Das qualitative Interview gehört heutzutage zu den meistgenutzten Verfahren der qualitativen Sozialforschung. Dennoch existiert das qualitative Interview nicht. Der Begriff umreißt lediglich eine Vielzahl von Interviewformen, die in einer Vielzahl „verschiedene[r] methodisch[r] Varianten“ (vgl. Döring & Bortz 2016: 367) existieren und entlang spezifischer Kategorien voneinander unterschieden werden können.
Im Rahmen meiner Hausarbeit möchte ich zwei qualitative Interviewformen, das narrative Interview und das Experteninterview, anhand der von Uwe Flick vorgeschlagenen Kategorien vergleichen. Diese Kategorien sind: die „Offenheit für die subjektive Sicht des Interviewpartners“, die „Strukturierung des Gegenstands“, der „Anwendungsbereichs“, die „Probleme der Durchführung“ sowie die „Grenzen der Methode“ (Flick 2007: 272ff.). Flick schlägt zusätzlich eine sechste Kategorie vor, den „Beitrag zur allgemeinen Entwicklung der Methode des Interviews“ (ebd.), welche ich jedoch nicht im Rahmen meiner Hausarbeit erörtern werde, da sich diese Kategorie meines Erachtens weniger für den direkten Vergleich beider Interviewformen eignet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das narrative Interview
2.1 Überblick
2.2 Theoretischer Hintergrund
2.3 Ablauf
3 Das Experteninterview
3.1 Überblick
3.2 Theoretischer Hintergrund
3.3 Ablauf
4. Vergleich
4.1 Offenheit für die subjektive Sicht des Interviewpartners
4.2 Strukturierungdes Gegenstands
4.3 Anwendungsbereich
4.4 Probleme der Durchführung
4.5 Grenzen der Methode
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das narrative Interview und das Experteninterview systematisch gegenüberzustellen und ihre methodischen Unterschiede anhand definierter Kategorien herauszuarbeiten, um deren spezifische Einsatzbereiche und Grenzen in der qualitativen Sozialforschung zu verdeutlichen.
- Theoretische Fundierung narrativer versus expertenbasierter Interviewansätze
- Unterschiede in der methodischen Strukturierung und Steuerung des Gesprächs
- Anwendungsbereiche und forschungsökonomische Aspekte beider Methoden
- Herausforderungen in der Durchführung und methodologische Limitationen
- Reflexion über Rolle und Einfluss des Interviewers
Auszug aus dem Buch
4.1 Offenheit für die Interviewpartner
Beide Interviewformen, das narrative Interview sowie das Experteninterview, zielen darauf ab, den Befragten zu möglichst offenen und freien Erzählungen zu animieren (vgl. Kapitel 2.3 und 3.3). Die Grenzen dieser Freiheit werden jedoch für beide Interviewform, aus praktischen und theoretischen Gründen, unterschiedlich weit gesteckt.
Bedingt durch die Anforderungen der Erzähltheorie, welche die theoretische Grundlage für das narrative Interview bildet, wonach nur freie, spontane und unvorbereitete Erzählungen Darstellungen erzeugen, die eine hohe Analogie zu vergangenen Erlebnissen des Befragten aufzeigen, wird dem Interviewten während der Haupterzählung und bei Antworten auf immanente Fragen ein exklusives Rederecht eingeräumt. Er erhält lediglich einen Erzählstimulus seitens des Interviewers und entscheidet dann, wie weit er seine Erzählungen inhaltlich und thematisch ausführen möchte. Dabei wird der Befragte jedoch unbewusst stets durch die „Zugzwänge der Sachverhaltsdarstellung“ (vgl. Kapitel 2.2) dazu getrieben, seine Geschichte weiterzuführen und auf Manipulationen zu verzichten (vgl. Küsters 2016: 31). Hat er seine Ausführungen zu Ende erzählt, obliegt es ihm diese, in der Regel gekennzeichnet durch eine Koda, zu beenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Vielfalt qualitativer Interviewformen ein und begründet den Vergleich zwischen dem narrativen Interview und dem Experteninterview anhand spezifischer Analysekategorien.
2 Das narrative Interview: Dieses Kapitel erläutert die von Fritz Schütze begründete Erzähltheorie sowie den idealtypischen Ablauf eines narrativen Interviews, das auf spontanen Stegreiferzählungen basiert.
3 Das Experteninterview: Es wird das Experteninterview als Methode zur Rekonstruktion von Expertenwissen definiert, wobei verschiedene Wissensformen und der strukturierte Ablauf mittels Leitfaden thematisiert werden.
4. Vergleich: Dieser Hauptteil analysiert beide Methoden anhand der Kategorien Offenheit, Strukturierung, Anwendungsbereich, Durchführungsprobleme und methodische Grenzen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und betont die unterschiedlichen Anforderungen an den Interviewer sowie die spezifischen methodischen Stärken beider Ansätze.
Schlüsselwörter
Qualitative Sozialforschung, narratives Interview, Experteninterview, Erzähltheorie, Leitfaden, Stegreiferzählung, Expertenwissen, Methodenvergleich, Forschungsdesign, Datenvalidität, Gesprächsführung, qualitative Methoden, Biographieforschung, Wissensformen, Interaktionsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht zwei zentrale qualitative Erhebungsmethoden – das narrative Interview und das Experteninterview – hinsichtlich ihrer methodischen Ausgestaltung und Anwendung in der Sozialforschung.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen die theoretischen Grundlagen (Erzähltheorie, Expertenbegriff), den Ablauf der Befragung, die Steuerung durch den Interviewer sowie die methodische Kritik an beiden Verfahren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die systematische Differenzierung beider Interviewformen anhand von Flicks Kategorien, um aufzuzeigen, wie sich der Grad der Offenheit und Strukturierung in der praktischen Anwendung unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um einen literaturbasierten Methodenvergleich, der auf etablierten Fachpublikationen zur qualitativen Sozialforschung aufbaut.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Vorstellung beider Methoden und deren anschließende vergleichende Gegenüberstellung in Bezug auf Offenheit, Strukturierung, Anwendung, Durchführung und Grenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie qualitative Sozialforschung, narratives Interview, Experteninterview, Erzähltheorie und methodische Limitationen charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Interviewers bei den beiden Ansätzen?
Beim narrativen Interview agiert der Interviewer zurückhaltend und fungiert primär als Impulsgeber, während er beim Experteninterview aktiv lenkend eingreift, um zielgerichtet Expertenwissen zu erheben.
Welche Rolle spielt die sogenannte "Erzählkompetenz" bei narrativen Interviews?
Die Erzählkompetenz ist entscheidend, da das Gelingen der Stegreiferzählung von der Fähigkeit des Befragten abhängt, seine Lebensgeschichte kohärent und ohne störende Unterbrechungen wiederzugeben.
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- Anonym (Author), 2016, Das narrative Interview und das Experteninterview. Ein Vergleich soziologischer Methoden, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/338953