Im Folgenden soll das Thema der Exilerfahrung im Zusammenhang mit der Biographie der Exilautoren und die Auswirkungen auf die Dichtung im Fokus dieser Arbeit stehen. Zunächst beschäftigt sich diese Arbeit mit den politischen Ereignissen, womit die Dichterinnen und Dichter konfrontiert wurden, um dann einen Blick auf die Exilerfahrungen der Exilanten zu werfen. Im Bezug auf die Exilforschung spielen besonders die Exilerfahrungen der Autoren und die literarischen Strategien, die im Schreibprozess verwendet wurden, eine bedeutende Rolle. Demnach soll untersucht werden, inwieweit das Exil die Gattung und die Sprache der Dichter geprägt hat.
Nach der Beschreibung der Exilbedingungen und der Exilauswirkungen auf die Exilanten, wird auch die geschlechtsspezifische Komponente des Exils näher erläutert, um einen Einblick in die Exilsituation der Dichterinnen zu erlangen. Der Hauptteil dieser Arbeit handelt dann von den eindrucksvollen Werken Else Lasker-Schülers, die auf eine sprachspielerische Weise die Motive der Einsamkeit und der
Entfremdung inszenieren. Mithilfe eines früheren Gedichts sollen die Fremdheitserfahrungen, die Lasker-Schüler bereits vor dem Exil erlebt hat, charakterisiert werden, um
somit die Wurzellosigkeit, die sie in Deutschland erfährt, aufzuzeigen. Schließlich soll das Exilspezifische in ihrem Gedicht Die Verscheuchte analysiert werden, um die
Orientierungslosigkeit und die Entwurzelung, die das Gedicht prägen, auszudrücken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Exil – Politische Vertreibung und poetische Verbannung
2.1 Exillyrik – Begriff und Forschung
2.2 Exilerfahrungen deutscher Autoren
2.3 Die Betrachtung weiblicher Exilbedingungen
3. Heimatverlust in Else Lasker- Schülers Die Verscheuchte
3.1 Ein Rückblick auf Else Lasker-Schülers Leben
3.2 Fremdheitserfahrungen in einem früheren Gedicht
3.3 „Wo weilt der Odem, der aus meinem Leben wich?“
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Exilerfahrung in der deutschsprachigen Lyrik am Beispiel von Else Lasker-Schüler, wobei der Fokus auf der Verknüpfung von biographischen Aspekten mit literarischen Strategien zur Verarbeitung von Heimatverlust und Identitätsproblemen liegt.
- Politische und persönliche Bedingungen des Exils (1933–1945)
- Weibliche Exilperspektiven und Schaffensstrategien
- Analyse des Heimatverlusts in Else Lasker-Schülers Lyrik
- Symbolik und Motivik in den Gedichten "Weltflucht" und "Die Verscheuchte"
- Identitätsfindung und Existenzängste im Exil
Auszug aus dem Buch
3.3 „Wo weilt der Odem, der aus meinem Leben wich?“
Bereits in Deutschland erlebt Else Lasker-Schüler sich selbst als eine Außenseiterin der Gesellschaft und dies auf verschiedene Arten; denn als weibliche, jüdische Dichterin kämpft sie um ihre Existenz in einer patriarchalen und faschistischen Welt. Als Jüdin, Frau und Dichterin durchlebt sie eine dreifache Belastung, die die Flucht in die lyrische Welt zur Folge hat. Die Flucht geschieht für Lasker-Schüler auf zwei Ebenen: sowohl poetisch als auch politisch. Mit dem Abschied vom Heimatland und dem ungewollten Aufenthalt im Exil, bedrücken die Künstlerin Fremdheitsgefühle, die Einsamkeit, Schmerz und die Frage nach der Existenz. Diese Exileinsamkeit und der Heimatverlust, die Lasker-Schüler in ihrer Exilzeit erfährt, lassen sich besonders in ihren ersten literarischen Werken im Exil wiederfinden. Denn 1934 tauchen die Motive des Heimatverlusts in dem bekannten Gedicht Die Verscheuchte auf, welches in Klaus Manns Exilzeitschrift Die Sammlung veröffentlicht wurde. Durch dieses Gedicht wird die Erfahrung des Exils auf eine eindrucksvolle Weise veranschaulicht und deutet auf eine „Abwendung von der früheren Lyrik oft beherrschende Manier“ hin. Aufgrund der „Abwendung“ von früheren Gedichten, scheint es, als würde die Beschreibung nun die Realität des Exilempfindens präziser darstellen und ermöglicht somit ein Nachempfinden der Exilereignisse für den Leser. Denn die Einsamkeit und die Sehnsucht nach der Heimat und besonders das Fremdheitsgefühl im Exil lassen sich bereits in den ersten Zeilen des Gedichts wiederfinden:
Es ist der Tag im Nebel völlig eingehüllt, Entseelt begegnen alle Welten sich – Kaum hingezeichnet wie auf einem Schattenbild.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz der Exillyrik zwischen 1933 und 1945 und führt in die zentrale Fragestellung zur literarischen Verarbeitung der Exilerfahrung bei Else Lasker-Schüler ein.
2. Das Exil – Politische Vertreibung und poetische Verbannung: Dieses Kapitel erörtert die historischen Hintergründe der Vertreibung durch das NS-Regime und analysiert, wie sich die Bedingungen des Exils inhaltlich und sprachlich auf die Werke deutschsprachiger Autoren auswirkten.
3. Heimatverlust in Else Lasker- Schülers Die Verscheuchte: Das Hauptkapitel untersucht anhand biographischer und textanalytischer Ansätze, wie Else Lasker-Schüler das Gefühl von Heimatverlust, Entfremdung und die Suche nach Identität in ihrer Lyrik, insbesondere im Gedicht „Die Verscheuchte“, künstlerisch inszeniert.
4. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und betont Else Lasker-Schülers bedeutenden Beitrag zur Exilliteratur durch die authentische Darstellung existentieller Not in einer ästhetisch anspruchsvollen Form.
Schlüsselwörter
Exil, Exillyrik, Else Lasker-Schüler, Die Verscheuchte, Heimatverlust, Identitätsverlust, Nationalsozialismus, Fremdheit, Vertreibung, Lyrik, Autobiographik, Weltflucht, Einsamkeit, weibliche Exilerfahrung, Exilliteratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Auseinandersetzung von Exilautoren – spezifisch Else Lasker-Schüler – mit ihrer Vertreibung aus Deutschland und dem damit verbundenen Identitätsverlust.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Heimatverlust, die traumatische Erfahrung der Verbannung, die Rolle der Sprache im Exil sowie die spezifischen Bedingungen des Schreibens als weibliche Exilautorin.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Verbindung zwischen der biographischen Lebensgeschichte von Lasker-Schüler und ihrem poetischen Werk zu beleuchten, um zu zeigen, wie sie das Exil lyrisch verarbeitet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert literaturhistorische Analysen mit werkimmanenter Interpretation und bezieht autobiographische Kontexte ein, um die Symbolik in Lasker-Schülers Gedichten zu deuten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Leben der Dichterin, Fremdheitserfahrungen in ihrem Frühwerk sowie eine detaillierte Interpretation des Gedichts „Die Verscheuchte“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Exillyrik, Heimatverlust, Entfremdung, Identität und die spezifische Symbolsprache von Lasker-Schüler charakterisiert.
Warum spielt die Form des Sonetts für Exilautoren eine so wichtige Rolle?
Laut Text bietet die feste ästhetische Struktur des Sonetts den Exildichtern eine emotionale Festigung und einen Trost gegenüber dem Gefühl des Untergangs und der Zerstörung.
Inwiefern beeinflusst der Bezug zu Gottfried Benn das Verständnis des Gedichts „Die Verscheuchte“?
Der Bezug dient als biographische Folie für das Thema des Liebesverrats und der Untreue, die im Gedicht durch die Metaphern von Ablehnung und Ausgrenzung („verscheucht“) reflektiert werden.
Wie unterscheidet sich die Exilerfahrung von Frauen laut der zitierten Forschung?
Trotz gemeinsamer Erfahrungen der Vertreibung erweisen sich Frauen in der Untersuchung als geschickter im Spracherlernen und in der sozialen Anpassung, übernehmen aber oft die Rolle der Versorgerin unter erschwerten Bedingungen.
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- Katrin Miel (Author), 2016, Exilerfahrungen Else Lasker-Schülers "Die Verscheuchte", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/322920