Aufgrund meiner Lehrtätigkeit an der Medizinischen Akademie in Baden-Baden, ist es mir möglich, einen Vergleich der Kriterien für guten Unterricht aus der Sicht eines Lernenden und einer Lehrkraft durchzuführen. Die Erwartungen der Schüler/innen und Lehrkräfte an guten Unterricht sind dabei, neben den wissenschaftlichen Theorien sowie dem Wissen der Lehrer, der dritte Baustein um auch guten Unterricht zu praktizieren.
Im ersten Teil lege ich die theoretischen Vorüberlegungen dar, welche nötig waren, um die Befragung durchzuführen. Um von einem gemeinsamen theoretischen Verständnis von gutem Unterricht auszugehen, skizziere ich zunächst das Modell „Guten Unterrichts“ nach Hilbert Meyer. Diese Theorie wurde meiner Arbeit und somit der Interpretation der Befragungsergebnisse zugrunde gelegt und ist demzufolge elementar für das Verständnis.
Die Präsentation und Erläuterung der empirischen Daten stellen den Hauptteil meiner Arbeit dar. Darin werde ich zunächst die Resultate der beiden Interviews gesondert vorstellen, um sie anschließend vergleichend zu analysieren. In meiner Zusammenfassung werde ich die Ergebnisse der Gegenüberstellung beschreiben.
Der Unterricht als zentraler Faktor der Lehranstalten sowie dessen Qualität rückte durch die überraschend schlechten Ergebnisse der PISA Studie vermehrt in den Blickpunkt der nationalen Bildungspolitik, der interessierten Öffentlichkeit und nicht zuletzt der Lehrkräfte. Die Folge war eine hohe Anzahl von einschlägigen Handreichungen, Broschüren, Gebrauchsanweisungen usw. welche zur Verfügung gestellt wurden. Bundesweit haben einige Kultus- und Bildungsministerien, Schullandesinstitute, pädagogische Aus- und Weiterbildungszentren und eine Vielzahl an Universitäten, sich die Entwicklung und die Sicherung von „Gutem Unterricht“ zur Aufgabe gemacht. Entsprechende Publikationen wurden von diesen veröffentlicht. Autoren, auf welche sich in diesem Zusammenhang sehr häufig bezogen wird, sind Andreas Helmke mit seinem Werk: „Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität", Günter Ost: "Studiengang Schulpädagogik" sowie Hilbert Meyer „Was ist ein guter Unterricht?“.
Für die vorliegende Hausarbeit habe ich mich für das theoretische Modell von Hilbert Meyer bezogen. Ich habe dessen 10 Merkmale für guten Unterricht als Basis genutzt, möchte aber mit dieser Auswahl die Inhalte von Helmke und Ost nicht schmälern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.Methode
3. Merkmale eines guten Unterrichtes nach Hilbert Meyer
3.1. Klare Strukturierung des Unterrichts
3.2 Effektiver Unterricht / hohe Lernzeit
3.3.Lernförderliches Klima
3.4 Inhaltliche Klarheit
3.5 Sinnstiftende Kommunikation
3.6 Individuelles Fördern
3.7 Transparente Leistungserwartung
3.8 Methoden Vielfalt
3.9. Intelligentes Üben
3.10. Vorbereitende Umgebung
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kriterien für "guten Unterricht" im Kontext der Physiotherapieausbildung durch einen empirischen Vergleich der Perspektiven von Lernenden und Lehrenden auf Basis des theoretischen Modells von Hilbert Meyer.
- Vergleich subjektiver Erwartungen von Schülern und Lehrkräften an Unterrichtsqualität.
- Anwendung des Modells der 10 Merkmale guten Unterrichts nach Hilbert Meyer.
- Analyse der Bedeutung von Struktur, Flexibilität und Individualität im Lehr-Lernprozess.
- Evaluierung der Rolle von Rahmenbedingungen wie Raumgestaltung und didaktischem Repertoire.
Auszug aus dem Buch
3.1. Klare Strukturierung des Unterrichts
Für die Lernenden ist ein gut strukturierter Unterricht wichtig, um die angebotene Information leichter zu speichern, wiederzugeben und das Erlernte - vor allem der praktische Teil der Physiotherapieausbildung - auch in einer Transferleistung am Patienten anwenden zu können. Für die Nachbereitung nach dem Unterricht wird eine gute Gliederung als sehr erleichternd beim Verständnis der diversen Zusammenhänge empfunden. Strukturierter Unterricht zeichnet sich auch durch einen gewissen Plan aus den die Lehrkraft am Beginn der Stunde oder auch am Anfang eines neuen Faches oder Stoffgebietes vorstellt.
Aus Sicht der Lehrkraft ist ein gut strukturierter Unterricht wichtig um das Ziel des Unterrichtes, des Stoffgebietes und des Faches nicht aus den Augen zu verlieren.
Eine gute Gliederung macht es in erster Linie den Lernenden einfacher im Lernprozess den Unterrichtsinhalt zu verarbeiten, hier haben meine Interviews eine Übereinstimmung der Schüler- und der Lehrkraftmeinung ergeben. Beide sehen in einem gut strukturierten Unterricht eine Erleichterung auch schwierige Zusammenhänge zu verstehen. Für die Lehrkraft ist die eigene Strukturierung wichtig, um am Ende eines Faches- und Stoffgebietes punktgenau am vorgegebenen Ziel anzukommen. Als wichtig wird auch eine Vorstellung des jeweiligen Themas vor dem Unterricht erachtet, um während des Unterrichtes und ganz besonders am Ende eines Unterrichtsblockes einschätzen zu können, ob das selbst gesteckte Ziel erreicht wurde oder nicht. Der Fahrplan des Unterrichtes ist dabei unabhängig ob eine theoretische oder eine praktische Unterrichtsstunde folgt. In beiden Fällen ist es wichtig einen Rahmen vorzugeben um die Konzentration der Lernenden hoch zu halten. Das "Entgleiten" der Gruppe wird als Beispiel für unstrukturierten Unterricht gesehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik und Begründung der Auswahl des theoretischen Modells nach Hilbert Meyer für den Vergleich der Perspektiven.
2.Methode: Erläuterung der qualitativen Interviewmethode mit einer Lehrkraft und einer Schülerin zur Erhebung subjektiver Merkmale guten Unterrichts.
3. Merkmale eines guten Unterrichtes nach Hilbert Meyer: Detaillierte Analyse der zehn Gütekriterien im Abgleich mit den Ergebnissen der durchgeführten Interviews.
4. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die eine hohe Übereinstimmung der Befragten mit Meyers Modell zeigt, wobei Struktur, Flexibilität und Individualität als zentrale Säulen hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Guter Unterricht, Hilbert Meyer, Physiotherapieausbildung, Unterrichtsqualität, Lernprozess, Strukturierung, Individuelles Fördern, Methodenvielfalt, Transparente Leistungserwartung, Lehr-Lernarrangement, Kompetenzentwicklung, Unterrichtsklima, Didaktik, Evaluation, Lernzeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, was "guter Unterricht" ist, indem sie die Erwartungen und Wahrnehmungen von Lehrenden und Lernenden im Bereich der Physiotherapieausbildung vergleicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die zehn Merkmale guten Unterrichts nach Hilbert Meyer, darunter Strukturierung, Lernklima, Methodenvielfalt und individuelle Förderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein Abgleich zwischen theoretischen Anforderungen an Unterrichtsqualität nach Hilbert Meyer und der gelebten Praxis aus Sicht der Akteure.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine qualitative Interviewmethode angewandt, bei der eine Lehrkraft und eine Schülerin unabhängig voneinander befragt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert jedes der zehn Meyer’schen Merkmale anhand der Interviewergebnisse und reflektiert diese im Kontext des Lehr-Lernprozesses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Unterrichtsqualität, Hilbert Meyer, Physiotherapieausbildung, Strukturierung, Flexibilität und Individualität.
Welche Rolle spielt die Struktur für die Lernenden in der Physiotherapie?
Struktur wird von den Lernenden als essenziell empfunden, um Informationen besser zu speichern und das Erlernte effektiv in die praktische Arbeit am Patienten zu transferieren.
Wie unterscheidet sich die Einschätzung der "Vorbereitenden Umgebung" bei Lehrkraft und Schülerin?
Während die Schülerin eine identitätsstiftende Wohlfühlatmosphäre priorisiert, legt die Lehrkraft den Schwerpunkt auf Funktionalität, Platz für Bewegung und ordentliche Arbeitsbedingungen.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2016, Was ist guter Unterricht? Was stellen sich Schüler und Lehrkräfte unter gutem Unterricht vor?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/339773