Als Grundlage einer jeden soliden Geschäftsführung einer Bank wird ein angemessenes,
haftendes Eigenkapital und ausreichende Liquidität verstanden. Zu Zeiten der
Finanz- und Wirtschaftskrise wurde allerdings bewusst und sichtbar dass diese
Grundlage nicht vorhanden war. Es wurde klar dass sich insbesondere im Bankensektor
eine unverhältnismäßig hohe Fremdfinanzierung aufgebaut hatte und die Eigenkapitalausstattung
der Banken unübersehbare Qualitätslücken aufwies. Die aufgelaufenen
Verluste konnten von den Banken nicht mehr getragen werden. Lediglich
durch staatliche Stützungsmaßnahmen konnten noch weitreichendere Folgen der Finanzkrise
verhindert werden. Der daraus entstandene Vertrauensverlust führte bei
den Banken untereinander zu größtem Misstrauen und mündete in eine Liquiditätskrise,
sprich die Banken waren untereinander nicht mehr bereit sich gegenseitig
Geldmittel zur Verfügung zu stellen – der Rest ist Geschichte. Deshalb liegt das
Hauptaugenmerk des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) darauf, die
Eigenkapitalqualität und Liquidität der Banken nachhaltig zu verbessern.
In dieser Seminararbeit wird aufgezeigt wie sich die regulatorischen Anforderungen
an Banken unter Basel III weiterentwickelt haben und wie die Kreditpreiskalkulation
dadurch beeinflusst wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Kalkulation von Kreditpreisen vor dem Hintergrund von Basel III
2.1. Grundlagen
2.2. Veränderungen unter Basel III
2.3. Bestandteile bei der Preiskalkulation von Kreditpreisen
2.4. Einfluss des Ratings auf Kreditkonditionen
2.5. Anwendung in der Praxis - Berechnungsbeispiel
3. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die verschärften regulatorischen Anforderungen durch Basel III auf die Banken auswirken und in welcher Form diese Veränderungen die Kreditpreiskalkulation für Unternehmen beeinflussen.
- Grundlagen der Bankenregulierung und die historische Entwicklung von Basel I bis Basel III
- Struktur der Eigenkapitalanforderungen und Liquiditätskennziffern (LCR, NSFR)
- Detaillierte Analyse der Bestandteile einer Kreditpreiskalkulation
- Quantitativer Vergleich der Auswirkungen von Basel II zu Basel III anhand eines Praxisbeispiels
Auszug aus dem Buch
2.1. Grundlagen
Der BCBS ist bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich angesiedelt. Das Komitee wurde 1974 von den Zentralbanken der G10-Staaten gegründet und besteht derzeit aus 27 Ländern. Darunter befinden sich Repräsentanten der Zentralbanken und der Aufsichtsbehörden der Mitgliedsstaaten. Der BCBS ist weltweit die wichtigste Instanz der Bankenregulierung. Ihr Ziel ist es, die Bankenaufsicht in Bezug auf Regelungen, Verfahren und Bankpraktiken weltweit zu stärken und dadurch die Finanzstabilität nachhaltig zu verbessern.
Im Jahr 1988 wurde Basel I eingeführt. Dabei wurde lediglich das Mindestkapital der Banken als entscheidende Größe die Begrenzung der Risiken herangezogen. Die Eigenkapitalanforderungen unter Basel I berücksichtigten ausschließlich Kredit- und Marktrisiken, wobei die Berechnung zur Kapitalanforderung bei Kreditrisiken sehr eingeschränkt differenziert war.
Mit Einführung von Basel II, Ende des Jahres 2006, sollte dieser Problematik Abhilfe geschaffen werden. Es zielt somit auf ein risikoadjustiertes Pricing ab und meint, dass die Kapitalanforderungen an Banken vom eingegangenen Risiko (Kundenbonität) abhängig zu machen sind. Als entscheidende Größe wird das Rating herangezogen. Man unterscheidet das externe Rating (Standardansatz), dass von Ratingagenturen zur Verfügung gestellt wird und das interne Rating, das Banken aus historischen Daten und unter Berücksichtigung verschiedener Eckdaten ermitteln. Beim internen Rating können der Basis- und der Fortgeschrittene Ansatz anhand nachfolgender Formel angewandt werden.
Risikogewichtetes Aktivum = EAD · RW (PD, LGD, M)
Beim Basisansatz schätzt die Bank die Ausfallwahrscheinlichkeit (PD). Die Bankenaufsicht gibt die Forderungshöhe bei Ausfall (EAD) und Verlustquote (LGD) vor. Die Restlaufzeit der Forderung (M) wird mit 2,5 Jahre bestimmt. Beim Fortgeschrittenen Ansatz werden alle Größen von der Bank ermittelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Folgen der Finanzkrise 2007/2008 und die daraus resultierende Notwendigkeit einer verschärften Bankenregulierung durch Basel III zur Stärkung der Eigenkapitalqualität.
2. Die Kalkulation von Kreditpreisen vor dem Hintergrund von Basel III: Dieser Teil erläutert die regulatorischen Grundlagen, die Veränderung der Eigenkapitalanforderungen, die Komponenten der Kreditpreiskalkulation sowie den Einfluss von Ratings.
2.1. Grundlagen: Es werden die Aufgaben des BCBS und die historische Entwicklung der Eigenkapitalregulierung von Basel I über Basel II bis hin zu den Grundformeln der Risikogewichtung dargestellt.
2.2. Veränderungen unter Basel III: Kapitel 2.2 analysiert die Einführung neuer Kennzahlen wie die Leverage Ratio, die Liquidity Coverage Ratio (LCR) und die Net Stable Funding Ratio (NSFR) zur Steigerung der Stabilität.
2.3. Bestandteile bei der Preiskalkulation von Kreditpreisen: Hier werden die fünf zentralen Komponenten des Kreditpreises, von den Refinanzierungskosten bis hin zu den Eigenkapitalkosten, detailliert definiert.
2.4. Einfluss des Ratings auf Kreditkonditionen: Das Kapitel veranschaulicht die Bedeutung von internen und externen Ratings sowie deren mathematische Auswirkung auf die Risikokosten und Eigenkapitalkosten.
2.5. Anwendung in der Praxis - Berechnungsbeispiel: Anhand eines konkreten Beispiels einer GmbH wird quantitativ aufgezeigt, wie die Eigenkapitalbelastung und der resultierende Kundenzins unter den Bedingungen von Basel III ansteigen.
3. Fazit und Ausblick: Die abschließende Betrachtung bewertet die Auswirkungen der strengeren Auflagen und betont die Notwendigkeit einer partnerschaftlichen Kommunikation zwischen Bank und Kunde.
Schlüsselwörter
Basel III, Bankenregulierung, Eigenkapitalanforderungen, Kreditpreiskalkulation, Risikoadjustiertes Pricing, BCBS, Liquidität, Rating, Leverage Ratio, LCR, NSFR, Kreditrisiko, Finanzstabilität, Mittelstandsfinanzierung, Eigenkapitalkosten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich die regulatorischen Anforderungen von Basel III auf die Kalkulation von Kreditpreisen für Unternehmen auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen die Historie der Bankenregulierung, die Eigenkapitalanforderungen, Liquiditätskennzahlen wie LCR und NSFR sowie die betriebswirtschaftliche Preiskalkulation von Bankkrediten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie regulatorische Vorgaben unter Basel III die Kreditpreise beeinflussen und welche Rolle das Rating eines Unternehmens dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Analyse regulatorischer Vorschriften sowie eine quantitative Beispielrechnung zur Veranschaulichung der Kreditpreisveränderungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Regulierung, die Bestandteile der Kreditpreiskalkulation und die praktische Anwendung an einem Beispiel eines mittelständischen Unternehmens erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Basel III, Eigenkapitalanforderungen, Kreditpreiskalkulation, Risikoadjustiertes Pricing und Liquiditätsmanagement.
Wie verändert Basel III die Eigenkapitalunterlegung im Vergleich zu Basel II?
Basel III erhöht die Anforderungen an das Eigenkapital und führt zusätzliche Puffer sowie Liquiditätskennzahlen ein, um Banken krisenfester zu machen.
Welchen Einfluss hat das Rating auf den Zinssatz für Firmenkunden?
Ein besseres Rating reduziert das Risiko der Bank, was in der Regel zu niedrigeren Eigenkapitalkosten und damit zu einem günstigeren Zinssatz für das Unternehmen führt.
Warum steigen für Unternehmen die Kreditkosten unter Basel III an?
Die höheren Eigenkapitalvorhaltekosten für die Banken werden durch eine entsprechende Preisgestaltung auf die Kreditnehmer umgelegt.
Welche Rolle spielt die "Goldene Bankregel" im Kontext der neuen Liquiditätskennzahlen?
Die Goldene Bankregel besagt, dass langfristige Anlagen auch langfristig finanziert werden müssen, was durch die Net Stable Funding Ratio (NSFR) unter Basel III regulatorisch verankert wird.
- Quote paper
- Michael Nowak (Author), 2016, Die Kalkulation von Kreditpreisen vor dem Hintergrund von Basel III, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/336919