Die vorliegende Arbeit widmet sich der Untersuchung einer für die romanische Baugeschichte Frankreichs bedeutsamen Kirche, die an der der einstigen Schnittstelle zwischen Orient und Okzident gebaut wurde. Notre-Dame-la-Grande zu Poitiers war in mancher Hinsicht wegweisend für die Errichtung und Gestaltung programmatisch aufgeladener Kirchenfassaden. Nach einer Zusammenfassung der Geschichte von Region, Stadt und Kirche betrachten wir den heutigen Zustand des Bauwerks, insbesondere im Hinblick auf die neuerlich erfolgte Restaurierung. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Westfassade in ihrer wohlproportionierten Gesamtanlage und dem ikonographisch reichhaltigen Bildprogramm, dessen Hauptthema, die Menschwerdung Christi, im Detail aufgezeigt werden soll. Betrachtungen zu Einzelheiten der Ausführung, ihre Bedeutung hinsichtlich der Ausstrahlung von Notre-Dame-la-Grande und die Zusammenfassung der Ergebnisse schließen die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geographischer und historischer Kontext
3 Gesamtanlage
3.1 Baugeschichte
3.2 Grundriss
3.3 Restaurierung
4 Westfassade
4.1 Beschreibung
4.2 Bildprogramm
4.3 Deutung
5 Ausarbeitung und Auswirkungen
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Architektur und das ikonographische Programm der Kirche Notre-Dame-la-Grande in Poitiers, um deren Bedeutung für die romanische Baugeschichte Frankreichs und die Ausstrahlung des Bauwerks im Mittelalter herauszuarbeiten.
- Historischer Kontext der Stadt Poitiers und der Kirchengründung
- Baugeschichte und bauliche Entwicklung der Gesamtanlage
- Detaillierte Analyse des ikonographischen Programms der Westfassade
- Mathematische Proportionsanalysen der Fassadengliederung
- Dokumentation und methodische Ansätze der Restaurierung
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Nebukadnezar
Die Inschrift NABUCODONOSOR REX lässt keinen Zweifel, wer in der zweiten Szene dargestellt ist. Als königliches Attribut trägt er heute nur noch die Krone. Das Szepter in seiner Rechten fehlt größtenteils, seine linke Hand ist abgebrochen, wie überhaupt der ganze Kopf schwer beschädigt ist. König Nebukadnezar hat einen Bart und dichtes, in Locken nach hinten fallendes Haar. Er trägt eine lange Tunika und darüber einen Mantel.
Die Darstellung dieser schlecht beleumundeten Figur, immerhin zerstörte er Jerusalem und verschleppte die Juden nach Babylon, an so prominenter Stelle ist überaus ungewöhnlich. Allerdings erkannte er anlässlich zweier Begebenheiten den einen Gott Israels an. Als nämlich Daniel des Königs Traum von der Statue deutete und als Nebukadnezar die drei Jünglinge in den Feuerofen werfen ließ, weil sie sein goldenes Standbild nicht anbeteten. Sie traten unversehrt hinaus und Nebukadnezar rief aus: „Gelobet sei der Gott Sadrach, Mesach und Abednego, […] denn es ist kein anderer Gott, der also erretten kann, als dieser.“ Das reiht ihn in die Zeugen Gottes ein und rechtfertigt seinen Platz in der Bildfolge vor den Propheten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstandes und der Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Bedeutung der Kirche Notre-Dame-la-Grande.
2 Geographischer und historischer Kontext: Erläuterung der Bedeutung der Stadt Poitiers an der Schnittstelle zwischen Orient und Okzident und deren wechselvolle Geschichte.
3 Gesamtanlage: Untersuchung der Baugeschichte, des Grundrisses sowie der historischen und modernen Restaurierungsschritte des Bauwerks.
4 Westfassade: Zentrale Analyse des Aufbaus, der mathematischen Proportionen und des umfassenden ikonographischen Programms inklusive einer theologischen Deutung.
5 Ausarbeitung und Auswirkungen: Diskussion der handwerklichen Qualität der Skulpturen und der stilistischen Einflüsse auf den romanischen Kirchenbau der Region.
6 Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse zur Vorbildfunktion der Westfassade und ihrer kirchenpolitischen Bedeutung.
Schlüsselwörter
Notre-Dame-la-Grande, Poitiers, Romanik, Westfassade, Ikonographie, Bildprogramm, Architektur, Restaurierung, Baugeschichte, Skulptur, Mittelalter, Menschwerdung Christi, Wurzel Jesse, Proportion, Sakralkunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer der bedeutendsten romanischen Kirchen Frankreichs, Notre-Dame-la-Grande in Poitiers, und deren architektonischer sowie skulpturaler Ausgestaltung.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Neben dem historischen Kontext der Stadt Poitiers stehen die Baugeschichte, die architektonische Gliederung der Westfassade und das komplexe Bildprogramm der Skulpturen im Zentrum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Fassade als programmatisch aufgeladenes Element zur Verbreitung theologischer Dogmen beigetragen hat und welche Vorbildfunktion sie für die Zeit genoss.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert kunsthistorische Bildanalyse, historische Quellenarbeit zur Baugeschichte und mathematische Proportionsanalysen der Fassadenstruktur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv der Westfassade, ihrer detaillierten Beschreibung, dem ikonographischen Bilderfries, der Deutung der Szenen sowie der technischen Ausarbeitung der Skulpturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den Kernbegriffen zählen unter anderem Romanik, Ikonographie, Westfassade, Baugeschichte, Notre-Dame-la-Grande und das Programm der Menschwerdung Christi.
Welche Rolle spielt die Restaurierung für das Verständnis der Fassade?
Die Restaurierung lieferte wichtige neue Erkenntnisse, etwa über die ursprüngliche Polychromie der Fassade und die geologischen Hintergründe der verwendeten Kalksteine.
Warum wird die Figur des Nebukadnezar im Bilderfries besonders hervorgehoben?
Seine Darstellung ist aufgrund seiner historischen Rolle als Verfolger der Juden ungewöhnlich, wird aber durch seine spätere Anerkennung des einen Gottes Israels legitimiert.
- Arbeit zitieren
- Julian Redlin (Autor:in), 2003, Beobachtungen an der Fassade von Notre-Dame-la-Grande zu Poitiers, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/33643