Das Reichsparteitagsgelände Nürnberg ist – wie jeder historische Ort – einzigartig. Die bis heute teilweise erhaltenen Bauten bilden das größte Ensemble der nationalsozialistischen Staats- und Parteitagsarchitektur. An diesen Bauten lässt sich noch heute der durch Architektur ins Werk gesetzte Macht- und Herrschaftsanspruch des Dritten Reiches ablesen.
Die Arbeit soll der Frage nachgehen, unter welchen politischen Voraussetzungen diese Bauten entstanden sind, welchen Zweck sie hatten und schließlich wie diese Bauten gewirkt haben. Im Zweiten Teil wird aufgezeigt, wie mit den Reichsparteitagsbauten und ihren Überresten seit 1945 umgegangen wurde und wird und welche Kontroversen und Schwierigkeiten sich dabei ergaben.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
I Historischer Überblick: Reichsparteitagsgelände bis 1945
I.1 Einleitung
I.1.1 Kontext
I.1.2 Fragestellung und Methode
I.2 Hauptteil: Das Gelände
I.2.1 Rahmenbedingungen
I.2.1.1 Politisch und historisch
I.2.1.2 Infrastruktur
I.2.2 Die Bauten
I.2.2.1 Luitpoldarena und erste Provisorien
I.2.2.2 Luitpoldhalle
I.2.2.3 Kongresshalle und Große Straße
I.2.2.4 Zeppelintribüne und Zeppelinfeld
I.2.2.5 Deutsches Stadion
I.2.2.6 Märzfeld
I.2.2.7 Sonstige Bauten
I.2.3 Die Architekten
I.2.3.1 Ludwig und Franz Ruff
I.2.3.2 Albert Speer
I.2.4 Wirkung der Bauten
I.3 Schluss
I.3.1 Zusammenfassung und Bewertung
I.3.2 Ausblick
II Umgang mit dem Reichsparteitagsgelände bis heute
II.1 Einleitung
II.1.1 Kontext
II.1.2 Fragestellung und Methode
II.2 Hauptteil: Schweres Erbe
II.2.1 Kriegsende und erste Nutzung
II.2.1.1 Bilanz
II.2.1.2 Wohnungsnot
II.2.1.3 Aufräumarbeiten
II.2.1.4 Zurück zum Ursprung
II.2.1.5 Weiternutzung
II.2.2 Verdrängung der Vergangenheit
II.2.2.1 Beseitigungen
II.2.2.2 Neue Konzepte
II.2.3 Aufarbeitung
II.2.3.1 Faszination und Gewalt
II.2.3.2 Dokumentationszentrum
II.2.3.3 Städtebauliche Neukonzeption
II.2.4 Kontroverse um künftigen Umgang
II.2.4.1 Denkmalschutz
II.2.4.2 Baulicher Zustand
II.2.4.3 Positionen der Stadt Nürnberg
II.2.4.4 Andere Positionen
II.2.4.5 Zusammenfassung
II.3 Schluss
II.3.1 Ergebnis
II.3.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg in einer zweifachen Perspektive: Zunächst wird der historische Entstehungskontext bis 1945 beleuchtet, anschließend wird die komplexe Geschichte des Umgangs mit diesem baulichen Erbe von 1945 bis in die Gegenwart analysiert.
- Historische Einordnung der nationalsozialistischen Staats- und Parteitagsarchitektur.
- Funktion und Wirkung der Bauten als Kulisse für NS-Inszenierungen.
- Umgang mit den baulichen Hinterlassenschaften in der Nachkriegszeit.
- Entwicklung von Nutzungskonzepten, vom Lagerraum bis zum Dokumentationszentrum.
- Aktuelle Kontroversen um Denkmalschutz, Instandsetzung und Erinnerungskultur.
Auszug aus dem Buch
I.2.2.4 Zeppelintribüne und Zeppelinfeld
Die Zeppelintribüne und das Zeppelinfeld waren – als nahezu einzige Anlage des Reichsparteitagsgeländes, die vollständig fertiggestellt und verwendet wurde – das Vorzeigebauwerk der Staats- und Parteitagsarchitektur. Auch hier diente ein Muster aus der Antike zur architektonischen Gestaltung: Albert Speer hatte sich für die prächtige Tribüne an der Nordostseite des Geländes am Pergamonaltar orientiert. Auf den von Türmen durchbrochenen Wallanlagen und der Haupttribüne fanden 50.000 Zuschauer Platz, auf dem von dem gesamten Innen-Areal konnten 150.000 Menschen stehen bzw. antreten.
„Für die Veranstaltungen auf dem Zeppelinfeld hatte die Haupttribüne insgesamt eine altarähnliche Funktion. Die Inszenierung mit Flammenschalen, Fahnen, dem großen Hakenkreuz in der Mitte sowie eine aufwendige Beleuchtung unterstrichen dies genauso wie das vom Architekten Albert Speer angegebene antike Vorbild, der Pergamonaltar.“
Mit Zeppelintribüne und Zeppelinfeld werden nicht nur der Zweck dieser Bauten und Flächen – reine Kulisse für Inszenierung und Präsentation – klar erkennbar, sondern auch das der NS-Ideologie zugrundeliegende Führerprinzip: „Das sogenannte ‚Führerprinzip’ nimmt hinsichtlich des Zeppelinfeldes eine konkrete architektonische Form an, so daß die hierarchische Gliederung des nationalsozialistischen Staates deutlich zum Ausdruck kommt: Adolf Hitler, der ‚Führer’, steht in der Mitte, oben, vorne. Er wird aus einer erhöhten Position mit den verschiedenen angetretenen Formationen konfrontiert. Man hatte zu ihm aufzusehen. Dies war bewußtes Programm der nationalsozialistischen Architektur“
Zusammenfassung der Kapitel
I Historischer Überblick: Reichsparteitagsgelände bis 1945: Diese Sektion analysiert die Entstehungsgeschichte, architektonische Intention und propagandistische Wirkung der Reichsparteitagsbauten im Kontext der NS-Ideologie.
II Umgang mit dem Reichsparteitagsgelände bis heute: Dieser Teil befasst sich mit der wechselvollen Nachkriegsgeschichte der Bauten, von der Umnutzung über die Verdrängung bis hin zur heutigen Etablierung als Lernort und der Kontroverse um Instandsetzungskosten.
Schlüsselwörter
Reichsparteitagsgelände, Nürnberg, Nationalsozialismus, NS-Architektur, Albert Speer, Zeppelintribüne, Kongresshalle, Erinnerungskultur, Dokumentationszentrum, Denkmalschutz, Instandsetzung, Propaganda, NS-Ideologie, Erinnerungsorte, Nachkriegszeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Historie und den Umgang mit dem nationalsozialistischen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg in einer zweiteiligen Analyse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die architektonische Selbstdarstellung des NS-Regimes, die bauliche Funktion als Kulisse sowie die schwierige Auseinandersetzung mit diesem Erbe nach 1945.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, sowohl die historischen Voraussetzungen und Zwecke der Monumentalbauten zu verstehen, als auch den Wandel im Umgang mit diesen Überresten in der deutschen Nachkriegsgesellschaft aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verfolgt einen vergleichenden und quellenkritischen Ansatz und greift auf bestehende Forschungsdarstellungen sowie Dokumentationen des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände zurück.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Überblick zur Entstehung bis 1945 und eine detaillierte Betrachtung der Nutzungs-, Verdrängungs- und Aufarbeitungsprozesse seit 1945.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind das Reichsparteitagsgelände, NS-Architektur, Dokumentationszentrum, Denkmalschutz und die Transformation von ehemaligen Propagandaorten in heutige Lernorte.
Warum wird im Dokumentationszentrum das Konzept einer „Diagonale“ verwendet?
Der Entwurf von Günther Domenig durchschneidet den Backsteinbau der Kongresshalle diagonal, um laut Konzept die „Diktatur des rechten Winkels“ und die monotone Gleichförmigkeit der NS-Architektur architektonisch zu stören.
Was ist der aktuelle Kernpunkt der Kontroverse um das Zeppelinfeld?
Der Kern der aktuellen Debatte liegt in den enormen Kosten für eine notwendige Generalinstandsetzung der maroden Zeppelintribüne und der Frage, ob der Erhalt der Bauten angesichts der hohen Summen zu rechtfertigen ist.
- Quote paper
- Alexander Würth (Author), 2016, Schweres Erbe Reichsparteitagsgelände. Historischer Überblick bis 1945 und Analyse des Umgangs ab 1945 bis heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/339250