Alemania Aachen, MSV Duisburg, VfL Bochum: Die Liste der verschuldeten Sportklubs ist nicht nur in Deutschland lang. Auch im europäischen Fußball trifft die Pleite immer mehr Profiklubs. Dies ist meist ein schleichender Prozess, der sich über Jahre entwickelt oder durch Investitionen entsteht, welche die finanzielle Kapazität der Vereine übersteigt. Wie beispielsweise ein Stadionneubau oder auch die stetig steigenden Spielergehälter und Ablösesummen im europäischen Fußball. Dies brachte manche Vereine in die prekäre Lage, die Ausgaben nicht mehr mit den laufenden Einnahmen decken zu können.
Das solide wirtschaftliche Grundprinzip des FC Bayern München, „Einnahmen orientierte Ausgabenpolitik“, machte die UEFA deshalb mit dem Financial Fairplay zum Maßstab des europäischen Fußballs. Beim Financial Fairplay geht es in erster Linie darum, durch das Reglement die ökonomische und monetäre Leistungsfähigkeit der Klubs zu verbessern, mehr Disziplin und Rationalität im finanziellen Bereich zu schaffen und die Lebensfähigkeit und Nachhaltigkeit des europäischen Klubfußballs dauerhaft zu wahren. Ziel soll also der langfristige wirtschaftliche Erfolg sein. Zudem spielt die Rechtsform der Fußballvereine heutzutage eine immer wichtigere Rolle, wobei deutliche Unterschiede in den verschiedenen Ländern zu finden sind. In England war es einem Verein beispielsweise bereits 1896 möglich, sich in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln. In Deutschland hielt dies erst im Jahre 1998 Einzug. Ab diesem Zeitpunkt war es den Vereinen gestattet, Ausgliederungen in eine GmbH, GmbH & Co. KGaA oder AG vorzunehmen.
Diese im Fußball immer bedeutender werdenden Themen, veranlassten uns zu dieser Seminararbeit. Ziel der Arbeit soll in erster Linie sein, drei solide deutsche Fußballvereine mit ihren unterschiedlichen Finanzierungskonzepten darzustellen und schlussendlich zu vergleichen. Hierzu wird im zweiten Kapitel zuerst Deutschlands erfolgreichster und sicherlich bekanntester Fußballverein, der FC Bayern München und die FC Bayern München AG betrachtet. In Kapitel Drei wird der BVB, Deutschlands zweiterfolgreichster Verein, mit seiner börsennotierten Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA in Augenschein genommen. Im vierten Kapitel wird als dritter und letzter Verein noch Bayer 04 Leverkusen mit seiner "Werkself" behandelt. In Kapitel Fünf werden wir abschließend noch die drei Gesellschaftsformen der Vereine einander gegenüberstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. FC Bayern München
2.1. Die Außenfinanzierung des FC Bayern München
2.1.1. Der Konzern FC Bayern München AG
2.1.2. Die Allianz Arena München Stadion GmbH AG
2.2. Die Innenfinanzierung des FC Bayern München
2.2.1. Das ursprüngliche Kerngeschäft
2.2.2. Die voranschreitenden Geschäftsfelder
2.2.3. Die Entwicklung der letzten Jahre
3. Borussia Dortmund
3.1. Die Innenfinanzierung von Borussia Dortmund
3.1.1. Die Konzernstruktur
3.1.2. Das operative Tagesgeschäft
3.2. Die Außenfinanzierung von Borussia Dortmund
3.2.1 Die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA - Börsengang
3.2.2. Der Signal Iduna Park - Sale-and-Lease-back
4. Bayer 04 Leverkusen
4.1 Die Innenfinanzierung von Bayer 04 Leverkusen
4.2 Die Außenfinanzierung von Bayer 04 Leverkusen
4.2.1. Die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH
4.2.2. Die BayArena
5. Der Vergleich der Gesellschaftsformen
5.1 Die Aktiengesellschaft - AG
5.2 Die Kommanditgesellschaft auf Aktien - KGaA
5.3 Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung - GmbH
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit hat das Ziel, die unterschiedlichen Finanzierungskonzepte dreier erfolgreicher deutscher Fußballvereine – FC Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen – darzustellen und im Kontext ihrer jeweiligen Gesellschaftsformen miteinander zu vergleichen.
- Analyse der Innen- und Außenfinanzierung ausgewählter Bundesligavereine
- Untersuchung der Konzernstrukturen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
- Vergleich verschiedener Gesellschaftsformen (AG, KGaA, GmbH) im Profifußball
- Bewertung von Finanzierungsinstrumenten wie Börsengang und Sale-and-Lease-back
- Diskussion der 50-plus-1-Regel und des Financial Fairplay
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA - Börsengang
Um die finanzielle Situation des Vereins zu verbessern, entschloss sich die BVB-Geschäftsführung am 31. November 2001, als erster und einziger deutscher Fußballklub, an die Börse zu gehen. Bereits im November 1999 wurde auf der Mitgliederversammlung beschlossen, dass die Lizenzspielerabteilung, also Profi-, Amateur- und A-Jungendmannschaft ausgegliedert und in die neu gegründete Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA eingebracht wird. Dies war die Voraussetzung, um die Kapitalbeschaffung durch einen Börsengang zu ermöglichen. Im Zuge dessen hatten viele Kritiker die Sorge, dass eine zu große Distanzierung zwischen Verein und Gesellschaft entsteht. Aus diesem Grund wurde die persönlich haftende Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH als Komplementär eingesetzt. Ihr alleiniger Gesellschafter ist wiederum der Verein BV. Borussia 09 e.V. Dortmund, so dass auch rechtlich gesehen eine enge Bindung zwischen Verein und Gesellschaft aufrechterhalten werden konnte.42 Der erste Handelstag ist nicht besonders erfolgreich verlaufen. Mit einem Ausgabepreis von 11,00 Euro ist die Aktie des BVB gestartet. Noch am selben Tag rutschte der Wert auf 9,94 Euro je Anteil ab.43 Am 25. Oktober 2014 liegt der Aktienkurs bei 4,29 EUR pro Anteil.44 Wer seine Aktie seit der Herausgabe hält, musste einen sehr großen Verlust hinnehmen. Viele Analysten haben dies vorhergesagt. Fußballaktien werden an der Börse mit sehr viel Vorsicht betrachtet. Die Änderung des Kurses hängt unweigerlich vom Erfolg der Mannschaft ab. Zeigt sich diese unmotiviert oder hat mit verletzungsbedingten Ausfällen zu kämpfen und verliert deshalb, ist ein steigender Kurs nicht möglich. Die Investition scheint für Interessenten somit ein hohes Risiko darzustellen. Fußballaktien versprechen auch heute noch geringere Renditen im Vergleich zu anderen Unternehmen.45 Um die Attraktivität der Aktie zu erhöhen und das Vertrauen zu festigen hat der BVB die Zulassung zum Prime Standard an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Diese wurde am 27. Mai 2014 mit Gültigkeit zum 30. Mai 2014 erteilt und erfordert künftig höchste Transparenz.46
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Problematik verschuldeter Sportklubs und führt in die Thematik der Finanzierung von Fußballvereinen sowie die Bedeutung von Rechtsformen ein.
2. FC Bayern München: Dieses Kapitel analysiert das solide Finanzierungskonzept des FC Bayern München, unterteilt in Außenfinanzierung durch Anteilseigner und Innenfinanzierung durch operative Erlösquellen.
3. Borussia Dortmund: Hier wird die Struktur des börsennotierten BVB untersucht, insbesondere die Herausforderungen und Strategien in der Innenfinanzierung sowie die Besonderheiten des Börsengangs.
4. Bayer 04 Leverkusen: Das Kapitel widmet sich dem Werksverein Bayer 04 Leverkusen und erläutert die enge finanzielle Abhängigkeit und Unterstützung durch die Bayer AG.
5. Der Vergleich der Gesellschaftsformen: Es erfolgt eine theoretische Erläuterung und ein Vergleich der im Fußball üblichen Rechtsformen Aktiengesellschaft, Kommanditgesellschaft auf Aktien und Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die verschiedenen Finanzierungswege der untersuchten Vereine vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen im europäischen Fußball.
Schlüsselwörter
Fußballfinanzierung, FC Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer 04 Leverkusen, Außenfinanzierung, Innenfinanzierung, Aktiengesellschaft, KGaA, GmbH, Börsengang, Sponsoring, TV-Gelder, 50-plus-1-Regel, Financial Fairplay, Kapitalbeschaffung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Finanzierungskonzepten von drei führenden deutschen Fußballvereinen und vergleicht diese unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Gesellschaftsstrukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Unterscheidung zwischen Innen- und Außenfinanzierung, die Rolle von Sponsoren, Medieneinnahmen, Merchandising sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen der Rechtsformen im Profifußball.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie erfolgreich geführte deutsche Fußballvereine ohne die direkte Abhängigkeit von Mäzenen durch solide Finanzierungskonzepte wettbewerbsfähig bleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine fallstudienbasierte Analyse, die auf der Untersuchung von Geschäftsberichten, Unternehmensstrukturen und finanzwirtschaftlichen Kennzahlen der drei Vereine basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Finanzanalyse von Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen sowie eine theoretische Einordnung der gewählten Rechtsformen.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Finanzierungsstrategien im Sport, operative Einnahmequellen, Kapitalgesellschaften im Fußball und wirtschaftliche Nachhaltigkeit charakterisieren.
Warum wird der Börsengang von Borussia Dortmund als spezieller Fall betrachtet?
Der BVB ist bisher der einzige deutsche Fußballverein, der diesen Schritt gewagt hat, was in der Arbeit anhand der Kursentwicklung und der speziellen Konzernstruktur kritisch beleuchtet wird.
Wie unterscheidet sich das Finanzierungsmodell von Bayer 04 Leverkusen von den anderen beiden Vereinen?
Im Gegensatz zu Bayern München und dem BVB profitiert Leverkusen von einer direkten und starken finanziellen Rückendeckung durch die Bayer AG, was als Werksverein-Modell analysiert wird.
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- Florian Koch (Author), Vanessa Rajovc (Author), 2014, Finanzierungskonzepte von Fußballvereinen. FC Bayern München, BVB Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/338427