Beim ersten Lesen des 'Iwein' von Hartmann von Aue bin ich bei der Streitszene Keies und Iweins hängen geblieben. Wer ist dieser Keie, dass er mit dem Romanhelden in dieser Art und Weise spricht? Ist die Kritik berechtigt und welchen Hintergrund hat sie?
Mir sprangen sofort tausend Fragen im Kopf umher. Sollte schon damals in Form von Literatur Kritik am politischen System geübt worden sein? Und genau dieser Fragestellung wollte ich näher auf den Grund gehen.
'Iwein' von Hartmann von Aue ist ein um 1200 verfasster mittelhochdeutscher Artusroman. Iwein ist der Romanheld, der zusammen mit Gawein und Keie Mitglied der Artusgesellschaft rund um König Artus ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das System Artushof und die ritterliche Tugend
2.1 „Künec Artûs der guote“ und ritterliche Werte
2.2 Der Begriff der „êre“
2.3 Der Artushof – ein Märchen oder eine politische Machtstruktur
3. Der Vergleich von Gawein und Keie
3.1 Gawein, der „hofschte“ Mann
3.2 Der Truchseß Keie – „falschlîcher muot“ oder Pflichterfüllung?
3.3 Die Streitszene
4. Funktion des Truchseß Keie
4.1 Formale Funktion in der Romanstruktur des Iwein
4.2 Inhaltliche Funktion als Schlüsselfigur
4.3 Funktion der Aufklärung über die Wirklichkeit des Systems
4.4 Funktion der Kritik am System und Publikumsappell
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Rolle des Truchsess Keie in Hartmanns von Aue Artusroman "Iwein" und hinterfragt, ob die Figur als Instrument für eine versteckte Kritik am höfischen System dient. Ziel ist es, die Funktionen Keies innerhalb der Romanstruktur und sein Verhältnis zum ritterlichen Tugendsystem herauszuarbeiten.
- Analyse des ritterlichen Tugendsystems und des Begriffs der "êre" im Artusroman.
- Polarität der Nebenfiguren: Der Vergleich zwischen dem idealen Gawein und dem kritischen Keie.
- Die formale und inhaltliche Bedeutung von Keie als Schlüsselfigur des Werkes.
- Demaskierung des höfischen Lebens als politische Machtstruktur durch die Figur Keies.
- Untersuchung von Keies Rolle als systemerhaltender Kritiker und Provokateur.
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Truchseß Keie – „falschlîcher muot“ oder Pflichterfüllung?
Keie ist ebenfalls einer der zwölf Ritter der Artusgesellschaft, jedoch ist seine Funktion am Hof klar definiert: ih bin truhseze hie ze hûs (V. 4639). Damit ist Keie der einzige Artusritter im 'Iwein', dessen Funktion klar ist. Als Truchseß hat Keie die Kontrolle über die Staatsfinanzen, setzt den Willen des König Artus' anderen gegenüber im Hintergrund durch, sodass er sich „die Hände schmutzig“ macht. Der Truchseß hat also eine negative undankbare Rolle. Das Amt des Truchseß hat somit in der Literatur und auch in der Wirklichkeit zu der Zeit mit Vorurteilen zu kämpfen und führt zu einem schlechten Bild Keies.
„Die Gestalt des Keie besitzt […] generell zwei feste Grundeigenschaften […] Bosheit und Tüchtigkeit (Tapferkeit). Sie bestimmen den widersprüchlichen 'Charakter' Keies.“
[…] ir dunchet iuch sô vol chomen. Deiswâr ir habt iuch an genomen irn wizzet hiute waz. (V. 125 ff.)
Es wird immer wieder deutlich, wie selbstbewusst Keie ist und wie tüchtig er seinen Pflichten nachkommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, welche Funktion der scheinbar belanglosen Nebenfigur Keie im Artusroman zukommt und ob durch ihn Kritik am System geübt wird.
2. Das System Artushof und die ritterliche Tugend: Dieses Kapitel untersucht das Tugendsystem, den Begriff der „êre“ und den Artushof als politisches Konstrukt im Vergleich zur historischen Realität.
3. Der Vergleich von Gawein und Keie: Hier wird die Polarität zwischen dem Musterritter Gawein und dem als disharmonisch empfundenen Keie analysiert, um ihre unterschiedlichen Rollen im Hofgefüge zu verdeutlichen.
4. Funktion des Truchseß Keie: Das Kapitel arbeitet die formale und inhaltliche Rolle Keies heraus, insbesondere seine Funktion als Schlüsselfigur, die das System durch Provokation schützt und die politische Wirklichkeit hinter dem glänzenden Schein aufdeckt.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Keie als bewusst gesetzte Figur fungiert, die durch ihre Polarisierung eine kritische Auseinandersetzung des Publikums mit den Machtstrukturen des Artushofes anregt.
Schlüsselwörter
Hartmann von Aue, Iwein, Artusroman, Keie, Gawein, êre, ritterliches Tugendsystem, höfische Gesellschaft, politische Machtstruktur, Literaturkritik, Mittelalter, höfisches Epos, Sozialstruktur, Schlüsselfigur, Tugend.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Funktion der Figur des Truchsess Keie im mittelhochdeutschen Artusroman "Iwein" von Hartmann von Aue.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das ritterliche Tugendsystem, der Begriff der "êre", das höfische Ideal sowie der Vergleich zwischen literarischer Darstellung und politischer Realität des Mittelalters.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die Figur Keie eine versteckte Kritik am System des Artushofes darstellt und welche Funktion er innerhalb der Romanstruktur einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zur höfischen Epik und Gesellschaftsstruktur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird das System des Artushofes definiert, ein Vergleich zwischen Gawein und Keie gezogen und die funktionale Rolle des Truchsess detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Artusroman, Iwein, Keie, êre, Tugendsystem, politische Machtstruktur und literarische Funktion.
Warum wird Keie oft als negative Figur wahrgenommen?
Keie übernimmt das undankbare Amt des Truchsess und übt Kritik an anderen Rittern, was in der höfischen Welt auf Vorurteile stößt und seine Rolle als Systembewahrer widersprüchlich erscheinen lässt.
Inwiefern dient Keie als Schlüsselfigur?
Ohne die kritisierenden Impulse von Keie, die den Helden Iwein zur Bewährung am Brunnen antreiben, würde der Handlungsverlauf des Romans nicht in Bewegung kommen.
Was ist das Ergebnis bezüglich der Kritik am Artushof?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Keie durch seine Polarisierung dazu beiträgt, den schönen Schein des Artushofes zu demaskieren und als politisches Machtsystem erkennbar zu machen.
- Quote paper
- Caroline Baader (Author), 2016, Die Funktion der Figur Keie im "Iwein" Hartmanns von Aue. Versteckte Kritik am System Artushof?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/335017