Ziel dieser Arbeit ist es, die Aspekte der Finanzierbarkeit und der Beschäftigungseffekte eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE), wie es von Ingried Hohenleitner und Thomas Staubhaar vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut vorgeschlagen wird, zu erläutern. Es soll diskutiert werden, welche Effekte durch die Einführung eins BGE auftreten können und ob eine budgetneutrale Finanzierung dauerhaft möglich ist. Des Weiteren wird das Konzept zum Grundeinkommen von Hohenleitner und Staubhaar mit anderen Vorschlägen zum BGE aus verschiedenen politischen Lagern verglichen. Eine abschließende Einschätzung zeigt Stärken und Schwächen des Konzepts auf und gibt einen Ausblick.
Das Sozialbudget der Bundesrepublik Deutschland lag im Jahr 2012 bei 782,4 Mrd. €. Dies entspricht mehr als 9.700 € pro Bundesbürger bzw. knapp 30 % des BIP. Auch die Entwicklung gibt Grund zur Sorge. In den letzten zehn Jahren stieg das Sozialbudget beispielsweise um 133 Mrd. € an. Dies kommt Mehrausgaben pro Bürger von mehr als 1.600 €. Schätzungen zufolge wird der Trend steigender Sozialausgaben auch in Zukunft weiter gehen. Eine alternde Bevölkerung und anhaltende unfreiwillige Arbeitslosigkeit könnten die Kosten der Sozialsysteme zukünftig weiter in die Höhe treiben. Defizite im Budget werden immer wieder partiell durch Sozialreformen, wie beispielsweise der Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, gedeckt, ohne die zugrunde liegenden Probleme steigender Sozialausgaben zu lösen.
Ingried Hohenleitner und Thomas Staubhaar vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) plädieren deshalb für die Einführung eines BGE in seiner idealtypischen Form, um den Sozialstaat zukunftsfähig zu machen. Die bedingungslose Auszahlung eines existenzsichernden Grundtransfers an alle Bürger setzt sozialstaatliche Prinzipien, bspw. das Bedürftigkeitsprinzip außer Kraft und stellt einen „Systemwechsel statt Systemreparatur“dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Grundeinkommen
2.1 Geschichte
2.2 Modelle
3. Finanzierbarkeit
3.1 Kosten des BGE
3.2 Einsparpotentiale
3.3 Finanzierung
3.4 Kritik und offene Fragen
4. Beschäftigungseffekte
4.1 Simulation
4.2 Qualitative Diskussion
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die ökonomische Tragfähigkeit sowie die potenziellen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bei der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE), wobei der Fokus insbesondere auf den Modellen von Hohenleitner & Straubhaar sowie Dieter Althaus liegt.
- Vergleich verschiedener Grundeinkommenskonzepte und deren historischer Kontext.
- Untersuchung der Finanzierbarkeit und der notwendigen steuerlichen Anpassungen.
- Quantifizierung der Beschäftigungseffekte durch stilisierte Simulationen.
- Qualitative Diskussion von Arbeitsanreizen und Verhaltensanpassungen.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Das Sozialbudget der Bundesrepublik Deutschland lag im Jahr 2012 bei 782,4 Mrd. € (vgl. Bundesministerium für Arbeit undSoziales, 2013). Dies entspricht mehr als 9.700 € pro Bundesbürger bzw. knapp 30 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Nur Frankreich hat im europaweiten Vergleich einen höheren Anteil von Sozialausgaben am BIP. Auch die Entwicklung gibt Grund zur Sorge. In den letzten zehn Jahren stieg das Sozialbudget beispielsweise um 133 Mrd. € an. Dies kommt Mehrausgaben pro Bürger von mehr als 1.600 €. Schätzungen zufolge wird der Trend steigender Sozialausgaben auch in Zukunft weiter gehen (hierzu z.B. Prognos AG, 2006). Eine alternde Bevölkerung und anhaltende unfreiwillige Arbeitslosigkeit könnten die Kosten der Sozialsysteme zukünftig weiter in die Höhe treiben.
Defizite im Budget werden immer wieder partiell durch Sozialreformen, wie beispielsweise der Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, gedeckt, ohne die zugrunde liegenden Probleme steigender Sozialausgaben zu lösen. Ingried Hohenleitner und Thomas Staubhaar vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) plädieren deshalb für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) in seiner idealtypischen Form, um den Sozialstaat zukunftsfähig zu machen. Das BGE „ist ein Einkommen, das von einem politischen Gemeinwesen an alle seine Mitglieder ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Gegenleistung individuell ausgezahlt wird“ (Vanderborght & Parijs, 2005). Die bedingungslose Auszahlung eines existenzsichernden Grundtransfers an alle Bürger setzt sozialstaatliche Prinzipien, bspw. das Bedürftigkeitsprinzip außer Kraft und stellt einen „Systemwechsel statt Systemreparatur“ (Hohenleitner & Straubhaar, 2008) dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der aktuellen Belastung des deutschen Sozialbudgets und Motivation für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens als notwendigen Systemwechsel.
2. Das Grundeinkommen: Historischer Abriss der Grundeinkommensidee und detaillierte Vorstellung der Konzepte "idealtypisches BGE", "Solidarisches Bürgergeld", LINKE-Modell sowie "Liberales Bürgergeld".
3. Finanzierbarkeit: Analyse der Kosten für ein BGE, der Einsparpotenziale durch den Wegfall bestehender Sozialleistungen sowie Berechnungsmöglichkeiten der Finanzierung über Steuerkonzepte.
4. Beschäftigungseffekte: Untersuchung der Auswirkungen auf das Arbeitsangebot und die Arbeitsnachfrage mittels stilistischer Simulationen und qualitativer Diskussionen zur Verhaltensökonomik.
5. Fazit und Ausblick: Abschließende Würdigung der Problematik, dass trotz der theoretischen Debatten empirische Belege fehlen und die Prognosesicherheit für einen solchen Systemwechsel derzeit nicht gegeben ist.
Schlüsselwörter
bedingungsloses Grundeinkommen, Finanzierbarkeit, Beschäftigungseffekte, Sozialbudget, Flat-Tax, Solidarisches Bürgergeld, Arbeitsmarkt, Arbeitsangebot, Arbeitsnachfrage, soziokulturelles Existenzminimum, Systemwechsel, Transferentzugsrate, Lohnnebenkosten, Statische Analyse, Arbeitsanreize.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die potenziellen arbeitsmarktpolitischen Folgen der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Schwerpunkte sind die Finanzierbarkeit durch verschiedene Steuerkonzepte sowie die Veränderung des Arbeitsangebots und der Beschäftigungssituation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Konzepte zur Einführung eines BGE zu erläutern und zu diskutieren, ob eine budgetneutrale Finanzierung und positive Beschäftigungseffekte plausibel sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine Analyse der Fachliteratur, statische Berechnungsmodelle der Finanzierung sowie stilisierte ökonomische Simulationen der Arbeitsmarkteffekte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene BGE-Modelle (insbesondere H&S und Althaus) gegenübergestellt, deren Kosten- und Finanzierungsrechnungen analysiert und die theoretischen Auswirkungen auf Beschäftigung und Lohnstruktur diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie bedingungsloses Grundeinkommen, Finanzierbarkeit, Beschäftigungseffekte, Flat-Tax und Systemwechsel definieren.
Wie unterscheiden sich die Konzepte von Hohenleitner & Straubhaar und Dieter Althaus?
Während das idealtypische Modell von H&S auf ein BGE mit Flat-Tax setzt, fungiert das Solidarische Bürgergeld von Althaus eher wie eine negative Einkommensteuer mit einer zweistufigen Besteuerung.
Warum wird im Dokument die "Lucas-Kritik" erwähnt?
Die Lucas-Kritik dient dazu, darauf hinzuweisen, dass sich das Verhalten von Menschen bei einem fundamentalen Systemwechsel ändert und Berechnungen auf Basis historischer Daten daher nur begrenzt aussagekräftig sind.
Was ist das Fazit zur empirischen Basis eines BGE?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es an eindeutigen empirischen Belegen mangelt und aufgrund der Tragweite eines solchen Systemwechsels derzeit ein unzureichendes Maß an Prognosesicherheit besteht.
- Quote paper
- Michael Betz (Author), 2014, Bedingungsloses Grundeinkommen als Zukunft des Sozialstaats? Finanzierbarkeit und Beschäftigungseffekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/335619