Die vorliegende Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, "Claus Bur" als Fastnachtspiel im Dienste der Reformation näher zu beleuchten.
Dazu werden im ersten Teil der Arbeit einige Vorüberlegungen angestellt: Das Spiel wird zunächst in die Tradition des Fastnachtspiels eingeordnet. Es folgt ein kurzer Abriss über Kirche, Bauer und Reformation, um die von der Reformation geprägten Vorwürfe des Bauern an Kirche und Geistlichkeit einordnen zu können. Anschließend wird auf die sich verändernde Bauerngestalt, d.h. der Bauer als evangelisches Sprachrohr, eingegangen.
Den Hauptteil bildet der zweite Teil der Arbeit, in dem ein Interpretationsversuch des Fastnachtspiels gewagt werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Spiel „Claus Bur“ in der Tradition des Fastnachtspiels
3 Kirche, Bauer und Reformation
4 Vom Bauernnarren zum Bauern als Sprachrohr der Reformation
5 „Claus Bur“: Ein Interpretationsversuch
5.1 Claus Bur – de Hůrpape
5.2 Claus Bur – de Fiscael
5.3 Claus Bur – de Doctor
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das mittelniederdeutsche Fastnachtspiel „Claus Bur“ aus dem Jahr 1523 als ein Dokument der Reformationszeit, um seine Rolle als polemisches Sprachrohr lutherischer Kritik an der katholischen Kirche und Ständegesellschaft zu analysieren.
- Tradition und Wandel des Fastnachtspiels
- Die gesellschaftliche Stellung des Bauern im Mittelalter
- Rezeption und Einfluss der Reformation auf die Bauerngestalt
- Religionskritik und biblische Argumentation im Spiel
- Wandel der Bauernfigur vom Narren zum evangelischen Sprachrohr
Auszug aus dem Buch
5.1 Claus Bur – de Hůrpape
Das Spiel beginnt harmlos: Der Bauer betritt nach getaner Arbeit ein Wirtshaus, begrüßt die anwesenden Gäste, ist fröhlich gesonnen, scherzt mit ihnen und möchte sich mit ihnen für eine kurze Weile amüsieren – und reichlich Wein trinken. Auch de Hůrpape (d.h. Mietpfaffe, Kaplan) betritt -vermutlich aus demselben Grund wie der Bauer- das Wirtshaus. Er entdeckt Claus und wirft ihm vor, wie ein Herr Wein zu trinken, anstatt sich mit seines Gleichen, dem Bauernstand, abzugeben („Unde du drinckest hir wyn unde malmeseer / Mit Junckern, Prelaten unde heren!“ (V. 22)). Beim Bauern zu Hause sei das Geld knapp, seine Frau könne sich kaum „middelbeer“ (ein minderwertiges Bier) leisten – während er das Geld für die Abgaben des Hauses (vielleicht den Grundzins) für Wein ausgebe. Auf Claus Frage hin, warum er sich in seine Angelegenheiten mische und sich Gedanken mache, wofür er sein Geld ausgebe („Wat erret juw, effte ick einen gůlden vordo“ (V. 29)), erfahren wir die wahren Hintergründe für den Unmut des Mietpfaffen: Er wirft ihm vor, mit den Beichtpfennigen zu knausern („Men schaltu offern, so sitten dy de stippen vast“ (V. 36)), zumal die Gegenleistung, die er erbringen müsse, in keiner Relation zu dem stehe, was er dafür erhalte: „Hůre ick de bicht, ick moth twe stunde sitten, / Dar vůr gevestu kume einen witten“ (V. 37f.). Es kommt noch schlimmer: Er wirft dem Bauern vor, er habe bei der Austeilung des Abendmahls und der Ölung nur die Hälfte der Forderungen bezahlt („Latest gaff ick dy Gades licham unde ůlynge, / Dar vůr hůrden my iiij Schillinge; / Ick krech men twe, ys dy dat vorgeten?“ (V. 39 ff.)). Der Hůrpape besteht auf die Bezahlung der Restschuld und droht dem Bauern („Batalest my hyr na
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Fastnachtspiel „Claus Bur“ ein, identifiziert M. Bado aus Minden als möglichen Verfasser und stellt den dialektalen Hintergrund sowie die erste Ausgabe von 1523 vor.
2 Das Spiel „Claus Bur“ in der Tradition des Fastnachtspiels: Dieses Kapitel ordnet das Spiel in die Gattung des Fastnachtspiels ein, differenziert zwischen den unterhaltungsorientierten Nürnberger Spielen und den stärker belehrenden norddeutschen Traditionen.
3 Kirche, Bauer und Reformation: Hier wird die mittelalterliche Ständegesellschaft beleuchtet, in der der Bauer an unterster Stelle stand, sowie der fundamentale Wandel durch Martin Luthers Reformation und deren Einfluss auf die bäuerliche Rechtfertigung im Bauernkrieg.
4 Vom Bauernnarren zum Bauern als Sprachrohr der Reformation: Das Kapitel beschreibt die literarische Transformation der Bauernfigur, die sich von einem verspotteten, dummen „Bauernnarren“ hin zu einer gelehrten, bibelfesten Gestalt als Sprachrohr lutherischer Kritik entwickelte.
5 „Claus Bur“: Ein Interpretationsversuch: Dieser Hauptteil analysiert das Spiel, indem er die Streitgespräche zwischen dem Bauern Claus und den drei geistlichen Gegenspielern (Hůrpape, Fiskal, Doktor) als reformatorische Argumentationsketten gegen Korruption, Ablasshandel und päpstliche Autorität interpretiert.
Schlüsselwörter
Claus Bur, Fastnachtspiel, Reformation, Bauer, Luther, Kirche, Ständegesellschaft, Ablasshandel, Mittelalter, Papsttum, Norddeutschland, Polemik, Bibel, Bauernkrieg, Religionskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem mittelniederdeutschen Fastnachtspiel „Claus Bur“ und dessen Funktion als polemisches Sprachrohr der frühen Reformation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit untersucht die Tradition des Fastnachtspiels, die soziale Stellung des Bauern im Mittelalter sowie die religiöse und gesellschaftspolitische Kritik an der katholischen Kirche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, „Claus Bur“ als ein Werk zu interpretieren, das im Kontext reformatorischer Bestrebungen entstanden ist und den Bauern als kritischen, bibelorientierten Akteur inszeniert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Interpretation des Textes vor dem Hintergrund zeitgenössischer historischer Quellen und reformatorischer Schriften.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Tradition des Fastnachtspiels, die historische Kontextualisierung der bäuerlichen Lebenswelt und eine detaillierte Interpretation der drei Disputationen des Bauern Claus mit den geistlichen Vertretern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fastnachtspiel, Reformation, Luther, Bauernstand, Religionskritik und Bibelauslegung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich „Claus Bur“ von anderen Fastnachtspielen der Zeit?
Im Gegensatz zu vielen traditionellen Fastnachtspielen, die eher zur Unterhaltung dienten oder den Bauern verspotteten, nutzt „Claus Bur“ die Bauernfigur als Träger reformatorischer Ideale und scharfer Kirchenkritik.
Warum spielt die Bibel für die Figur des Claus Bur eine zentrale Rolle?
Für Claus Bur dient die Bibel als unfehlbare „Waffe“, mit der er die Korruption der Geistlichkeit und deren Abweichung von der christlichen Lehre argumentativ bloßstellen kann.
- Quote paper
- Angelika Felser (Author), 2003, M. Bado aus Minden "Claus Bur". Ein Fastnachtspiel im Dienste der Reformation, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/323939