Einer deutschen Studie zufolge, waren im Wintersemester 1998/99 von den 26.837 eingeschriebenen Studenten und Studentinnen im Studienfach Sozialwesen lediglich 28% Männer.
Die Kluft zwischen den weiblichen und männlichen Studentinnen wird nach Abschluss des Studiums noch größer, vor allem wenn man sich die Zahl jener ansieht, die nach dem Studium in einem Sozialen Beruf arbeiten. Im Jahr 1988 liegt der männliche Anteil bei 22%.Die Frage, warum das so ist, hat mich neugierig gemacht und mich zum Nachforschen angeregt.
Ich hoffe im Laufe meiner Seminararbeit eine Antwort darauf zu finden, warum diese Berufssparte in einer aufgeklärten und offenen Gesellschaft immer noch sehr einseitig besetzt ist. Meine Seminararbeit soll einen Überblick über den Zusammenhang zwischen Geschlechtern und der Wahl des Berufes hinsichtlich der Sozialen Arbeit bieten. Weiterhin werde ich der Frage auf den Grund gehen, warum sich eine Frau oder ein Mann für einen Sozialen Beruf entscheidet.
Inhaltsverzeichnis
1. 1. Einleitung:
2. Gender Mainstreaming:
3. Geschlechtsspezifische Hilfen in der Sozialen Arbeit:
4. Identität und Berufswahl:
4.1. Geschlechtsspezifische Rollenbilder:
4.1.1 Frauen und Sozialberufe:
4.1.2 Der Mann im Sozialberuf:
5. Resümee:
Zielsetzung & Themen
Die Seminararbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Geschlecht und der Wahl des Berufsfeldes im Bereich der Sozialen Arbeit. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, warum diese Berufssparte trotz gesellschaftlicher Entwicklungen nach wie vor überwiegend weiblich besetzt ist und welche identitätsstiftenden Faktoren sowie Rollenbilder diese Berufswahl beeinflussen.
- Die Relevanz von Gender Mainstreaming für die soziale Praxis.
- Einfluss von traditionellen und geschlechtsspezifischen Rollenbildern auf die Berufsbiografie.
- Herausforderungen und Potenziale für Männer in der Sozialen Arbeit.
- Bedeutung von Identitätsentwicklung für die Berufswahl.
- Notwendigkeit einer geschlechtergemischten Teamstruktur in sozialen Einrichtungen.
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Der Mann im Sozialberuf:
Die allgemeine Situation am Arbeitsmarkt wird immer enger und verlangt von Männern wie Frauen ein hohes Maß an Flexibilität. Viele Männer leisten Zivildienst und entdecken dadurch ihre Lust am Sozialberuf. Sozialberufe werden immer noch hauptsächlich als Tätigkeiten wie Helfen, Pflegen, Erziehen und Betreuen gesehen. Diese Synonyme sind für die meisten Männer eher unattraktiv und werden als „unmännlich“ empfunden. Ein Mann, der sich für einen Sozialen Beruf entscheidet, entscheidet sich somit zwangsläufig für eine „weibliche Identität“, weil er damit vom geschlechtsspezifischen Rollenverhalten abweicht. Die Unattraktivität dieser Berufswahl für Männer hängt somit auch mit der gesellschaftlichen Unterbewertung von Haus- und Erziehungsarbeit zusammen. 6Es gibt Aussagen, in denen davon gesprochen wird, dass Sozialarbeiter „weibliche Männer“ wären. Jene, die solche Aussagen tätigen, denken sehr unkritisch und in den traditionellen weiblichen und männlichen Rollenmustern. Umfragen unter Studenten ergaben, dass sich Männer in Sozialberufen als „emotionale, kommunikative, sensible Menschen“ betrachten und die Chance bewusst nutzen, um aus den traditionell vorherrschenden Rollenmustern auszubrechen. Sie haben gelernt, „Schwäche“ zeigen zu dürfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasserin motiviert ihre Themenwahl durch eigene Erfahrungen im Pflegebereich und die Beobachtung einer deutlichen Geschlechterasymmetrie in sozialen Berufsfeldern.
2. Gender Mainstreaming: Dieses Kapitel definiert Gender Mainstreaming als politisches Instrument zur Gleichstellung der Geschlechter in sämtlichen Entscheidungsprozessen.
3. Geschlechtsspezifische Hilfen in der Sozialen Arbeit: Hier wird der Ansatz der Mädchen- und Jungensozialarbeit erläutert, der auf die spezifischen Bedürfnisse beider Geschlechter eingeht, um Benachteiligungen abzubauen.
4. Identität und Berufswahl: Dieses Kapitel beleuchtet, wie gesellschaftliche Rollenbilder und individuelle Identitätskonzepte die Berufswahl prägen.
4.1. Geschlechtsspezifische Rollenbilder: Es wird analysiert, wie traditionelle Erwartungen an Mann und Frau die Vorstellung von Normalität im Erwerbsleben beeinflussen.
4.1.1 Frauen und Sozialberufe: Das Kapitel untersucht, warum das Feld der Sozialen Arbeit für Frauen historisch eine Chance zur beruflichen Identitätsbildung bot.
4.1.2 Der Mann im Sozialberuf: Die Analyse konzentriert sich auf die Hindernisse und die Identitätssuche von Männern, die sich entgegen traditioneller Rollenmuster für einen Sozialberuf entscheiden.
5. Resümee: Das Fazit stellt fest, dass die Soziale Arbeit weiblich geprägt bleibt, betont aber die Wichtigkeit gemischter Teams zur Deckung der vielfältigen Klientenbedürfnisse.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Geschlecht, Gender Mainstreaming, Identität, Rollenbilder, Berufswahl, Sozialberuf, Weiblichkeit, Männlichkeit, Gleichstellung, Mädchenarbeit, Jungenarbeit, Sozialforschung, Geschlechterrollen, Klientenbedürfnisse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das geschlechterspezifische Ungleichgewicht innerhalb der Berufssparte Soziale Arbeit und beleuchtet die Hintergründe dieser Verteilung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Gender Mainstreaming, die Entstehung geschlechtsspezifischer Rollenbilder sowie deren Einfluss auf die individuelle Berufswahl.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum soziale Berufe weiterhin einseitig besetzt sind und welche Bedeutung männliche und weibliche Identitäten in diesem Arbeitsfeld haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Einbindung sozialwissenschaftlicher Konzepte zu Identität, Sozialisation und Geschlechterrollen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Gender Mainstreaming, die Analyse von Geschlechterrollen und eine vertiefende Betrachtung der Situation von Frauen und Männern in Sozialberufen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziale Arbeit, Geschlecht, Identität, Rollenbilder und Berufswahl.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Männern in der Sozialen Arbeit?
Die Autorin betrachtet den Einstieg von Männern in das Feld als Bruch mit traditionellen Rollenmustern und betont die Wichtigkeit männlicher Fachkräfte für ein ausgeglichenes Betreuungsteam.
Warum ist ein ausgeglichenes Team aus Sicht der Autorin wichtig?
Je nach Zielgruppe und individueller Vorgeschichte der Klienten können männliche oder weibliche Betreuungspersonen unterschiedliche Bedürfnisse besser adressieren oder bestimmte Vertrauensverhältnisse aufbauen.
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- Michaela Rambauske (Author), 2010, Ist Soziale Arbeit weiblich? Soziale Arbeit und Geschlecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/338362