Thema dieser Arbeit wird sein, inwiefern unter dem Sukzessor und seinem Vorsitzenden des Ministerrates Fürst Chlodwig zu Hohnlohe-Schillingsfürst eine liberale Politik – auch vor dem Hintergrund des Regierungsprogramms von Max II. – fortgeführt wird und welche charakteristischen Elemente ihr inhärent sind. Hierzu befasse ich mich zunächst mit einer allgemeinen Definition des Begriffes Liberalismus und wie er sich vor allem im neunzehnten Jahrhundert auszeichnete.
Anhand eines systematischen Vergleiches vom Monarch, dem Minister und der damaligen liberalen Parteien werden im Anschluss Überschneidungen und Unterschiede der Programmatik auf den signifikanten Ebenen herausgearbeitet, um auf diese Weise die amtierende Regierung auf ihre politische Ausrichtung hin zu definieren.
Hierauf folgt eine Beschreibung und Bewertung der eigentlichen Regierungsarbeit und ob sie einerseits ihren zuvor geäußerten theoretischen Ansprüchen genügt und andererseits wie weit sie den zeitgenössischen, liberalen Forderungen entsprach. Eine zusammenfassende Bilanz wird das Ende dieser Arbeit bilden, womit die Legislaturperiode unter dem Vorsitzenden Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst auf ihre 'Freiheit und Gesetzmäßigkeit' hin bewertet wird und nicht eventuell auch ein anderes Couleur bei Monarch und Minister durscheint.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Liberalismus im 19. Jahrhundert
III. Politische Programmatik im Vergleich
a) König Ludwig II.
b) Die Bayerischen Liberalen
c) Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst
a. Elternhaus und Haltung zur Revolution von 1848/1849
b. Die Neue Ära in Bayern und Trohnwechsel 1864
c. Ernennung zum Vorsitzenden des Ministerrates
d. Das Regierungsprogramm zu Beginn des Regierungsantritts
IV. Regierung im Zeichen des Liberalismus ?
a) Regierung und Reformen unter Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst
b) Die bayerische Patriotenpartei und der Rücktritt Hohenlohes
V. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, inwiefern unter der Ägide von König Ludwig II. und seinem Ministerratsvorsitzenden Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst eine liberale Politik in Bayern fortgeführt wurde, und analysiert dabei die Übereinstimmungen sowie Spannungsfelder zwischen dem monarchischen Anspruch, der liberalen Fortschrittspartei und dem wachsenden Einfluss konservativer Kräfte.
- Definition und Charakteristik des Liberalismus im 19. Jahrhundert
- Vergleichende Analyse der politischen Programmatik von Monarch, Regierung und Liberalen
- Bewertung der praktischen Regierungsarbeit und gesetzgeberischer Reformen
- Der Einfluss der deutschen Frage und des Verhältnisses zu Preußen auf die bayerische Politik
- Die Rolle der bayerischen Patriotenpartei und das Ende der Ära Hohenlohe
Auszug aus dem Buch
d. Das Regierungsprogramm zu Beginn des Regierungsantritts
Neben den Befürwortern auf Seiten der Regierenden waren die Liberalen in der Kammer der Abgeordneten von Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst beeindruckt, erhofften sie sich doch nach den Jahren des konservativen Kurses unter Ludwig von der Pfordten insbesondere Reformen. Aber auch er suchte den Kontakt zu deren Vertretern und stimmte mit ihnen die bayerische Politik ab („Das Programm […] ist durchtränkt vom Geiste einer neuen Partei in Bayern, der sog. Fortschrittspartei, mit der der Minister auch während seiner Amtsführung bald geheime, bald offene Beziehungen pflegte“). Das nun folgende Regierungsprogramm war somit auch ein Werk, das unter Zusammenarbeit mit dem Mitglied der liberalen Partei Gustav von Schlör entstanden war, und der dem „redigierten Programm […] auch seine Zustimmung“ gab:
I
1. Als der wenn auch entfernte, doch unverrückt im Auge zu behaltende Zielpunkt der Politik Bayerns erscheint uns die Erhaltung Deutschlands, die Vereinigung der Gesamtzahl und, soweit dies unmöglich, der größeren Zahl der deutschen Stämme zu einem Bundessstaat, geschützt gegen außen durch eine harte Zentralgewalt und im Innern durch eine parlamentarische Verfassung, unter gleichzeitiger Wahrung der Integrität des Staats und der Krone Bayern.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, inwieweit unter Ludwig II. und Hohenlohe-Schillingsfürst eine liberale Politik in Bayern fortgeführt wurde.
II. Liberalismus im 19. Jahrhundert: Das Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen des Liberalismus im 19. Jahrhundert, insbesondere im Kontext bayerischer politischer Bestrebungen.
III. Politische Programmatik im Vergleich: Hier werden die unterschiedlichen Ansichten und Reformansätze von König Ludwig II., den Liberalen und dem Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst systematisch gegenübergestellt.
IV. Regierung im Zeichen des Liberalismus ?: Dieser Abschnitt analysiert die tatsächliche Umsetzung theoretischer Ziele in konkrete Gesetzesvorhaben und das Scheitern dieses Kurses an politischem Widerstand.
V. Fazit: Das Fazit zieht eine Bilanz der Regierungszeit und bewertet den Erfolg der Reformen sowie die Gründe für den Rücktritt Hohenlohes.
Schlüsselwörter
Liberalismus, König Ludwig II., Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Bayerische Fortschrittspartei, Bayerische Patriotenpartei, Konstitutionelle Monarchie, Reformen, Reichsverfassung, Nationalstaatsgedanke, Ultramontanismus, Parlamentarisierung, Zollverein, Rechtsstaat, deutsche Einheit, Regierungsprogramm.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Ausrichtung und Regierungsarbeit in Bayern zwischen 1864 und 1870, insbesondere das Spannungsfeld zwischen monarchischem Konservatismus und liberalen Reformbestrebungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle des Liberalismus, die deutsche Einigungsfrage, die Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche und die Modernisierung von Verwaltung und Justiz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, inwiefern die Politik unter Ludwig II. und Hohenlohe-Schillingsfürst tatsächlich als "liberal" bezeichnet werden kann und wo die Grenzen dieser Liberalität lagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen systematischen Vergleich der politischen Programmatik der beteiligten Akteure sowie eine Analyse der praktischen Regierungsarbeit anhand von Gesetzesinitiativen und historischen Dokumenten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den ideologischen Hintergründen, den persönlichen Standpunkten des Königs und des Ministers sowie der detaillierten Umsetzung verschiedener Reformprojekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Liberalismus, Ludwig II., Hohenlohe-Schillingsfürst, Fortschrittspartei, Patriotenpartei und Reformpolitik.
Wie stand Ludwig II. zu den liberalen Forderungen?
Der König war zwar in spezifischen Bereichen (wie der Kirchenpolitik) liberal, verfolgte jedoch grundsätzlich staatskonservative Ziele und wollte seine monarchische Souveränität nicht beschneiden.
Welche Rolle spielte die Patriotenpartei für Hohenlohes Rücktritt?
Die Patriotenpartei bildete als Stimme der katholischen Bevölkerung eine starke Opposition, die mit der Zeit die liberale Politik blockierte und durch Misstrauensvoten den Rücktritt Hohenlohes herbeiführte.
Warum war die "deutsche Frage" für die bayerische Politik so bedeutsam?
Sie stellte das zentrale außenpolitische Problem dar: Die Frage, wie Bayern seine Souveränität wahren und gleichzeitig an der deutschen Einigung (entweder groß- oder kleindeutsch) partizipieren konnte.
War die Regierung von Hohenlohe-Schillingsfürst als "liberal" erfolgreich?
Sie konnte zwar eine Reihe moderner Gesetze auf den Weg bringen, die zur Industrialisierung und Modernisierung Bayerns beitrugen, scheiterte jedoch letztlich an der konservativen Gegenbewegung und den persönlichen Konflikten mit dem Monarchen.
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- Markus Hofbauer (Author), 2014, Regierung im Zeichen des Liberalismus.Die Beziehung von Monarch und Minister in der bayerischen Innenpolitik gegen Ende des 19. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/340104