Die Frage, ob religiöser Glaube die psychische Widerstandskraft des Menschen gegenüber Schicksalsschlägen stärkt, beschäftigt selbst die heutige säkulare Gesellschaft des Westens und konnte bislang von der Wissenschaft noch nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Der römisch-katholische Theologe und Philosoph Elias D. Stangl hat seine Dissertation hauptgegenständlich einer der noch offenen wissenschaftlichen Fragen, nämlich jener nach einem möglichen Zusammenhang zwischen Glauben und Resilienz, also psychischer Widerstandskraft, bei Erwachsenen gewidmet.
Die Beantwortung dieser Frage ist nicht zuletzt bedeutend, um zukünftig allenfalls religiösen Glauben als Potential zur Entwicklung von Resilienz zu erkennen, einzusetzen und zu fördern. Eine wesentliche Weiterentwicklung des bisherigen Stands der Forschung durch das Werk Stangls ist zwar nicht erkennbar. Es ist jedoch eine lesenswerte Einführung in die Thematik.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Darstellung des Inhalts der Dissertation von Elias D. Stangl
Beurteilung des Werks
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Fragestellung, inwiefern ein Zusammenhang zwischen religiösem Glauben und der Entwicklung psychischer Widerstandskraft (Resilienz) bei Erwachsenen besteht, mit dem Ziel, den Glauben als Potenzial zur Resilienzförderung zu evaluieren.
- Grundlagen und Definitionen von Resilienz
- Multidimensionalität des Resilienzkonzepts
- Systematische und praktisch-theologische Analyse des Glaubens
- Interdisziplinärer Dialog zwischen Theologie und Psychologie
- Empirische Untersuchung von Glauben und Resilienz
Auszug aus dem Buch
Darstellung des Inhalts der Dissertation von Elias D. Stangl
Laut Stangl sind dann, wenn ein Mensch trotz widriger Umstände bzw. angesichts negativer Einflüsse gedeihe, also einen positiven Entwicklungsverlauf nehme, wesentliche Kriterien erfüllt, welche für das Phänomen und den Prozess der Resilienz ausschlaggebend seien (S. 35).
Der Autor führt zunächst anhand der alttestamentlichen Josefsgeschichte (Gen 37, 39-48 und 50) zur Thematik der Resilienz hin (S. 36-43). Hiernach legt er einleitende Klärungen zum Begriff der Resilienz vor (S. 43-54), bei welchen er insbesondere Vorentscheidungen für die Auseinandersetzung mit Resilienz trifft (S. 45-54). In der Perspektive der Entwicklungspsychologie und Entwicklungspsychopathologie sei der Blick auf das Auftreten oder Ausbleiben psychischer Störungen zentral für die Identifizierung von Resilienz, während es in anderen Perspektiven durch Berücksichtigung weiterer Dimensionen menschlichen Lebens auch um Aspekte von Transzendenz und um persönliche Reifung gehe (S. 54).
Da im psychologisch-pädagogischen Kontext das Konzept der Resilienz nur angesichts widriger Umstände sinnvoll anwendbar sei (S. 54), behandelt der Autor im Folgenden solche Umstände, zu denen er psychischen Stress – unter Berücksichtigung des Stressmodells nach Richard S. Lazarus (1922-2002) und des Umgangs mit Stress aus neurobiologischer Sicht –, Risikofaktoren mit Vulnerabilitätscharakter, normative und nichtnormative Krisen sowie mittelschwere und schwere Traumatisierungen zählt (S. 54-72).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob religiöser Glaube die psychische Widerstandskraft stärken kann, und erläutert den pastoralpsychologischen Fokus der Dissertation.
Darstellung des Inhalts der Dissertation von Elias D. Stangl: Dieses Kapitel bietet einen detaillierten Überblick über die theoretischen Grundlagen zur Resilienz, die theologische Betrachtung des Glaubens und die methodische Anlage der eigenen empirischen Studie des Autors.
Beurteilung des Werks: In diesem Teil erfolgt eine kritische Würdigung der Dissertation, wobei sowohl die klare Strukturierung gelobt als auch methodische und inhaltliche Lücken in der Forschungsarbeit aufgezeigt werden.
Schlüsselwörter
Resilienz, Glaube, Psychologie, Theologie, Pastoralpsychologie, Krisenbewältigung, Gedeihen, Religiosität, Salutogenese, Entwicklung, Erwachsenenalter, Stressmodell, Ressourcenorientierung, Gottesbild, Empirische Studie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie religiöser Glaube als psychische Widerstandskraft (Resilienz) bei Erwachsenen fungieren kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Konzepte von Resilienz und Salutogenese, die systematische und praktisch-theologische Einordnung des Glaubens sowie deren Verschränkung in der Pastoralpsychologie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob religiöser Glaube als Potenzial zur Entwicklung von Resilienz erkannt und gefördert werden kann, um Menschen bei der Bewältigung von Schicksalsschlägen zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf den aktuellen Forschungsstand der Theologie und Psychologie sowie auf eine eigene empirische Studie, die unter anderem Leitfadeninterviews und die Resilienzskala RS-11 umfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Analysen des Resilienzbegriffs, eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Glauben aus systematischer und praktisch-theologischer Sicht sowie die Darstellung und Auswertung einer eigenen Forschungsstudie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Resilienz, Glaube, Pastoralpsychologie, Krisenbewältigung, Gedeihen sowie die Interdisziplinarität zwischen Theologie und Psychologie.
Wie bewertet der Rezensent die Struktur der Arbeit?
Die Struktur wird als klar und logisch hervorgehoben, obwohl einige formelle Mängel, wie redundante Untertitel, angemerkt werden.
Welche Kritikpunkte äußert die Rezension an der Forschungsarbeit?
Die Rezension kritisiert unter anderem das Fehlen einer Auseinandersetzung mit religiösem Coping, die unzureichende Differenzierung zur Lebenssituation junger Erwachsener sowie eine teilweise zu dürftige Darstellung der Ideengeschichte des Glaubens.
- Quote paper
- Dr.iur. Andrea G. Röllin (Author), 2016, Rezension: Elias D. Stangl, Resilienz durch Glauben? Die Entwicklung psychischer Widerstandskraft bei Erwachsenen (2016), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/336797