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Die Verfallsformen der Polis und Demokratie in Platons "Politeia"

Titel: Die Verfallsformen der Polis und Demokratie in Platons "Politeia"

Examensarbeit , 2016 , 39 Seiten , Note: 16

Autor:in: Lino Munaretto (Autor:in)

Jura - Sonstiges

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im achten Buch von Platons "Politeia" entwirft seine Sokratesfigur eine Verfallsreihe von Staaten, die beim Idealstaat beginnt und in der Tyrannis endet. Doch hatte Platon tatsächlich die Intention, den Verlauf der Geschichte zu beschreiben oder gar vorherzusagen? Oder wollte er bloß Modelle von Staatsformen entwerfen, um eine normative Bewertung gerechter und ungerechter Ordnungen vorzunehmen?

Immerhin ist es Sokrates' erklärtes Ziel, das Glück des Gerechten und des Ungerechten zu vergleichen. Manche Interpreten gehen sogar davon aus, Platon habe lediglich die menschliche Psyche untersucht, der Staatsphilosophie habe er sich erst in seinen späteren Werken zugewandt. Die Verfallsreihe wäre dann eine Abhandlung über die gerechte Gesinnung des Einzelnen. Es gilt also dei Verfallsformen und ihre erzählerische Verbindung auf ihren Bedeutungsgehalt hin zu untersuchen.

Erst im Kontext der gesamten Reihe kann auch das Demokratiekapitel verstanden werden. Die Demokratie nahm in Platons Rangfolge den vorletzten Platz ein, was ihm in neuerer Zeit den Vorwurf einbrachte, ihr "Feind" zu sein. Individuelle Freiheit und politische Partizipation, die in der modernen Demokratie nicht mehr zur Disposition stehen, bedeuten für Platon Ungerechtigkeit. Dieses kritische Verhältnis zu demokratischen Werten wirft bis heute Fragen auf, die zu klären sein werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Der Ablauf der Verfallsreihe

I. Einleitende Worte der Gesprächsteilnehmer (543a – 545c)

II. Die Timokratie (545c – 550c)

III. Die Oligarchie (550c – 555b)

IV. Die Demokratie (555b – 562a)

V. Die Tyrannis (562a – 576b)

VI. Der eudämonistische Vergleich (576b – 592b)

VII. Zusammenfassung

C. Die Deutung der Verfallsreihe

I. Das Ausgangsproblem: Die Musenrede und die Hochzeitszahl

II. Die Analogie von Polis und Seele

1. Methodologischer Anlass und Herleitung der Analogie

2. Ziel und Funktion der Analogie

3. Die Beziehung zwischen Polis und Mensch

4. Die Bedeutung der Bildsprache

III. Einheit der Gerechtigkeit und Vielheit der Ungerechtigkeit

IV. Der Sinn der Verbindung in einem Verfallsprozess

1. Beschreibung oder Prognose des realen Geschichtsverlaufs

2. Normative Typologie von Verfassungen ohne Realitätsbezug

3. Stellungnahme

V. Eudämonistischer Vergleich und eudämonistische Ethik

VI. Fazit

D. Die Demokratie – Polypragie statt Idiopragie

I. Platons Demokratieerfahrungen

II. Platons Verhältnis zur Freiheit

III. Platons Verhältnis zur Gleichheit

IV. Die Demokratie in späteren Werken Platons

V. Platons Demokratiekritik und ihre Berechtigung

E. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die platonische Theorie der Staatsformen in der Politeia, wobei der Fokus insbesondere auf der Analyse der Demokratie und der ihr zugrunde liegenden Verfallsreihe liegt. Ziel ist es zu klären, ob es sich bei der Darstellung der Staatsformen um eine historische Geschichtsprognose oder eine normative Typologie handelt und wie Platon das Verhältnis von individueller Gerechtigkeit zur Staatsordnung definiert.

  • Analyse der platonischen Verfallsreihe von der Timokratie bis zur Tyrannis.
  • Untersuchung der methodischen Analogie zwischen der Struktur der Polis und der menschlichen Seele.
  • Kritische Würdigung von Platons Demokratieverständnis unter Berücksichtigung seiner historischen Erfahrungen in Athen.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen individueller Freiheit, Gleichheit und dem Gerechtigkeitsprinzip.
  • Einordnung der politischen Philosophie Platons im Kontext seiner Eudämonismus-Ethik.

Auszug aus dem Buch

D. Die Demokratie – Polypragie statt Idiopragie

Die schrittweise Abkehr vom Gerechtigkeitsprinzip des Idealstaates erreicht in der Demokratie ihren vorläufigen Höhepunkt. Das Idiopragieprinzip ist in sein Gegenteil verkehrt. An seine Stelle tritt das Polypragieprinzip, die „Vieltuerei“ (πολυπραγμοσύνη, 434b8). Niemand tut mehr das „Seinige“. Stattdessen tut jeder, wonach ihm beliebt, und übernimmt damit Aufgaben, für die er nach seiner seelischen Disposition nicht bestimmt ist.

Obgleich die Demokratie nur die zweitschlechteste Staatsform ist, verdeutlicht die Stellung des Kapitels in der Mitte des achten Buches ihre besondere Bedeutung für die Dramaturgie der gesamten Verfallsgeschichte. Die Demokratie, die Platon kritisiert, ist ein Staat unbeschränkter und absolut gleich verteilter Freiheit (ἐλευθερία). Platons Verhältnis zu Freiheit (II.) und Gleichheit (III.) in der Politeia verdient daher eine eingehende Betrachtung. Zuvor lohnt es sich, einen Blick auf Platons eigene Erfahrungen mit der Demokratie zu werfen (I.). Schließlich sind auch jene späteren Werke (Politikos, Nomoi) zu berücksichtigen, in denen sich Platon moderat und weniger kritisch über die Demokratie äußert (IV.). Erst vor diesem Hintergrund ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit Platons Positionen möglich (V.).

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung nach Platons Absicht hinter der Verfallsreihe in der Politeia und stellt die These auf, dass diese als normatives Modell statt als historische Prognose zu verstehen ist.

B. Der Ablauf der Verfallsreihe: Dieses Kapitel erläutert die stufenweise Degradierung der idealen Staatsform bis hin zur Tyrannei und stellt die jeweils korrespondierenden Charaktere der Bürger dar.

C. Die Deutung der Verfallsreihe: Hier wird die philosophische Methodik Platons analysiert, insbesondere die Analogie zwischen Polis und Seele, sowie die Bedeutung der mathematischen und mythologischen Elemente innerhalb der Verfallsdarstellung.

D. Die Demokratie – Polypragie statt Idiopragie: Dieses Kapitel widmet sich detailliert Platons spezifischer Demokratiekritik, unter Einbeziehung seiner historischen Erfahrungen in Athen und seiner Bewertung von Freiheit und Gleichheit.

E. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass die Politeia primär die psychische Verfassung des Bürgers mit der Staatsordnung koppelt und die individuelle Gesinnung als entscheidenden Faktor für den gesellschaftlichen Bestand hervorhebt.

Schlüsselwörter

Platon, Politeia, Demokratie, Verfallsreihe, Gerechtigkeit, Staatsformen, Polis, Seele, Freiheit, Gleichheit, Polypragie, Eudämonismus, Philosophie, Antike, Herrschaftsform.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die in Platons Politeia beschriebene Abfolge von Staatsformen und deren Verfallsprozess, mit einem spezifischen Fokus auf die Kritik an der demokratischen Ordnung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die politische Philosophie Platons, das Verhältnis von Mensch und Staat, die Analogie von Seele und Polis sowie die ethische Bewertung politischer Systeme.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die zentrale Frage ist, ob Platon mit seiner Verfallsreihe eine reale Geschichtsprognose beabsichtigte oder ob es sich um eine normativ-psychologische Modellbildung handelt, um Gerechtigkeit zu definieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche, textanalytische Arbeit, die primär die Schriften Platons (vor allem die Politeia) sowie die aktuelle Sekundärliteratur heranzieht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Verfallsablaufs, die philosophische Deutung der Analogie zwischen Polis und Seele sowie die spezifische Auseinandersetzung mit Platons Demokratiekritik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Platons Politeia, die Demokratiekritik, die Verfallsreihe der Staatsformen, das Gerechtigkeitsprinzip und die Analogie von Individuum und Staat.

Wie bewertet Platon die Freiheit in der Demokratie?

Platon kritisiert den demokratischen Freiheitsbegriff als grenzenlos und unbeschränkt, da er in der Abwesenheit von Vernunftführung in die totale Unordnung und schließlich in die Tyrannei führt.

Wie unterscheidet Platon zwischen den Arten der Gleichheit?

Platon differenziert zwischen der arithmetischen Gleichheit, die er in der Demokratie als minderwertig kritisiert, und der proportionalen Gleichheit, die er als Ausdruck echter Gerechtigkeit im Idealstaat ansieht.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Verfallsformen der Polis und Demokratie in Platons "Politeia"
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Institut für Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung - Abteilung für Rechts- und Sozialphilosophie)
Veranstaltung
Seminar "Platon - der Staat"
Note
16
Autor
Lino Munaretto (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
39
Katalognummer
V340865
ISBN (eBook)
9783668303058
ISBN (Buch)
9783668303065
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon Demokratie Demokratiekritik Metabole Verfallsformen Verfallsreihe Staatsformen Timokratie Oligarchie Tyrann
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lino Munaretto (Autor:in), 2016, Die Verfallsformen der Polis und Demokratie in Platons "Politeia", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/340865
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  39  Seiten
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