Die Arbeit stellt die sprachhistorische Entwicklung bis hin zum Konflikt zwischen dem Kastilischen und Katalanischen im katalanisch-sprachigen Raum dar, mit Blick auf den sprachlichen Sezessionismus in Valencia.
Kulturelle Vielfalt ist allgegenwärtig. Besonders heutzutage kristallisieren sich einzelne Kulturen stark heraus und finden somit verstärkt Gehör, auch in Bezug auf die Sprache, die natürlich ein Teil jeder Kultur ist. So wird „[…] die Sprache als Bande kultureller Zusammengehörigkeit angesehen, dann erweisen sich regionale Sprachvarianten als Indiz regionaler Teilkulturen und umgekehrt.“ Genau das ist in Spanien der Fall. Ein Land, doch verschiedene Sprachen, trotz einer Amtssprache im gesamten Staatsgebiet. Das allbekannte Spanisch fungiert dort eher als Oberbegriff, als soziokulturelle Norm, denn Spanien ist kein homogenes Lang in Bezug auf die Sprache. Die jeweiligen regionalen Sprachen werden auch als ´lenguas co-oficiales´ bezeichnet und sind in ihrer Region ebenfalls als Amtssprache anerkannt, nur eben lokal begrenzt. Somit ist auch klar, dass in dem sprachlich heterogenen Staat keine Einigkeit herrscht, denn noch immer möchten die einzelnen autonomen Regionen eine höhere Anerkennung ihrer Sprache als eigenständige Sprache, statt nur das Ansehen als eine Varietät des Spanischen.
Besonders die Valencianer sind erpicht sich nicht nur vom Spanischen, auch Kastilisch (span. Castellano) genannt, abzugrenzen, sondern auch dessen Varietät dem Katalanisch (span. Catalán). Von der allgemeinen Sprachentwicklung bis zum allgemeinem Verhältnis von Katalanisch und Kastilisch im Laufe der Geschichte, zu dem Sezessionismus in Valencia. In dieser Arbeit werden die besonderen Knackpunkte, Probleme und daraus resultierenden Folgen, mit denen die einzelnen Regionen und Sprachen, als auch Varietäten zu kämpfen hatten und haben genauer erläutert. Die Entwicklung des Katalanischen und dessen Bedeutung soll im Vergleich zum Kastilischen deutlich gemacht werden und inwiefern Valencia das Recht hat oder auch nicht, sich als eigenständige Sprache sowohl vom Kastilischen als auch Katalanischem abzusondern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klärung der Termini
2.1. Sprache
2.2. Dialekt, sprachliche Varietät und sprachliche Variante
2.3. Diglossie
2.4. Allgemeine Soziolinguistik – Definition und Aspekte
3. Sprachtypologische Einordnung
3.1. Sprachlicher Ursprung – Ein Einblick in die historische Sprachentwicklung bis zur heutigen Sprachlage
3.2. Allgemeiner Überblick über Verteilung der Sprachen im Raum Spanien
4. Soziolinguistische Lage aktuell
4.1. Identität und Sprache in Katalonien – Zweisprachigkeit und Sprachkonflikt
4.2. Politischer Stand und einen kleinen Einblick in die Sprachgesetze Kataloniens und Valencias in Bezug auf dessen Sprache(n)
4.3. Sprachlicher Sezessionismus in Valencia
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen sprachlichen Verhältnisse in Spanien, mit einem besonderen Fokus auf den Sprachkontakt und Sprachkonflikt zwischen Katalanisch und Kastilisch in den Regionen Katalonien und Valencia. Ziel ist es, die historischen Entwicklungen, soziolinguistische Hintergründe und die aktuellen politischen Debatten um Sprachgesetze und Identitätsbildung zu analysieren, um das Spannungsfeld zwischen regionalen Identitäten und der nationalen Einheit Spaniens zu beleuchten.
- Soziolinguistische Grundlagen und Begriffsdefinitionen
- Historische Entwicklung der Sprachen auf der iberischen Halbinsel
- Identitätsbildung und Sprachkonflikte in autonomen Regionen
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Sprachpolitik in Katalonien und Valencia
- Sprachlicher Sezessionismus und die Rolle des Kastilischen
Auszug aus dem Buch
4.1. Identität und Sprache in Katalonien – Zweisprachigkeit und Sprachkonflikt
Erste katalanische Wörter können in lateinischen Texten aus dem 9. Jahrhundert nachgewiesen werden. Früheste Übersetzungen, rechtssprachliche Texte, wurden um 1150 ins Katalanische übersetzt. Später folgten die Gesetzte von Barcelona, Valencia und Tortosa. Dies geschah mit engster sprachlicher Verbindung zur okzitanischen Sprache (Sprache des südlichen Drittel Frankreichs), die das Katalanisch im Mittelalter deutlich beeinflusste, sowohl in der Grammatik also auch in der Schriftform. Mittlerweile umfasst diese Regionalsprache 7,2 Mio. Menschen mit aktiven Katalanisch-Kenntnissen und 2,6 Mio. Menschen mit passiven Kenntnissen. Unter ihnen ungefähr 4 Mio. Muttersprachler und natürlich beherrschen sie auch das Kastilische, bedingt durch diverse Gesetzgebungen in der Vergangenheit als auch Gegenwart (Stand 1999). Die Identität des Individuums oder der kollektiven Gemeinschaft könnte also als gespalten interpretiert werden. Es wäre auch denkbar, dass sie sich nicht nur zu einer Sprache oder Region zugehörig fühlen. Dazu muss auch erstmal geklärt sein, was Identität eigentlich ausmacht. Doppelbauer verweist in diesem Zusammenhang auf Manuel Castells (2002:9), der die Frage nach Identität folgendermaßen definiert:
„Die Konstruktion von Identität bezieht ihre Baumaterialen aus Geschichte, Geografie, Biologie, von produktiven und reproduktiven Institutionen, aus dem kollektiven Gedächtnis und aus persönlichen Phantasien, von Machtapparaten und aus religiösen Offenbarungen. Aber Einzelpersonen, soziale Gruppen und Gesellschaften verarbeiten diese Materialien und ordnen ihren Sinn nach sozialen Determinanten und kulturellen Projekten neu, die in ihrer Sozialstruktur und in ihrem raum-zeitlichen Begrenzungsrahmen verwurzelt sind.“
Es zeigt sich also, dass viele Indikatoren Einfluss finden auf das Identitätsgefühl einzelner als auch mehrerer Personen. Wie in der Soziolinguistik spielen hierbei Geschlecht, Sprache und der Glaube natürlich keine untergeordnete Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die sprachlichen Verhältnisse Spaniens ein und thematisiert den Sprachkonflikt sowie den Sprachkontakt zwischen Katalanisch und Kastilisch im Fokus auf Katalonien und Valencia.
2. Klärung der Termini: Dieses Kapitel definiert soziolinguistische Grundbegriffe wie Sprache, Dialekt, Varietät und Diglossie, um das theoretische Fundament für die Analyse des Sprachenstreits zu schaffen.
3. Sprachtypologische Einordnung: Es wird die historische Sprachentwicklung von der Romanisierung bis zur heutigen Sprachverteilung in Spanien betrachtet, wobei die Entstehung der verschiedenen Dialektzonen beleuchtet wird.
4. Soziolinguistische Lage aktuell: Dieses Kapitel analysiert das Spannungsfeld zwischen Identität, Politik und Sprachgesetzgebung sowie das Phänomen des sprachlichen Sezessionismus in Valencia im Vergleich zu Katalonien.
5. Schlusswort: Die Ergebnisse werden reflektiert und die Problematik der Sprachpolitik sowie die Herausforderungen einer Koexistenz verschiedener Sprachen in Spanien kritisch zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Spanien, Katalanisch, Kastilisch, Soziolinguistik, Sprachkonflikt, Identität, Zweisprachigkeit, Diglossie, Sprachpolitik, Valencianisch, Sprachlicher Sezessionismus, Autonome Regionen, Sprachgesetzgebung, Dialekt, Varietät.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den komplexen sprachlichen Konstellationen in Spanien, insbesondere mit dem Spannungsverhältnis und dem Sprachkonflikt zwischen Katalanisch und Kastilisch in Katalonien und Valencia.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Sprachgeschichte, soziolinguistische Begriffsbestimmung, der Zusammenhang zwischen Sprache und Identität sowie die politische Dimension von Sprachgesetzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Verständnis für die Entstehung regionaler Sprachkonflikte zu vertiefen und zu beleuchten, warum und wie bestimmte Regionen ihre Sprache als eigenständige Norm gegenüber dem Kastilischen etablieren wollen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit soziolinguistischer Fachliteratur, eine historische Analyse der Sprachentwicklung und eine Untersuchung aktueller politischer Dokumente wie Sprachgesetze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen (Termini) geklärt, gefolgt von der historischen Einordnung der Sprachen in Spanien und einer detaillierten Analyse der aktuellen soziolinguistischen Lage und politischer Konflikte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Schlüsselwörter sind Katalanisch, Kastilisch, Spanien, Identität, Diglossie, Sprachkonflikt und Sprachpolitik.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „High“- und „Low“-Varietäten eine so große Rolle?
Diese Unterscheidung ist entscheidend, um den Prestigekampf zwischen dem als „High“-Varietät eingestuften Kastilischen und den regionalen „Low“-Varietäten wie Katalanisch und Valencianisch zu verstehen, die nach gesellschaftlicher Anerkennung streben.
Was versteht man in diesem Kontext unter sprachlichem Sezessionismus?
Es bezeichnet den Prozess, bei dem eine Sprechergemeinschaft – im Fallbeispiel Valencia – ihre Sprache trotz sprachlicher Nähe zum Katalanischen als vollkommen eigenständige Sprache vom Katalanischen abgrenzt, um eine spezifische regionale Identität zu stärken.
Wie beeinflusst die politische Ebene die Sprachnutzung?
Politische Entscheidungen, wie etwa Sprachgesetze in autonomen Regionen, formen das Bildungs- und Verwaltungswesen, fördern oder sanktionieren bestimmte Sprachen und beeinflussen somit langfristig das Identitätsgefühl und den Sprachgebrauch der Bevölkerung.
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- Anonym (Author), 2016, Sprachenstreit und Diglossie in Spanien. Katalanisch und Kastilisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/341074