In dieser Hausarbeit gehe ich der Frage nach, wie interkulturell orientierte Materialen im Musikunterricht am Beispiel der türkischen Musikkultur aussehen sollten. Dazu werden zunächst die Begriffe Kultur und Interkulturalität sowie Rassismus und institutioneller Rassismus definiert. Danach folgt ein Kapitel über arabische Musik sowie ein weiteres Kapitel über die Entwicklung der Migrationspädagogik in Deutschland. Den letzten Teil dieser Arbeit bildet die Untersuchung verschiedener Lehrmaterialien im deutschen Musikschulbuch.
Dabei erwarte ich, in einigen Büchern versteckten Rassismus zu finden, der unbewusst zu einer Diskriminierung der türkischen Kultur führt. Die großen Medien in Deutschland sorgen meiner Meinung nach dafür, dass in Deutschland sozialisierte Menschen ein reflektierter Erwerb von interkulturellen Kompetenzen erschwert wird. Diese Kompetenzen müssen also so früh und so ‚korrekt’ wie möglich in der Schule erlernt werden. Inwieweit dieses Erlernen von gegenseitigem (Kultur-)Respekt möglich ist, möchte ich ebenfalls in dieser Hausarbeit erörtern. Hierbei beschränke ich mich auf den schulischen Bereich der interkulturellen Musikpädagogik. Meine wichtigsten Quellen sind die Darlegungen Irmgard Merkts, die bereits 1984 einen Situationsbericht über die deutsch-türkische Musikpädagogik verfasst hat und bis heute große Fortschritte im Bereich Interkultureller Musikpädagogik in die Wege leitet. Letztlich soll ebenso eine Einschätzung gegeben werden, was interkulturelle Musikpädagogik leistet, was sie leisten kann und wo möglicherweise Grenzen für interkulturelle Pädagogik gegeben sind.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BEGRIFFSDEFINITION KULTUR UND INTERKULTURALITÄT
3. BEGRIFFSDEFINITION RASSISMUS UND INSTITUTIONELLER RASSISMUS
4. ARABISCHE MUSIK
5. DIE ENTWICKLUNG DER SCHULPOLITIK UND MIGRATIONSPÄDAGOGIK IN DEUTSCHLAND
5.1 HANDLUNGS- UND PROJEKTORIENTIERTER UNTERRICHT (NACH I. MERKT)
5.2 STRUKTURELLER RASSISMUS IN DER SCHULE
6. UNTERSUCHUNG VON LEHRMATERIALIEN
6.1 POSITIVBEISPIEL EINER UNTERRICHTSREIHE FÜR INTERKULTURELLE MUSIKPÄDAGOGIK IN BEZUG AUF TÜRKISCHE MUSIKKULTUR
6.2 NEGATIVBEISPIEL EINES INTERKULTURELLEN MUSIKUNTERRICHTS IN BEZUG AUF TÜRKISCHE MUSIKKULTUR
7. FAZIT: WIE SOLLTEN INTERKULTURELL ORIENTIERTE MATERIALEN IM DEUTSCHEN MUSIKSCHULBUCH AUSSEHEN?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie interkulturell orientierte Lehrmaterialien im Musikunterricht unter Berücksichtigung der türkischen Musikkultur gestaltet sein sollten, um einen gleichwertigen und rassismuskritischen Umgang mit verschiedenen kulturellen Ausdrucksformen zu fördern.
- Grundlagen zu den Begriffen Kultur, Interkulturalität und Rassismus.
- Historische und strukturelle Aspekte der türkischen Musikkultur.
- Analyse der schulpolitischen Entwicklung der Migrationspädagogik in Deutschland.
- Kritische Untersuchung von Lehrmaterialien in Musikschulbüchern hinsichtlich versteckter Rassismen.
- Entwicklung von Kriterien für einen gelingenden, interkulturellen Musikunterricht.
Auszug aus dem Buch
6.1 Positivbeispiel einer Unterrichtsreihe für Interkulturelle Musikpädagogik in Bezug auf türkische Musikkultur
Das Buch „Musik in der Grundschule – neu denken, neu gestalten“ von Mechthild Fuchs bietet Praxisvorschläge an. Das Kapitel mit dem Namen „Regeln zur Unterscheidung des Zweier- und Dreiermetrums: Chamäleon, Dünyayi verelım çokuclara“ wird als positives Beispiel für einen gelungen interkulturellen Unterricht angesehen und nun nachfolgend dargestellt. Der Themenkomplex ist in fünf Kapitel aufgeteilt:
1. Sprechvers: Chamäleon
2. Rhytmische Patterns im Zweier- und Dreiermetrum
3. Regeln zur Unterscheidung der Metren
4. Bestimmung des Metrums vertrauter Lieder und Sprechverse
5. Lied und Tanz: Dünyayı verelim çokuclara.
(1) Zuerst soll das Tier Chamäleon gezeigt und beschrieben werden. (2) Danach wird der Sprechvers von der LehrerIn gesprochen oder vorgesungen und gemeinsam in verteilten Rollen dargestellt. (3) Jetzt folgen die „Regeln für den Gebrauch der Silben im Zweier- und Dreiermetrum“, die dann in ein Tafelbild übertragen und praktisch geübt werden. Die Lehrerin spricht wechselnd Patterns im Zweier- oder Dreiermetrum, die SchülerInnen sprechen dies nach und bestimmen die Taktart.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Autorin legt die Problemstellung und das Ziel dar, rassismuskritische Ansätze für den interkulturellen Musikunterricht am Beispiel der türkischen Musikkultur zu finden.
2. BEGRIFFSDEFINITION KULTUR UND INTERKULTURALITÄT: Es werden die zentralen theoretischen Begriffe definiert, wobei Kultur als dynamisches Orientierungssystem und Interkulturalität als Raum für gleichwertigen Austausch verstanden werden.
3. BEGRIFFSDEFINITION RASSISMUS UND INSTITUTIONELLER RASSISMUS: Dieses Kapitel erläutert Rassismus als soziale Ideologie und Haltung sowie die tief in gesellschaftlichen Strukturen verankerte institutionelle Diskriminierung.
4. ARABISCHE MUSIK: Hier erfolgt eine Einführung in die Geschichte und Merkmale der türkischen Musikkultur, einschließlich ihrer verschiedenen stilistischen Ausprägungen und religiösen Kontexte.
5. DIE ENTWICKLUNG DER SCHULPOLITIK UND MIGRATIONSPÄDAGOGIK IN DEUTSCHLAND: Die historische Entwicklung der schulischen Ausländerpädagogik wird nachgezeichnet, wobei die Defizite in der Integration und die Wichtigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes hervorgehoben werden.
6. UNTERSUCHUNG VON LEHRMATERIALIEN: Anhand konkreter Beispiele aus Schulbüchern wird aufgezeigt, wie Lehrmaterialien sowohl gelingende als auch diskriminierende, rassistische Inhalte vermitteln können.
7. FAZIT: WIE SOLLTEN INTERKULTURELL ORIENTIERTE MATERIALEN IM DEUTSCHEN MUSIKSCHULBUCH AUSSEHEN?: Die Arbeit resümiert, dass interkulturelle Bildung von der Gleichwertigkeit der Kulturen ausgehen muss und Pädagogen eine reflektierte Haltung zur Vermeidung von Stereotypen einnehmen sollten.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Musikpädagogik, Türkische Musikkultur, Institutioneller Rassismus, Schulpolitik, Migrationspädagogik, Interkulturelle Kompetenz, Musikschulbücher, Diskriminierung, Eurozentrismus, Struktur-Analyse, Gleichwertigkeit, Lehrmaterialien, Identitätsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie interkulturell orientierte Materialien im Musikunterricht gestaltet sein müssen, um die türkische Musikkultur wertschätzend und rassismuskritisch zu vermitteln.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, Kriterien für einen gelingenden, interkulturellen Musikunterricht zu erarbeiten, der systemische Diskriminierung vermeidet und von der Gleichwertigkeit aller Kulturen ausgeht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Kultur und Rassismus, die historische Entwicklung der deutschen Migrationspädagogik sowie die praktische Analyse von Lehrmaterialien in Musikschulbüchern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Fachliteratur und führt eine qualitative Analyse ausgewählter Lehrmaterialien durch, um rassistische Stereotype und didaktische Ansätze aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen die Geschichte der türkischen Musikkultur, die Entwicklung der Schulpolitik in Bezug auf Migrationspädagogik und die vergleichende Untersuchung von Schulbuchkapiteln behandelt.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Interkulturelle Musikpädagogik, struktureller Rassismus, kulturelle Gleichwertigkeit und Migrationspädagogik.
Was ist das zentrale Kritikargument bezüglich des "Negativbeispiels"?
Das Schulbuchbeispiel wird kritisiert, weil es den türkischen Liedtext als "plump" abwertet, Taktarten mit Begriffen wie "hinken" stigmatisiert und den kulturellen Kontext völlig ausblendet, was rassistische Vorurteile verstärkt.
Welche Rolle spielt Irmgard Merkt in der Argumentation?
Irmgard Merkt dient als zentrale theoretische Quelle, insbesondere für ihren Ansatz des handlungs- und projektorientierten Unterrichts, der als wichtiger Baustein für eine gelingende interkulturelle Pädagogik angesehen wird.
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- Mathis Rasmußen (Author), 2015, Migrationspädagogik und türkische Musikkultur. Wie sollten interkulturell orientierte Materialien im Musikunterricht aussehen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/322369