungen aufgelöst werden. Das wesentliche Ziel besteht jedoch darin, die Freude am Lernen zu entdecken oder wieder zu finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Person- und Förderungsdaten
2. Anlass und Rahmenbedingungen der Förderung
2.1 Zuordnung bzw. finden des Förderschülers
2.2 Forschendes Lernen im Studium
2.2.1 Kontext der Lehrveranstaltung
2.2.2 Persönliche Erfahrungen mit Förderung
3. Wissenschaftlicher Hintergrund zum Förderanlass und spezifische Fragestellungen und Ziele zu Beginn der Förderung
3.1 Stand der Theoriebildung zur Rechenstörung und zum AD(H)S
3.2 Fragestellungen für die diagnostische Erhebung
4. Informationen und Erhebungen zum Lern- und Entwicklungsstand: Förderungsbezogene Diagnostik
4.1 Vorgeschichte der Förderschülerin
4.2 Lernbezogene Schwierigkeiten und Kompetenzen
4.2.1 Problembezogene Lernstände
4.2.2 Problembezogene individuelle Ressourcen und Risikofaktoren des (außer)schulischen Umfeldes
5. Integration der förderdiagnostischen Befunde und Einschätzung des Förderbedarfs
5.1 Problemstruktur und Förderdiagnose
5.2 Abschätzung des Förderbedarfs und Begründung für die Auswahl der Förderbereiche
6. Förderungsplanung
7. Verlauf und Ergebnisse der Förderung
8. Zusammenfassende Einschätzung des Fördererfolgs
9. Vorschläge zur Weiterführung bzw. Modifikation der Förderung
10. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit dokumentiert eine individuelle Lernförderung im Fach Mathematik, die im Rahmen eines universitären Seminars durchgeführt wurde. Ziel ist es, unter Anwendung theoretischer Erkenntnisse aus Pädagogik und Psychologie die Lernausgangslage einer Schülerin der 4. Klasse zu analysieren, gezielte Fördermaßnahmen im Bereich "Zahlen und Operationen" zu planen, umzusetzen und den Lernzuwachs sowie die Entwicklung der Schülerin kritisch zu reflektieren.
- Individuelle Lernförderung bei Rechenschwierigkeiten
- Einsatz förderdiagnostischer Instrumente (u.a. DEMAT 3+)
- Förderung im Bereich "Zahlen und Operationen" und Konzentrationstraining
- Reflexion über die Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher Theorie und schulpraktischer Umsetzung
- Bedeutung von Motivation und Schülerpersönlichkeit für den Lernerfolg
Auszug aus dem Buch
3.1 Stand der Theoriebildung zur Rechenstörung und zum AD(H)S
Immer wieder gibt es Kinder, die beim Erlernen der Mathematik besondere Schwierigkeiten haben. Stundenlanges Lernen und ewiges Wiederholen bringen nicht den gewünschten Erfolg. Der Grund dafür ist, dass die Kinder die arithmetischen Vorgänge nicht nachvollziehen können. Trotz aller Bemühungen schaffen sie es deshalb nicht dem Mathematikunterricht zu folgen (vgl. Fritz/Ricken 2008, S. 9). Hierbei handelt es sich um das Phänomen der Rechenstörung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert in ihrer internationalen Klassifikation psychischer Störungen unter Punkt F81.2 diese Lernstörung als „umschriebene Beeinträchtigung von Rechenfähigkeiten, die nicht allein durch eine angemessene Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, […]“ (Schipper 2003, S. 27).
„Bis heute konnte sich die Wissenschaft [allerdings] auf keine einheitliche Definition dieses Phänomens einigen“ (Ganser 2007, S. 6). Dies hat zur Folge, dass die Rechenstörung mit einer Fülle von unterschiedlichsten Bezeichnungen umschrieben wird: Dyskalkulie, Arithmasthenie, Rechensschwäche […] (vgl. ebd.). Allerdings sind eben diese Termini problematisch. Häufig dienen sie dazu die Betroffenen zu etikettieren und als „neurologisch oder anderweitig organisch“ zu diagnostizieren (Ganser 2007, S. 6). Diese Sichtweise greift jedoch nach heutigen Erkenntnissen zu kurz. Jedem Pädagogen muss klar sein, dass es sich bei einer Rechenstörung weder um eine Einschätzung der Gesamtpersönlichkeit noch um eine Krankheit handelt (vgl. Schulz 2002, S. 15). Kein Schüler sollte durch einen Begriff stigmatisiert werden! Für Lehrer und Eltern betroffener Kinder sollte nicht die Frage im Mittelpunkt stehen, ob ein Kind rechenschwach ist oder nicht. Wichtiger ist, danach zu fragen, welche Lernschwierigkeiten das Kind im Mathematikunterricht hat und wie ihm geholfen werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Person- und Förderungsdaten: Vorstellung der Förderlehrkraft sowie der Schülerin Lena und deren familiärem und schulischem Hintergrund.
2. Anlass und Rahmenbedingungen der Förderung: Erläuterung des Zustandekommens der Förderung im Rahmen eines Seminars und der Einbettung in das forschende Lernen während des Studiums.
3. Wissenschaftlicher Hintergrund zum Förderanlass und spezifische Fragestellungen und Ziele zu Beginn der Förderung: Theoretische Auseinandersetzung mit Rechenstörungen und ADS sowie Definition der Diagnoseziele für die Schülerin.
4. Informationen und Erhebungen zum Lern- und Entwicklungsstand: Förderungsbezogene Diagnostik: Analyse der Vorgeschichte und des Leistungsstandes der Schülerin durch Beobachtungen und standardisierte Tests.
5. Integration der förderdiagnostischen Befunde und Einschätzung des Förderbedarfs: Synthese der Ergebnisse und Begründung des Fokus auf den Kompetenzbereich "Zahlen und Operationen".
6. Förderungsplanung: Darlegung der Ziele sowie der eingesetzten Methoden und Materialien zur individuellen Förderung.
7. Verlauf und Ergebnisse der Förderung: Dokumentation des Förderverlaufs, der Beziehungsgestaltung und der erzielten Fortschritte der Schülerin.
8. Zusammenfassende Einschätzung des Fördererfolgs: Reflexion über die erreichten Lernziele und die Grenzen des zeitlich begrenzten Förderrahmens.
9. Vorschläge zur Weiterführung bzw. Modifikation der Förderung: Empfehlungen für eine effizientere Gestaltung künftiger Fördermaßnahmen.
10. Fazit: Persönliche Abschlussreflexion der Autorin über die Erkenntnisse aus der Theorie-Praxis-Verzahnung.
Schlüsselwörter
Individuelle Lernförderung, Rechenstörung, Dyskalkulie, AD(H)S, Grundschule, Mathematikdidaktik, Förderdiagnostik, DEMAT 3+, Lernberatung, Schülerpersönlichkeit, Selbstbewusstsein, Lernprozess, pädagogische Praxis, Förderplanung, Kompetenzentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Durchführung und Reflexion einer einsemestrigen, individuellen Lernförderung einer Grundschülerin im Fach Mathematik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen diagnostische Verfahren bei Rechenschwierigkeiten, die Umsetzung von Förderplänen, der Umgang mit Konzentrationsproblemen (ADS-Verdacht) und die reflektierte Praxisanwendung während des Studiums.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Verbesserung der mathematischen Grundkenntnisse der Schülerin im Bereich "Zahlen und Operationen" sowie die Stärkung ihres Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Fallanalyse vorgenommen, die auf Hospitationen, der Durchführung eines standardisierten Mathematiktests (DEMAT 3+) und fortlaufender pädagogischer Beobachtung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Diagnostik, die zielgerichtete Förderplanung unter Einsatz verschiedener Lehrmaterialien sowie die detaillierte Auswertung des Förderverlaufs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind individuelle Lernförderung, Rechenstörung, Förderdiagnostik, Selbstwirksamkeit und der Transfer von Theorie in die Schulpraxis.
Wie bewertet die Autorin den Einsatz standardisierter Tests wie den DEMAT 3+?
Sie bewertet den Test kritisch, da er bei der Schülerin aufgrund von Zeitdruck und Motivationsabfall zu Verunsicherung führte und das tatsächliche Leistungsvermögen möglicherweise nur begrenzt abbildet.
Warum hält die Autorin den Abschluss der Förderung für problematisch?
Die Autorin empfand den Abschied als schwierig, da die Schülerin trotz erzielter Fortschritte noch immer deutliche Lernschwierigkeiten aufwies und das abrupte Ende der Förderung als emotional belastend wahrgenommen wurde.
- Quote paper
- Anja Giffey (Author), 2009, Individuelle Lernförderung. Eine Fallanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/341183